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Formel 1

Formel 1, nach Hamiltons End-Racism-Kritik: Grosjean lenkt ein

GPDA-Direktor Romain Grosjean lenkt nach Lewis Hamiltons Beschwerde ein. Formel 1 inszeniert Anti-Rassismus-Kampagne in Silverstone erneut im großen Stil.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 wird beim vierten Rennen 2020 in Silverstone erneut ihre Anti-Rassismus-Kampagne mit einer kollektiven Aktion inszenieren. Lewis Hamilton hatte sich nach dem Grand Prix von Ungarn über die hastige Ausführung der End-Racism-Initiative beklagt und unter anderem GPDA-Direktor Romain Grosjean unter Beschuss genommen. Der Franzose lenkte nach einem klärenden Gespräch mit dem Weltmeister ein.

"Als Direktor der GPDA habe ich für die Fahrer gesprochen, die nicht weiter zu dem Thema Stellung beziehen wollten. Das war wahrscheinlich der falsche Weg und Lewis brachte ein paar gute Argumente vor. Ich habe wohl das Falsche getan", erklärt der Haas-Pilot im Vorfeld des Großbritannien GP. Am Dienstag der vorangegangenen Woche führte er ein fast einstündiges Telefonat mit Hamilton.

Der Mercedes-Pilot hatte Grosjean vorgeworfen, die Wichtigkeit der Initiative nicht zu erkennen. "Er denkt nicht, dass es wichtig ist, das zu machen. Er ist einer von denjenigen, die glauben: wir haben es einmal gemacht und das ist alles, was wir machen müssen", sagte Hamilton nach dem Rennen auf dem Hungaroring.

Grosjean und Vettel als GPDA-Direktoren gespalten

"Ich habe es Lewis erklärt. In diesem Moment hielt ich es für richtig. Wir sind zwei GPDA-Direktoren und wir hatten sieben oder acht Fahrer, welche die Zeremonie nicht wie beim ersten Rennen in Österreich durchführen wollten", erklärt Grosjean, der zusammen mit Sebastian Vettel die GPDA-Führung der aktiven Fahrer bildet.

Während Vettel die Unterstützer von Hamiltons Forderungen vertrat, fühlte sich Grosjean dazu berufen, im Sinne der Demokratie die Gegenseite zu vertreten. "Sebastian ging in die Richtung, diese Form der Anti-Rassismus-Kampagne fortzusetzen, was natürlich der richtige Ansatz ist", sagt er.

Für Grosjean wurde es in den Tagen nach Hamiltons Kritik zunehmend ungemütlich. In den sozialen Medien musste er sich mit Anfeindungen auseinandersetzen: "Ich war nicht sehr glücklich darüber, so behandelt zu werden. Es wurde viel über Rassismus geschrieben und dass ich ein Rassist wäre."

Formel 1 beschließt erneute Inszenierung der Anti-Rassismus-Kampagne

Bei einer Telefonkonferenz mit weiteren GPDA-Führungspersönlichkeiten wie Alexander Wurz und FIA-Präsident Jean Todt sowie Liberty-Media-CEO Chase Carey, wurde nach Ungarn die weitere Vorgehensweise festgelegt. Grosjean forderte mehr Führung durch den F1-Promoter sowie einen klaren Ablauf, ähnlich dem Saisonauftakt in Spielberg.

"Ich denke, wir werden zum Ablauf des ersten Rennens zurückgehen, mit dem Teppich und mehr Zeit, so dass es nicht überstürzt wird. Die Fahrer werden sich und ihre Gesten zum Ausdruck bringen können", so Grosjean, der hofft, dass diesmal mehr Fahrer mitziehen. Bei der Saisoneröffnung hatten Verstappen, Räikkönen, Leclerc, Sainz, Kvyat und Giovinazzi vom Kniefall abgesehen.

Gleichzeitig stimmt er Todt zu, der zuletzt betonte, dass Freiheit und Demokratie keineswegs untergraben werden dürfen: "Jeder möchte seine Gefühle auf eine andere Weise zum Ausdruck bringen. Du kannst niemand zu etwas zwingen, sie haben alle ihre persönlichen Gründe. Vielleicht reicht deine Begründung dir, aber jemand anderem nicht. Aber diese Frage stellt sich eigentlich gar nicht, denn jeder muss tun, was er für richtig hält."

Räikkönen und Magnussen wollen Politik meiden

"Jeder hat das Recht, das zu machen, was er für richtig hält. Wir sind alle gegen Rassismus und unterstützen das zu einhundert Prozent. Aber unter dem Strich sind wir wegen des Sports hier. Natürlich tun wir gleichzeitig das Bestmögliche, um bei dieser Situation zu helfen. Aber ich glaube, wir müssen nicht erklären, warum wir knien oder nicht. Das ist eine persönliche Entscheidung und wird es immer bleiben", erklärt Räikkönen das Verweigern des von Hamilton geforderten Kniefalls.

Kevin Magnussen äußerte in der Pressekonferenz am Donnerstag außerdem seine Bedenken, sich im Rahmen des Sports politisch zu engagieren. "Ich will nicht politisch werden und es ist für mich schwer einzuschätzen, wie meine Aktionen auf andere wirken. Ich will mit Politik nichts zu tun haben oder den Anschein machen, als ob ich Gruppen oder Organisationen unterstütze, die ich nicht befürworten kann", so der Däne.

Grosjean sieht nicht nur bei seinem Teamkollegen Bedenken, über die End-Racism-Kampagne der Formel 1 hinaus Zeichen zu setzen und dadurch mit Organisationen wie der durch Hamilton unterstützen Black-Lives-Matter-Bewegung in Verbindung gebracht zu werden: "Wir sind alle darin vereint, gegen Rassismus zu kämpfen. Aber manche haben Sorge, mit einer politischen Bewegung identifiziert zu werden. Ich denke zwar nicht, dass das passiert, aber vielleicht irre ich mich da auch."


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