Formel 1

Formel 1, Wolff vergibt Renault: Zwist um Ocon-Vertrag abgehakt

Renault verärgerte Mercedes 2018 mit dem geplatzten Ocon-Deal. Ein Jahr später ist alles vergeben. Ocon hat seinen Vertrag, Wolff & Abiteboul ihren Frieden.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Nach einem Jahr Auszeit darf sich Esteban Ocon auf seine Rückkehr in die Formel 1 2020 mit Renault freuen. Der Deal zwischen dem französischen Werksteam und seinem Landsmann war eine schwere Geburt. 2018 machte Renault-Teamchef Cyril Abiteboul einen Rückzieher, durch den Ocon letztendlich auf der Strecke blieb. Dieser Umstand verstimmte vor allem Mercedes-Boss Toto Wolff. Rund zwölf Monate später sind Silber und Gelb auf Schmusekurs.

"So sehr uns die Situation mit Esteban betroffen hat und welche Wörter da auch immer rausgerutscht sind - das ist Teil des Spiels", sagt Toto Wolff, der Abiteboul noch im Juli öffentlich für den geplatzten Deal angeprangert hatte: "Ich mag Cyril, aber um ein Gentleman mit Handschlag zu werden, muss er erst sein Gentleman-Image wiederherstellen."

Vergangenen Sommer waren die Verhandlungen zwischen Mercedes und Renault über eine Verpflichtung von Ocon bereits weit fortgeschritten, als man sich in Enstone plötzlich für Daniel Ricciardo entschied. "Es gab Phasen, in denen wir voneinander verärgert waren. Aber dann musst du auch weitermachen. Es hat nichts an dem Respekt, den ich vor Cyril oder Renault als Marke habe, geändert. Du musst hart spielen und schnell vergeben", stellt Wolff klar, dass er keineswegs verbittert ist.

Renault bei Ricciardo-Deal knallhart - Wolff versteht's

Etwas, das offenbar auch Abiteboul beherzigt. Denn als Renault den Vertrag mit Ricciardo unterzeichnete, wusste er, dass man Mercedes damit gehörig vor den Kopf stoßen wird: "Es war für uns so eine große Sache, dass wir das klarmachen mussten. Es gab dabei das Risiko, Mercedes zu verärgern. Das wussten wir."

Leid tat es ihm letztendlich mehr für Ocon als für Mercedes. "Es war ganz klar nicht unsere Absicht, dass der Junge auf der Strecke bleibt und wir mit dieser Gelegenheit, Ricciardo zu holen, diese Kettenreaktion auslösen", erklärt der Franzose. "Damit habe ich mich nicht besonders wohl gefühlt. Das war absolut keine gute Sache."

Dass sich Renault den australischen Top-Piloten nicht entgehen lassen konnte, kann ein Jahr später auch Wolff durchaus nachvollziehen. "Wenn die Dinge gegen dich gelaufen sind, kannst du sie nach einer Weile aus der Perspektive des anderen sehen", so der Österreicher. "Selbst wenn du immer noch anderer Meinung bist."

Mercedes und Renault froh über Einigung für 2020

Für Wolff ging es 2018 einzig darum, seinem Juniorfahrer den Verbleib in der Königsklasse zu ermöglichen, nachdem er sein Cockpit bei Racing Point an Lance Stroll verloren hatte. "Manchmal sind die Ziele halt nicht dieselben und du musst versuchen, die ich in die Situation des anderen hineinzuversetzen. Das hilft zu verstehen, weshalb Entscheidungen getroffen wurden", sagt er.

Dass Abiteboul bei Ricciardo zuschlug, ist für ihn nur verständlich: "Wir kommen persönlich sehr gut klar und ich respektiere Cyrils Entscheidung und sein anhaltendes Streben danach, sein eigenes Team zu verbessern." Bei den Verhandlungen in diesem Jahr verfolgten offenbar beide Seiten das gleiche Ziel.

"Die ganze Dynamik war letztes Jahr vielleicht von beiden Seiten nicht so gut gemanagt. Das haben wir dieses Jahr besser gemacht. Wir waren etwas klarer miteinander, was die Rahmenbedingungen und das Timing angeht", so Abiteboul. "Ich freue mich sehr darüber, dass wir es dieses Jahr hinbekommen haben."

Wolff nicht nachtragend: Vertrauen zu Renault und Abiteboul nie verloren

Ocon, der bereits 2016 für Renault testete, stand lange Zeit auf der Wunschliste der Franzosen. Als Ricciardo den Vorzug erhielt, war das Thema Ocon aber erstmal erledigt. Und nach der Absage an Mercedes hätte es Abiteboul auch als vermessen empfunden, einfach auf 2019 zu hoffen: "Das kannst du nicht machen und gleichzeitig denken, dass du es eben nächstes Jahr wieder probierst, und dabei davon ausgehen, dass alles in Ordnung ist."

Wolff war wegen Ocon zwar verstimmt, doch zum Bruch zwischen den beiden Teamchefs führte das nicht. Dem Mercedes-Boss fiel es nicht schwer, sich auf das Wesentliche zu besinnen: "Wir haben das Vertrauen nie verloren. Es gab so viele Dinge, die wir besprochen haben, bei denen Mercedes und Renault sich einig sind. Vor allem drüber, wohin sich der Sport entwickeln soll."

"Wir sind brutal offen miteinander und ich denke, das ist wichtig, denn was wir machen, machen wir zum Vorteil unserer Teams und zum Vorteil der Formel 1", so Wolff, der froh ist, dass Ocons Karriere nicht noch länger auf dem Abstellgleis steht: "Wie man sieht, haben wir 13 Monate später eine super Lösung für Esteban gefunden, obwohl wir letztes Jahr verärgert darüber waren, wie die Dinge verlaufen sind. Es ist wichtig, immer die langfristigen Ziele in einer Beziehung im Auge zu behalten."


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