Formel 1

Formel 1, Haas erklärt Hülkenberg-Absage: Darum bleibt Grosjean

Haas setzt auch 2020 auf Romain Grosjean. Damit gehen Nico Hülkenberg die Cockpit-Chancen aus. So erklärt Teamchef Günther Steiner die Entscheidung.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Romain Grosjean fährt 2020 seine fünfte Saison für das Haas F1 Team. Am Donnerstagnachmittag bestätigte die US-Truppe in Singapur die Vertragsverlängerung mit dem Franzosen. Kevin Magnussen verfügte ohnehin über Vertrag für die kommende Formel-1-Saison. Damit ist Haas voll - und für Nico Hülkenberg hat sich eine wichtige Tür zugefallen.

Der Emmericher sucht nach seinem Aus bei Renault - dort ersetzt ihn 2020 Esteban Ocon - immerhin noch ein Cockpit für die nächste Saison. Haas und das dortige Grosjean-Cockpit galt als erste Adresse nachdem sich Red Bull wenig begeistert zeigte, Williams sportlich wenig attraktiv erscheint und bei Alfa Romeo Antonio Giovinazzi als Ferrari-Junior sicherlich über keine allzu schlechten Karten verfügt.

Haas-Teamchef Steiner: Enge Entscheidung

Der unter starken Formschwankungen leidende Grosjean schien da doch erheblich mehr zu wackeln. Dennoch verlängerte Haas mit dem Franzosen. Aber warum? In Singapur nahm sich Teamchef Günther Steiner Zeit, diese Frage ausführlich zu beantworten.

"Es war eine enge Entscheidung", sagt der Tiroler zunächst ganz diplomatisch. "Sie sind beide sehr gute Fahrer. Ich hoffe, dass Nico in der F1 bleibt. Denn ich mag ihn und er ist ein guter Fahrer. Er verdient es, hierzubleiben."

Steiner: Ich weiß auch um Grosjeans Höhen und Tiefen …

Doch das gelte eben auch für Grosjean - trotz der genannten Schwankungen. "An guten Tagen ist er ein sehr guter Fahrer", sagt Steiner. Doch gibt es eben auch die schlechten Tage. "Er ist seit vier Jahren im Team, ich weiß also um seine Höhen und Tiefen genauso gut wie ihr", so Steiner mit einem Augenzwinkern zur versammelten Pressemeute. "Aber am Ende haben wir uns entschieden, mit Grosjean weiterzumachen."

Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem Singapur GP: (10:34 Min.)

Der wichtigste Grund dafür sei die gegenwärtige sportliche Situation des Teams gewesen. Haas befindet sich 2019 sportlich auf Talfahrt, versteht es nicht im Ansatz an die starke Leistung des Vorjahres anzuknüpfen. Ganz im Gegenteil: Den VF-19 versteht das Team bis heute nicht vollständig. "Aber das hat absolut nichts mit den Fahrern zu tun", betont Steiner. "Es ist das Auto. Das uns sehr bewusst, da gehen wir auch sehr offen mit um."

Haas will in sportlicher Krise keine neue Unbekannte

Hat Grosjean also gerettet, dass er nur nicht das größte Problem darstellt? Nein. Geht es nach Steiner, ist Haas auf den Franzosen angewiesen. Wegen seiner Kenntnis der Situation bei Haas. "Jetzt den Fahrer ändern? Ich weiß nicht, ob es uns helfen würde, das Auto besser zu machen. Könnte es. Könnte es aber auch nicht, denn der neue Fahrer weiß nicht, wo wir anfangen."

Anders Grosjean. "Er war ein großer Teil davon, ein Verständnis dafür zu bekommen, warum es bei uns mit dem Auto gerade daneben läuft. Er war da eine große Hilfe", lobt Steiner. "Ich - oder wir - wollten keine neue Unbekannte schaffen. Wir wissen so, was wir haben. Deshalb haben wir die Entscheidung getroffen, noch ein Jahr mit Romain weiterzumachen."

Geld, bessere Alternative: Hat sich Hülkenberg verzockt?

Vor allem verzockt hat sich Hülkenberg also offensichtlich nicht. Um das Thema Gehalt sei es nicht einmal gegangen, so Steiner. "Wir sind gar nicht bis dahin gekommen, als wir darüber gesprochen haben, wen wir behalten und wen nicht", verrät Steiner.

Doch könnte Hülkenberg noch auf andere Art zu hoch gepokert haben. Hat er Haas hingehalten, in der Hoffnung auf ein vielleicht noch besseres Cockpit wie Red Bull? "Ich weiß nicht, ob Nico gekommen wäre", sagt Steiner. "Wir haben mit Nico gesprochen, aber er hat nicht gesagt 'ich komme'."

Steiner: Weder Haas noch Hülkenberg mit formaler Offerte

Also tatsächlich kein klares und sofortiges Bekenntnis. "Er hat kein formales Angebot gemacht", bestätigt Steiner. Allerdings: Dasselbe galt für Haas. "Wir haben nie ein formales Angebot unterbreitet. Wir haben gesprochen, aber an diesen Punkt sind wie nie gekommen. Ob er es angekommen hätte, weiß ich also nicht. Das müsst ihr ihn fragen. Es war dann einfach unsere Entscheidung, Romain zu nehmen." Gefallen sei diese in der Woche nach Monza.

Ebenfalls keine Rolle gespielt haben soll das Verhältnis zu Kevin Magnussen. Mit dem Dänen hatte sich Hülkenberg vor Jahren vor laufenden TV-Kameras gezofft. "Aber das habe ich nicht berücksichtigt. Unser Fokus war nur, wie wir wieder dahin zurückkommen, wo wir letztes Jahr waren", sagt Steiner.

"Das müssen wir wieder hinbekommen. Wir müssen wiederholen, was wir von 2017 auf 2018 gemacht haben. Das wird uns helfen. Das ist zumindest der Plan. Und damals war Romain ein Teil davon. Deshalb haben wir uns für ihn entschieden."


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