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Formel 1, Hamilton & Bottas liefern bizarre PK: Schwächen?!

Hat Mercedes in der Formel-1-Saison 2020 keine Schwächen mehr? Lewis Hamilton und Valtteri Bottas gehen die Ideen zum Tiefstapeln aus. Kurioser Wortwechsel.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Mercedes ist mehrfacher Weltmeister - in der Formel 1 nicht nur auf der Strecke, sondern auch in Sachen Understatement. Allen voran Motorsportchef Toto Wolff brilliert in der Disziplin des Tiefstapelns wie kein zweiter im gesamten Fahrerlager. Selbst kleinste Scharten in Statistiken und Anflüge von Problemen nutzt der Wiener, um mahnend den Zeigefinger zu heben, zu Vorsicht zu mahnen.

„In den vergangenen Jahren haben wir beim Großen Preis von Großbritannien sehr gute Ergebnisse erzielt“, sagte Wolff etwa via Presseaussendung Mercedes’ ganz aktuell vor dem Großbritannien 2020. Trotz stolzer fünf von sechs Siegen in Silverstone seit 2014 fügte er jedoch eines seiner auch in der Redaktion von Motorsport-Magazin.com längst berüchtigten Zitate an. Wolff: „Aber wir kennen alle das berühmte Zitat von Babe Ruth: ‚Mit dem Home Run von gestern können wir nicht auch noch das heutige Spiel gewinnen.’ Nur wegen einer starken Leistung in der Vergangenheit sind weitere gute Ergebnisse nicht selbstverständlich.“

Hat der Mercedes W11 noch Schwächen?

Kurios wurde es dann genau einen Tag nach Versand dieser Pressemitteilung in der offiziellen FIA-Pressekonferenz vor dem Rennen in Silverstone mit Hamilton und Bottas. Gleich zu Beginn fragte Motorsport-Magazin.com beim Briten und Finnen nach: Welche Schwächen hat der 2020er Mercedes W11 überhaupt noch? Immerhin hatte Mercedes nach dem Österreich GP noch vor der eigenen Zuverlässigkeit und der Performance in langsamen Kurven gewarnt.

"An diesem Wochenende haben uns die Red Bull in Kurve drei gekillt! In Kurve vier waren sie auch stärker“, sagte Hamilton damals, schon das folgende Rennen in Ungarn im Kopf. Der Weltmeister warnte: „Dort ist der kürzere Red Bull normalerweise sehr, sehr stark." Wolff spiegelte die Aussagen des Briten nahezu identisch. In Ungarn zeigte sich jedoch ein anderes Bild. Von Schwächen keine Spur - im Gegenteil, Mercedes dominierte genauso deutlich. Mindestens.

Lewis Hamilton: Haben wir das gesagt?!

Was das bedeutet, führen die Antworten in der Silverstone-PK klar vor Augen. Oder sehr viel mehr die Szene, die sich statt einzelnen Antworten abspielte, als wir an die Aussagen aus Österreich erinnerten. Zunächst hörte man nur ein leises Lachen, ehe eine lange Pause folgte. Dann sagte Hamilton schließlich in Richtung Bottas: „Haben wir das gesagt?!"

Formel 1, Silverstone: Ferrari-Comeback? Red Bull im Aufwind?: (10:00 Min.)

Bottas grübelte kurz. "Ja. Ich habe gerade versucht, mich zu erinnern.“ Anders Hamilton. „Ich erinnere mich nicht mehr, was wir in Österreich gesagt haben.“ Wieder folgte ein Lachen. Um eine klare Antwort kamen die Mercedes-Fahrer allerdings nicht herum - der Moderator wiederholte die Frage noch einmal.

Hamilton & Bottas drucksen rum

Darauf entstand eine gefühlt endlos lange Pause, ehe Lewis erneut abzulenken versuchte: „Ähhm ... wo sind wir zuletzt nochmal gefahren?“ Bottas: „Budapest.“ Hamilton: „Ähhmm. Schwächen?“ Wieder ein langes Schweigen. Grübeln. Dann aber die Antwort: „Hmmm.“ Also doch nicht. Den Job übernahm dann endlich Bottas. „Es ist ziemlich stark“, sagte der Finne über sein Auto. Das Eis war gebrochen. „Es ist ziemlich stark“, bestätigte Hamilton, wieder unter einem amüsierten Lachen.

Dann übernahm wieder Bottas - mit einer Rechtfertigung der Aussagen aus Spielberg. „In Österreich gab es ein paar Kurven, wo es etwas uneben war. Und Red Bull ist ja normalerweise gut in ein paar langsamen Kurven“, sagte der Finne. „Ja, das war wie Dreiradfahren“, bestätigte Hamilton. „Aber nein, größere Probleme sehe ich gerade nicht.“

Hamilton: Mercedes sollte in Silverstone stark sein

Also keine Sorgen mehr? Kein Understatement? Nichts dergleichen? Doch, doch. „Es kann auf jeden Fall besser sein“, so Bottas. „Ja, darauf arbeiten wir hin“, ergänzte Hamilton, noch immer sichtlich amüsiert. Auch dem Briten ist offenbar klar, dass man die eigene Stärke kaum noch weg reden kann. Schon gar nicht in Silverstone.

Hamilton (einmal Finger in die Ohren bitte, Herr Wolff): „Wir sollten hier ziemlich stark sein. Es gibt hier keine Unebenheiten, die Strecke ist flach und glatt. Das Auto sollte hier ziemlich schön zu fahren sein. In den letzten Jahren waren wir ja auch ziemlich stark.“


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