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Formel 1 heute vor 16 Jahren: Schumacher crasht perfekte Saison

Heute vor 16 Jahren in der Formel 1: Michael Schumachers Siegesserie endet in Monaco. MSM blickt in einer Geschichtsserie zurück auf besondere Momente.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2020 lässt wegen der Coronavirus-Pandemie auf sich warten. Motorsport-Magazin.com nutzt die Zwangspause für eine neue Serie historischer Beiträge - ‚On this day’. Heute: 23. Mai. Der Tag, an dem Michael Schumachers Träume von einer perfekten Saison endeten.

Formel 1 heute vor 16 Jahren: Schumacher-Serie unterbrochen

Michael Schumachers Fahrt zum WM-Titel der Saison 2004 - seinem siebten - ist eines der dominantesten Jahre der Formel-1-Geschichte. Schumacher gewann zwölf der ersten 13 Rennen, erst nachdem die WM in Ungarn schon durch war ließ er nach. Aber Moment, zwölf der ersten 13? Ein Rennen ging schief. Ausgerechnet das F1-Kronjuwel Monaco zerstörte den Traum der perfekten Saison.

Auf das Ende der Serie hätte am Samstag, als es ins Qualifying ging, noch niemand wirklich gewettet. Schumacher hatte alle vier Trainings angeführt, und das vierte Training mit einem absoluten Streckenrekord von 1:14.014 abgeschlossen. Doch das war trügerisch, denn Bridgestones neue Qualifying-Reifen waren so weich, dass sie nicht einmal in Monaco hielten. Im Qualifying setzte Ferrari daher lieber auf härtere Reifen, und Jarno Trulli stellte stattdessen seinen Renault mit 1:13.985 auf Pole. Dahinter folgten Jenson Button, Fernando Alonso, Schumacher und Kimi Räikkönen.

Schumacher: Von der Führung aus in die Wand

Damit würde der sechste Sieg in Folge auf dem überholfeindlichen Stadtkurs natürlich schwierig werden - aber nicht unmöglich. Nur ein bisschen Chaos, ein paar Safety Cars, ein bisschen Glück ... und die Renn-Götter schienen willig. Schon in Runde drei sprengte sich Takuma Satos Honda-Motor und im dichten Nebel nutzte Giancarlo Fisichella David Coulthards McLaren als Salto-Rampe.

Giancarlo Fisichella crasht anständig - Foto: LAT Images

Dann der nächste große Crash, einer Tunnel-Kollision zwischen Fernando Alonso und Ralf Schumacher. Alonso hatte Ralf außen im Tunnel versucht zu überrunden, flog in die Wand, quittierte das noch während dem Einschlag mit einem Mittelfinger in Richtung Ralfs Williams und feuerte danach verbal weiter. Aus dem Kampf um den Sieg war Alonso raus, doch das erneute Safety Car brachte Ferrari in Position für ein Strategie-Gamble.

Alonsos Wrack hievt Schumacher in Führung - Foto: LAT Images

Die Konkurrenz kam an die Box, Schumacher blieb draußen. Damit war er in Führung. Konnte die Siegesserie mit Glück nun doch weitergehen? Wie sich herausstellte, waren die Renngötter aber launisch. Plötzlich tauchte der Ferrari als Dreirad aus dem Tunnel auf. Beim Bremsen-Anwärmen für den Neustart hatte Schumacher im Tunnel stark verlangsamt, und damit den hinter ihm fahrenden Juan-Pablo Montoya überrascht. Der konnte nicht mehr bremsen und drückte den Ferrari in die Wand. Eine eindeutige Schuldzuweisung gab es nie.

Und aus: Schumachers Ferrari ist kaputt - Foto: Sutton

Jarno Trulli bekam seine Führung zurück, feierte seinen einzigen GP-Sieg, machte danach ordentlich Party und konnte beim nächsten Rennen auf dem Nürburgring vor lauter Schreien nicht mehr sprechen. Und Schumacher? Der fand in der Eifel zurück auf die Siegerstraße, musste sich aber mit einer Fünffach- und einer Siebenfach-Siegesserie auf dem Weg zum Titel zufrieden geben.

Der lachende Sieger: Jarno Trulli - Foto: Sutton

Formel 1 heute vor 38 Jahren: Keiner will Monaco gewinnen

Der Monaco-GP gilt als das berühmteste Rennen auf dem Formel-1-Kalender, und jeder F1-Fahrer träumt davon, einmal in der Fürstenloge zu feiern. 1982 aber ging als der Monaco-GP, den niemand gewinnen wollte, in die Geschichte ein.

Renault schien klar auf dem Weg zum Sieg zu sein - doch der von Pole gestartete Rene Arnoux drehte sich aus dem Rennen. Alain Prost führte bis drei Runden vor Schluss, dann kam der Nieselregen. So kurz vor dem Ende, und bei nur etwas angefeuchtetem Asphalt, kam natürlich niemand an die Box. Prost bezahlte als erster, verlor ausgangs der Hafenschikane das Heck und crashte seine Sieg-Chancen. Ricardo Patrese übernahm die Führung, drehte sich prompt in der Loews-Haarnadel und kam nicht mehr weg.

Ricardo Patrese, hier noch fahrend - Foto: Sutton

Didier Pironi erbte die Führung, wurde aber langsamer und immer langsamer - nicht wegen des Regens, sondern weil sein spritgieriger Ferrari kein Benzin mehr hatte. Er rollte im Tunnel aus. Andrea de Cesaris wäre damit an der Reihe gewesen, doch schon beim Umschnitt der TV-Kameras stand auch er ohne Sprit am Streckenrand. Derek Dalys Williams, nach einem Crash vor zehn Runden schon ohne Heckflügel, tauchte plötzlich auf dem ersten Platz auf, nur um prompt mit Getriebeschaden auszurollen.

Dann, aus dem Nichts - Patrese! Streckenposten hatten seinen gefährlich in der Haarnadel stehenden Brabham angeschoben, er fuhr wieder und rettete seinen ersten F1-Sieg über die Linie. Pironi und de Cesaris belegten, obwohl sie ohne Sprit liegengeblieben waren, noch die Plätze zwei und drei.

Patrese feiernd, irgendwie doch im Ziel - Foto: Sutton

Was sonst noch geschah:

Vor 27 Jahren: Ayrton Senna dominiert in Monaco, gewinnt zum sechsten Mal (und zum fünften Mal in Serie). Leider sollte es sein letzter Sieg werden, 1994 verunglückte er noch vor Monaco tödlich.
Vor 48 Jahren: Rubens Barrichello wird geboren. Der Brasilianer wird der Formel 1 wohl als ewige Nummer zwei von Michael Schumacher bei Ferrari in Erinnerung bleiben, was ihm nicht wirklich gerecht wird: 322 Starts, enormes technisches Verständnis, hervorragender Regenfahrer, elffacher GP-Sieger, sogar noch 2014 Meister in der Stock Car Brasil.
Vor 49 Jahren: Jackie Stewart beherrscht die 1971er-Ausgabe des Monaco-GPs. Dabei liefert er gutes Filmmaterial für Regisseur Roman Polanski, der aus dem Wochenende die Dokumentation 'Weekend of a Champion' macht. Hinter Stewart fährt Ronnie Peterson sein erstes Podium ein, Jacky Ickx wird Dritter.
Vor 80 Jahren: Gerard Larrousse wird geboren. Aus dem Rallyesport kommend startete er in den frühen 70ern regelmäßig in Le Mans, gewann zwei Mal, und fuhr ein F1-Rennen. In den 80ern wurde er als Teammanager bekannt - zuerst beim sterbenden Renault-Werksteam, dann mit seinem eigenen Team Larrousse. 1995 ging das Geld aus, Rettungsversuche scheiterten.
Vor 117 Jahren: Ernst Klodwig wird geboren. Der DDR-Bürger startete 1952 und 1953 beim Deutschland-GP auf dem Nürburgring, beide Male mit einem selbst nach F2-Regeln gebauten Mittelmotor-Wagen. Es wurde ein 12. und ein 15. Platz.


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