Formel 1

Formel-1-Motoren 2019: Diesen Piloten drohen jetzt Strafen

Neun Rennen stehen in der Formel-1-Saison 2019 noch an - doch einige Piloten haben ihr Motorenkontingent schon aufgebraucht. Wem Strafen drohen.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Nach der Sommerpause geht die Formel-1-Saison 2019 in ihre heiße Phase. Zwölf der 21 Grand-Prix-Schlachten wurden bereits geschlagen, neun stehen noch bevor. Und trotzdem haben einige Piloten schon ihr Motorenkontingent für die gesamte Saison ausgeschöpft - manche wurden gar schon für neue Komponenten bestraft.

Die letzten beiden Europa-Rennen in Spa und Monza haben es besonders in sich. Beide Strecken sind Hochgeschwindigkeitskurse, auf denen die Motorleistung schwerer wiegt als noch zuletzt auf dem Hungaroring. Deshalb haben viele für das Power-Double neue Motoren eingeplant.

Doch wer kann überhaupt noch frische Teile einsetzen und wem drohen 2019 Strafversetzungen? Motorsport-Magazin.com liefert den Überblick.

Zunächst etwas Regelkunde: Seit der vergangenen Saison sind je drei Verbrennungsmotoren, Turbolader und MGU-Hs pro Fahrer erlaubt. MGU-Ks, Energiespeicher und Steuereinheiten gibt es jeweils nur zwei Exemplare ohne Strafen.

Für alle, die mit dem Strafbuch nicht ganz sattelfest sind: Für die erste zusätzlich eingesetzte Komponente muss der betreffende Pilot zehn Plätze nach hinten. Für jedes weitere Motorteil gibt es nur noch fünf Plätze. Das System, wonach es bei jeder neu angebrochenen Power Unit jeweils zehn Strafplätze für die erste Komponente gibt, ist seit 2018 Geschichte.

Neu seit dieser Saison: Summieren sich die Motor-Strafen eines Piloten an einem Wochenende auf mehr als 15 Plätze, muss er vom Ende der Startaufstellung losfahren. Trifft das Schicksal gleich mehrere Piloten, werden sie in der Reihenfolge der Qualifikation hintenangestellt.

Sebastian Vettel hat Motorenkontingent bereits überschritten

Und wer muss nun Strafversetzungen fürchten? Alle Renault-Piloten mussten bereits mindestens einmal in dieser Saison nach hinten. Probleme an der MGU-K zu Saisonbeginn kosteten das Werksteam und McLaren früh in der Saison Komponenten.

So große Zuverlässigkeitsprobleme hat kein anderer Motorenhersteller. Ferrari hatte in Bahrain Probleme an Steuergeräten. Deshalb setzten die meisten Ferrari-befeuerten Piloten schon am dritten Rennwochenende das zweite Steuergerät ein - zwei davon gibt es für die gesamte Saison. Alfa wollte den Wechsel aufgrund der nötigen Umbauarbeiten verschieben und zahlte mit Antonio Giovinazzi prompt den Preis dafür - der Italiener hatte das gleiche Problem wie Charles Leclerc in Bahrain.

Die Steuereinheit ist von den limitierten Bauteilen der Power Unit das am wenigsten kritische in Bezug auf die Laufleistung. Deshalb ist es durchaus möglich, fast die gesamte Saison mit einer Einheit auszukommen. Sobald sich aber eine günstige Gelegenheit ergibt, wird die Komponente gewechselt. Wie beispielsweise bei Sebastian Vettel, als er in Hockenheim ohnehin vom letzten Platz losfahren musste.

Charles Leclerc, Romain Grosjean und Kimi Räikkönen müssen noch mit ihrer alten CE bis Abu Dhabi durchkommen. Ansonsten sieht es bei den Ferrari-Motoren in Sachen Zuverlässigkeit gut aus. Bis auf Räikkönen können noch alle Ferrari-befeuerten Piloten einen neuen Verbrennungsmotor samt Turbolader und MGU-H einsetzen.

Ferrari verzichtete bei Vettel auf Runderneuerung

Sebastian Vettel hätte in Hockenheim nach dem Qualifying-Debakel neben eines neuen Steuergeräts auch noch eine neue MGU-K und eine neue Batterie ohne weitere Strafe einsetzen dürfen. "Diese Komponenten testen wir aber normalerweise zunächst im Training", erklärte Teamchef Mattia Binotto, weshalb man auf den kostenlosen Wechsel verzichtete.

Bei MGU-K und Batterie befinden sich die Ferrari-Piloten zwar schon am Maximum, müssen aber unter normalen Umständen keine Strafen fürchten. Weil es davon nur zwei Elemente gibt, muss ein Exemplar die halbe Saison halten. Halbzeit ist bereits rum. Mercedes und Ferrari tauschten die betreffenden Teile beide in etwa zur Halbzeit.

Ähnlich gut wie bei Ferrari sieht es in puncto Zuverlässigkeit wieder einmal bei Mercedes aus. Nur Lance Stroll befindet sich nach dem Motorschaden im Kanada-Training nicht mehr im Soll. Vier der sechs Piloten befinden sich bei Batterie und Steuereinheit sogar noch beim ersten Exemplar. Bei Verbrennungsmotor und MGU-K herrscht zwischen Ferrari und Mercedes zumindest nominell Gleichstand.

Mercedes im Vorteil: Update nach Ferrari gebracht

Kleiner Vorteil für Mercedes: Ferrari brachte den zweiten Verbrennungsmotor schon in Barcelona. Man wollte die Extra-PS der neuen Ausbaustufe früher als eigentlich geplant bringen. Mercedes zog erst in Kanada nach, hat also die frischeren Motoren.

Während bei Renault der kritische Punkt bereits längst überschritten wurde, ereilt dieses Schicksal auch langsam die Red-Bull-Piloten. Bei Toro Rosso wurden schon erste Strafen fällig, das A-Team blieb bislang davon verschont. Allerdings sind Max Verstappen und Alexander Albon - der die Motorkomponenten von Pierre Gasly übernimmt - bei allen Komponenten am Limit.

Villeneuve zweifelt an Honda-Motor: Hält nur 3 bis 4 Rennen

Bei Red Bull stellt sich nur die Frage, wann die Strafen kommen. Laut Motorsportberater Dr. Helmut Marko soll der Joker in Monza gezogen werden. Dort ist Red Bull fast traditionell schwach, außerdem gibt es bis dahin eine neue Motorenausbaustufe. Honda selbst gibt sich diesbezüglich noch bedeckt.

Mindestens einmal wird Red Bull in der Startaufstellung auf jeden Fall nach hinten müssen. Wenn der neue Motor schon in Monza kommt, sind eher zwei Strafversetzungen wahrscheinlich. Acht Rennen mit einem Motor dürften für Honda schwer werden. Glaubt man Jacques Villeneuve, schafft der Honda Motor gerade einmal drei bis vier Rennen.

Bei Mercedes und Ferrari wird es im weiteren Saisonverlauf höchsten punktuell schwierig bei den Motorkomponenten. Bei Honda sind Strafen schon fest (weiter) eingeplant. Bei Renault könnte durchaus auch noch die ein oder andere Strafe anstehen. Zwar haben die meisten Piloten schon ein paar Komponenten auf Lager, ob die bis Saisonende reichen, ist aber fraglich. Außerdem sind die im Umlauf befindlichen Komponenten nicht immer von der neuesten Spezifikation.

Interessant ist auch der Blick auf die durchschnittlich eingesetzten Motorkomponenten. Insgesamt stehen jedem Piloten pro Saison 15 Motorkomponenten zur Verfügung. Nach 12 von 21 Rennen haben die Mercedes-Piloten durchschnittlich je 11,5 davon eingesetzt. Bei Ferrari sind es 13, bei Honda bereits 15. Die Renault-Piloten haben mit 20,25 ihr Kontingent längst alle überschritten.


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