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Formel 1

Formel 1 Silverstone II: Die heißesten Fragen zum Rennen

Vor dem zweiten Formel-1-Rennen der Saison 2020 in Silverstone gibt es Themen ohne Ende. Sebastian Vettel im Tief, Reifendrama und Wundertüte Racing Point.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Keine Premiere mehr, dennoch stellen sich vor dem zweiten Back-to-back-Rennen der Formel 1 auf ein- und derselben Strecke in der Saison 2020 jede Menge Fragen. Nach einem Doppel auf dem Red Bull Ring, wartet der F1-Kalender 2020 am Wochenende mit dem zweiten Grand Prix von Großbritannien auf. Vor der nächsten Formel-1-Action in Silverstone drängen sich die Themen nur so auf.

Formel 1 Silverstone Vorschau: Vettel diesmal besser in Form?: (12:25 Min.)

Klettert Sebastian Vettel aus dem Tief? Halten die Reifen nach den Dramen des vergangenen Sonntags diesmal? Protest, Corona-Test, Performance - was geht alles bei Racing Point ab? Setzt Alex Albon endlich ein Highlight? Und kann diesmal große Hitze Mercedes stoppen? Das sind die Brennpunkte für den Großen Preis zum 70. Geburtstag der Formel 1.

#1 Kommt Vettel in Schwung?

Charles Leclerc auf dem Podium, Sebastian Vettel mit einem dürftigen zehnten Platz. Nach dem ersten Rennen in Österreich wiederholte sich für den Deutschen dieses bittere Bild im ersten Rennen in Silverstone spiegelbildlich. Noch dazu hatte sich Vettel im Qualifying fast eine Sekunde Rückstand auf den jungen Teamkollegen eingehandelt. Nach zwei besseren Wochenenden zuvor hängt Vettel wieder in einem Tief.

Allerdings entstand das auch durch so gut wie keine Fahrpraxis im Training - durch technische Defekte an seinem Ferrari. Das ließ Vettel selbst zwar nicht als große Entschuldigung gelten, geholfen hat es allerdings auch nicht. Einen derart großen Rückstand erklärt das dennoch nicht. Vielmehr vermutete Vettel, etwas sei ‚faul’. Egal wie er seinen Fahrstil angepasst habe, im Rennen sei mit dem SF1000 absolut nichts möglich gewesen. Aus Vettel-Sicht lässt sich deshalb nur hoffen, dass sich erneut die Geschichte von Österreich wiederholt. Dort identifizierte Ferrari tatsächlich gröbere Fehler am Boliden des vierfachen Weltmeisters.

#2 Halten die Reifen diesmal?

Erst Valtteri Bottas, dann Carlos Sainz und zuletzt Leader Lewis Hamilton. In den letzten Runden des Großbritannien GP handelte sich ein Fahrer nach dem anderen Reifenschäden ein. Weil es nur eine Woche später auf derselben Strecke weitergeht, war Pirelli zu einer schnellen Analyse gezwungen - und die kam.

Trümmerteile waren entgegen erster Erwartungen - auch der Teams - nicht verantwortlich. Stattdessen sorgten eine Kombination der extremen laterale Kräfte auf dem Highspeedkurs von Silverstone (Pole 2020 eine Sekunde schneller als im Vorjahr) und ein hoher Verschleiß (Boxenstopps wegen eines Safety Cars schon in Runde 13) dafür, dass die Konstruktion der Pneus nicht mehr genügend geschützt war.

Damit sich Szenen wie am Sonntag nicht wiederholen gibt es eine Reihe von Anpassungen. So hat Pirelli die Reifendrücke auf nun 27 PSI vorne und deren 22 hinten erhöht, noch dazu wurde auch an der Strecke angepasst. Am Ausgang der schnellen Becketts wird für Wochenende zwei ein neuer Kerb installiert. Dieser soll verhindern, dass die Fahrer sich dort ein wenig ins Gras tragen lassen, nur um dann, voll über den Kerb, in die folgende Kurve Chapel zu gehen. Das hatte die Reifen speziell in diesem Highspeedabschnitt besonders leiden lassen.

Formel 1, Mercedes-Stratege erklärt: So rettete Hamilton Sieg: (09:03 Min.)

Interessant: An der Auswahl weicherer Reifenmischungen für Silverstone II (C2-C4 statt C1-C3) hat Pirelli nichts mehr geändert - obwohl auch das Wetter wärmer werden soll, die Reifen sogar noch mehr leiden dürften. Das allerdings könnte sogar helfen. Kurios? Nein, ganz logisch. Wenn von vornherein klar ist, dass zwei Stopps nötig sein werden, um über die Distanz zu kommen, werden die Stints kürzer, das Verschleiß-Problem ist ausgeräumt. Noch dazu sind die Teams sensibilisiert. „Wir fahren mit weit offenen Augen nach Silverstone“, sagte Mercedes-Chefstratege James Vowles. „Man wird jetzt vorsichtiger sein und ich bin sicher, dass man sehr viel mehr Zweistopps sehen wird.“

#3 Kann das Wetter Mercedes stoppen?

32, 27, 25. Diese Temperaturen sagt der Wetterbericht nach aktuellem Stand am Mittwochabend für Trainingsfreitag, Qualifying-Samstag und Rennsonntag in Silverstone voraus. Das sind höhere Werte als am vergangenen Wochenende. Der Sommer hat sich selbst Großbritannien durchgesetzt. Verschärft das nicht nur die Angst vor neuen Reifendramen, sondern bietet auch das Potential, Mercedes zu stoppen?

An die Hitzeanfälligkeit der jetzt schwarzen Silberpfeile will im Fahrerlager so mancher beharrlich glauben. Auch Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin mahnte am vergangenen Freitag - der einzig heiße Tag des ersten Silverstone-Wochenendes - zumindest im Ansatz.

Tatsächlich war die Überlegenheit Mercedes’ auf der Heimstrecke allerdings derart groß, dass man es wohl auch vor Wochenende II mit Max Verstappen halten sollte. Der hatte nach mehr als einer Sekunde Rückstand im Qualifying angemerkt, auch bei größerer Hitze maximal die eine oder andere Zehntel näher dran gewesen zu sein.

#4 Schlägt Albon zurück?

So lang die Formel-1-Saison 2020 dauert, so lang steht Alexander Albon in der Kritik. Der zweite Fahrer von Red Bull Racing kam in den ersten vier Qualifyings und Rennen nie mit Max Verstappen mit. Teilweise war auch Pech dabei, etwa die Kollision mit Lewis Hamilton in Österreich. Doch insgesamt wurde offensichtlich, wie schwer sich der junge Brite tut, den RB16 zu bändigen.

Am ersten Wochenende in Silverstone kamen nun auch noch ein Crash im Training und ein eher vermeidbarer Unfall mit Kevin Magnussen zu Rennbeginn hinzu - und mit Platz acht, hinter Vorgänger Pierre Gasly im AlphaTauri, diesmal auch ein mäßiges Ergebnis, nicht nur ein großer Rückstand auf Verstappen. Wieder musste Teamchef Christian Horner seinen Schützling verteidigen. Jetzt brauche Albon schlicht auch einmal ein ruhiges und sauberes Wochenende. Bekommt er das in Silverstone, muss der Youngster den Beweis antreten, dass mehr in ihm steckt.

#5 Findet Racing Point die Pace?

Viel los bei Racing Point zum Start der Formel-1-Saison 2020. Einmal sind da die dauernden Proteste Renaults - zuletzt auch wieder in Silverstone - hinsichtlich der Legalität der Bremsbelüftungen des RP2. Dann gibt es das noch bitterere Thema Sergio Perez. Der Mexikaner infizierte sich vor dem Großbritannien GP mit dem Coronavirus, musste aussetzen. Nico Hülkenberg übernahm, feierte ein sensationelles F1-Comeback. Das endete wegen eines gebrochenen Bolzens am Kupplungsgehäuse zwar ohne Rennstart, schrieb dennoch Schlagzeilen.

Eine zweite Chance erscheint möglich. Einmal ist noch immer unklar, ob für Perez sieben oder zehn Tage Quarantäne ab erstem positivem Test auf Covid-10 gelten, noch dazu muss der Mexikaner erst wieder negativ getestet werden. Hülkenberg bereitet sich unterdessen weiter vor. Gut möglich, dass es ein neuerlicher Krimi wird, der sich erst in den Schlussminuten vor FP1 entscheidet. Aktuell deuten die Zeichen tatsächlich auf einen zweiten Anlauf mit Hülk.

Fraglich dann: Was geht nicht nur für Hülkenberg mit immerhin einem Freitag und Samstag in den Knochen, sondern auch für Racing Point generell? Mit Stammfahrer Stroll war in Silverstone wider Erwarten jedenfalls deutlich weniger zu holen als zuletzt in Ungarn. Nur Platz neun für den Kanadier. „Es ist ziemlich seltsam, wir wurden einfach durchgereicht“, grübelte Stroll. Findet Racing Point diesmal die Pace des ‚pinken Mercedes’? Im Vorjahr lief es für die Silberpfeile in Silverstone durchaus gut ...


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