Formel 1

Formel 1: Kampf um Mercedes-Cockpit 2020 jetzt nur noch Duell

Diesen August will Mercedes über seine Fahrer für 2020 entscheiden. Bleibt Valtteri Bottas? Kommen Esteban Ocon oder George Russell? Ein Anwärter nun raus.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Silly Season der Formel-1-Saison 2019 hat mit dem Beginn der Sommerpause fast schon offiziell begonnen. Zur gleichen Zeit im Vorjahr löste Daniel Ricciardo überraschender Wechsel von Red Bull zu Renault einen Dominoeffekt aus. In diesem Jahr dreht es sich erneut alles um ein absolutes Top-Cockpit der Königsklasse - um nicht zu sagen den begehrtesten Platz von allen, das zweite Mercedes-Cockpit neben Lewis Hamilton.

Bottas vs. Ocon: Wer bekommt das Mercedes-Cockpit?: (14:38 Min.)

Valtteri Bottas' Vertrag läuft zum Saisonende aus, für besteht lediglich die Option einer Verlängerung seitens Mercedes. Hintergrund ist weniger Bottas' Leistung für sich, sondern vielmehr, dass sich die Silberpfeile in einer luxuriösen Lage befinden. Mit Esteban Ocon und George Russell verfügt der Weltmeister immerhin über gleich zwei vielversprechende Junioren. Verdrängt 2020 entweder der Franzose oder der Brite den Finnen?

Toto Wolff: George Russell 2020 nicht im Mercedes

Die Entscheidung naht. Zuletzt hatte Teamchef Toto Wolff noch angekündigt, diese im August fällen zu wollen. Doch jetzt ist Teil eins der Entscheidung bereits fix. "Es ist eine Frage zwischen Esteban und Valtteri", verriet Wolff nun in Ungarn. Heißt: Russell wird 2020 ganz sicher nicht im Mercedes sitzen.

Nicht, weil er das Cockpit nach Titel in der Formel 2 und einem bis dato glänzenden Jahr als Rookie bei Williams nicht verdient hätte, sondern, weil Wolff nicht riskieren möchte, den Jüngsten seiner Anwärter zu verheizen.

Wolff erklärt Russell-Entscheidung: Mercedes kein Ort zum Lernen

"Ich denke nicht, dass du in einem Mercedes die Möglichkeit hast, zu lernen. Denn du wirst dann in ein Auto gesetzt, das Rennen und Meisterschaften gewinnen kann - ein Umfeld mit hohem Druck", erklärt Wolff. "Ich denke, dass es für einen jungen Fahrer, der das Talent hat, einmal Weltmeister zu werden, furchtbar schiefgehen kann wenn er in ein Umfeld direkt neben dem besten Fahrer seiner Generation geworfen wird, der jetzt sieben Jahre lang bei uns ist. Ich würde George nicht verheizen wollen."

Das sei eben ein Vorteil des Modells von Red Bull mit seinem Nachwuchsstall Toro Rosso. Dort habe Max Verstappen in Ruhe lernen können. Bei Mercedes versucht Wolff dies nun mit Zwischenlösungen auf ähnliche Weise aufzufangen. Etwa mit Russell beim Motorenkunden Williams. Oder mit Ocon, der 2018 Force India respektive Racing Point fuhr.

Esteban Ocon einen Schritt weiter als Russell

Für 2019 fand Mercedes keine Anschlussbeschäftigung für den Franzosen, offenbar auch, weil der Ricciardo-Wechsel schon getroffene Handschlagabkommen noch ruinierte. Seitdem verdingt sich Ocon als Ersatz- und Simulatorfahrer der Silberpfeile. So hält das Team seinen Junior warm für die 2020 vielleicht große Chance - das Mercedes-Cockpit.

Etwas weiter als Russell wäre der Franzose jedenfalls. Ocon verfügt über mehr Erfahrung, weiß seit Force India / Racing Point zudem etwas besser, was es heißt, unter Druck zu fahren. Immerhin ging es dort um Positionen an der Spitze des Mittelfelds, Punkte für die Konstrukteurswertung und damit auch bares Geld für sein Team. Bei Williams dagegen ist das ohnehin aussichtslos. Noch dazu sieht sich Russell auch teamintern mit Robert Kubica weit weniger Druck ausgesetzt als Ocon mit Sergio Perez.

Russell soll – und muss - bei Williams weiterlernen

Für die 'Lehre' sei Williams dennoch ein guter Ort, meint Wolff. Allerdings eben noch etwas länger. "Ich denke, dass es zu früh kommen würde [das Mercedes-Cockpit] und ich versuche außerdem, alle Verträge, die wir zeichnen - und wir haben einen Vertrag unterschrieben - zu respektieren", sagt Wolff. Damit zielt er auf jüngstes Feedback aus dem Williams-Lager. Claire Williams hatte gegenüber englischen Medien darauf gepocht, Russell sei schon vertraglich über 2019 hinaus an ihr Team gebunden.

Somit ist der Kampf um das Mercedes-Cockpit neben Lewis Hamilton in der Saison 2020 zu einem Duell geworden. Ocon vs. Bottas. "Und das diskutieren wir innerhalb des Teams schon seit langer Zeit", stöhnt Wolff über die schwierige, nun nahende Entscheidung. "Ich ringe mit mir selbst, was das Richtige für das Team und die Fahrer ist. Wenn wir nur einen von ihnen hätten wäre es eine Selbstverständlichkeit, ihn im Auto zu haben. Aber auf eine gewisse Weise verdienen jetzt beide den Platz."

Valtteri Bottas vs. Esteban Ocon: Harmonie gegen Zukunft

Ocon, weil bereits harte Situationen gemeistert und das Talent für einen Mercedes habe. Bottas, weil er über Erfahrung verfüge und erst dieses Jahr wieder beweise, wie schnell er sei. "Und er ist sehr unterstützend, entwickelt das Team zusammen mit Lewis", ergänzt Wolff. Dabei denkt der Teamchef offenbar auch an das extrem harmonische Teamgefüge bei Mercedes. Erst Ungarn lieferte dafür wieder einen Beweis, als Bottas in der Startphase vorbildlich die teaminternen Zweikampf-Regeln befolgte.

"Es gibt also viele Pros und einige Cons", grübelt Wolff. "Wir müssen zu einer Entscheidung kommen, die für das Team und die Fahrer am besten ist. Denn wir kümmern uns um beide." Soll heißen: Mercedes bezieht bei der Entscheidung auch mit ein, wie und wo man den Fahrer platziert, der das Mercedes-Cockpit nicht erhält. "Absolut. [...]Wir haben da eine Verantwortung für unsere Fahrer", betont Wolff. "Wir haben eine Verantwortung für die Junioren und für diejenigen, die gerade im Auto bei uns sind. Wir werden nichts tun, was es ihnen erschwert."

Wolff: Mercedes hat Verantwortung für Zukunft aller Fahrer

Für Ocon gibt es jedenfalls Interesse. Das hat Wolff selbst bestätigt. Wie es hier bei Bottas aussieht, ist unbekannt. Sollte die Entscheidung gegen den Finnen ausfallen, wäre zumindest eine schnelle Entscheidung von Vorteil - solange es noch genügend andere Optionen für die Formel-1-Saison 2020 gibt.


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