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Formel 1

Formel 1 Ungarn 2019: 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen

Die Formel 1 hat in Ungarn angerichtet für einen weiteren Kracher. Startaufstellung, Start und unvorhersehbare Reifen sprechen für ein sensationelles Rennen
von Jonas Fehling

1. - S wie Startaufstellung

Die Startaufstellung für den Ungarn GP 2019 der Formel 1 (Rennen heute zur Startzeit um 15:10 Uhr live auf RTL und Sky sowie im ORF, SRF und Live-Stream F1 TV) hat es richtig in sich. Zum ersten Mal überhaupt startet Max Verstappen von der Pole Position. Geleitschutz? Fehlanzeige. Pierre Gasly steht nach einem katastrophalen Qualifying nur auf Platz sechs.

Stattdessen muss es Verstappen am Start mit gleich zwei Mercedes aufnehmen. Direkt neben ihm startet Valtteri Bottas in ein Rennen, das mitunter über seine Mercedes-Zukunft entscheidet. Unmittelbar hinter dem Niederländer lauert Weltmeister Lewis Hamilton. Damit nicht genug: Mit seinem Lieblingsgegner aus Spielberg und Silverstone, Charles Leclerc geht es gleich weiter. Nur, damit sofort ein wie immer hungriger Sebastian Vettel folgt.

McLaren färbt die vierte Startreihe orange. Lando Norris und Carlos Sainz haben Woking jetzt selbst auf einer Strecke mit winkligeren Ecken auf Kurs gebracht. Romain Grosjean und Kimi Räikkönen komplettieren die Top-10. Antonio Giovinazzi im zweiten Alfa geht nach einer Strafe von drei Plätzen von P17 statt P14 ins Rennen. Nico Hülkenberg verpasste die Top-10 im Qualifying als Elfter knapp, ist somit jedoch der erste Pilot im Grid mit freier Reifenwahl und noch immer weit vor Renault-Kollege Daniel Ricciardo (P18).

2. - S wie Start

Der Hungaroring mag eine kurze Strecke mit wenigen Geraden sein, doch der Sprint zur ersten Kurve hat es in sich. Mit 387,84 Metern bis zum ersten Bremspunkt ist der Weg gar nicht einmal so kurz. Das liefert den Fahrern mehr als genug Zeit, um zu attackieren. Darauf werden sie brennen. Immerhin ist das Überholen auf dem winkligen Kurs danach nur noch schwer zu realisieren.

"Der Weg zur ersten Kurve ist lang ", warnt Hamilton Verstappen regelrecht. "Hoffentlich haben wir da einen netten kleinen Kampf." Bei Red Bull muss diese Botschaft jedoch erst gar nicht ankommen. "Wir müssen den Start gewinnen. Wenn der Max vorne fährt, dann kann er das Rennen gewinnen", sagt Red-Bull-Berater Dr. Helmut Marko.

Ausgerechnet der Start bildete zuletzt allerdings die Achillesferse der Bullen. Sowohl in Spielberg als auch Hockenheim fiel Verstappen zunächst am Start weit zurück. "Das war das Mapping. Deshalb hat es dort am Start nicht geklappt", erklärt Marko. Pierre Gasly ergänzt: In Hockenheim spielte auf feuchter Fahrbahn auch schlicht eine Fehleinschätzung der Gripverhältnisse eine Rolle. Die Folge: zu viel Schlupf.

Doch ob Mapping oder Grip - alles gelöst, versichert Marko. "Da ist inzwischen Einiges passiert", beruhigt der Grazer. "Ich glaube nicht, dass sich unsere Gegner darauf verlassen können [dass es daneben geht, Anm. d. Red.]!" Über die gleichen Waffen verfügen unterdessen alle. Die Top-6 zogen geschlossen auf Medium in Q3 ein.

3. - S wie Strategie

Mit dieser Reifenwahl für den Start können die Top-Fahrer jedoch nicht Pirellis Empfehlung der idealen Strategie für die 70 Rennrunden in Ungarn erfüllen. Diese sieht einen Stopp mit Start auf Soft und Wechsel auf Medium nach 24 bis 30 Runden vor. Dasselbe mit Medium auf Hard nach 30 bis 35 Runden sei jedoch nur marginal langsamer und könne sogar den Vorteil geringeren Abbaus bieten.

Eine Zweistopp-Strategie halten die Italiener in Ungarn wegen der so wichtigen Track Position für weniger sinnig. Wenn sich dennoch jemand dafür entscheide, dann sei Soft-Medium-Medium zu empfehlen. Heißer Kandidat dafür: Mercedes. Hintergrund: Um Verstappen zu überlisten, könnte ein strategischer Split das beste Erfolgsrezept bilden. Heißt: Ein Mercedes setzt Verstappen antizyklisch unter Druck, der andere covert einfach. Red Bull kann mit Gasly nur auf P6 da nicht mitspielen.

"Das ist ein großer Vorteil", glaubt Toto Wolff. Doch es gibt auch ein Problem. "Für einen unserer Fahrer könnte es ein strategischer Nachteil sein. Nicht absichtlich, aber es besteht die Chance, dass ihm dann die Reifen am Ende eingehen oder wie ihn zu spät zum Stopp holen", schildert Wolff. Die Fahrer sind dennoch mehr angetan von der Idee als alles andere. So fragte Hamilton in der Pressekonferenz nach dem Qualifying gleich nach der Position des anderen Red Bull.

"Wir sind in einer guten Position, um morgen als Team zu arbeiten", stellte er nach erfolgter Antwort fest. "Wenn wir an Max dranbleiben können, können wir zusammenarbeiten, um ihn näher an uns heranzuziehen und ihm ordentlich Druck zu machen", kündigt Hamilton an. " Es ist schwierig, vorne allein zu sein, da droht ein Undercut anderer Teams."

4. - S wie Sommerwetter

Über allem schwebt jedoch ein großes Fragezeichen: das Wetter. Wegen Regen am Freitag verfügen die Teams nur sehr spärlich über Longrun-Daten und Infos zum Abbau und Verschleiß. Die genannten Pirelli-Empfehlungen sind daher mit besonders großer Vorsicht zu genießen. Zumal der Sonntag nun doch etwas wärmer werden soll. Bis zu 25 Grad sind aktuell prognostiziert. Das freut wieder ein Team besonders. Dieses Mal ist es Ferrari.

"Ich hoffe, dass es richtig hart wird für die Reifen, super heiß und sehr, sehr schwierig", sagt Sebastian Vettel. Dabei geht es dem Hessen nicht einmal um Mercedes' Hitzeanfälligkeit. Die kommt bei 25 Grad nämlich noch kaum zum Tragen. Sondern: "So können wir dann vielleicht einfach etwas Druck ausüben, indem wir etwas anderes versuchen als alle anderen. Wenn alles normal ist; die Reifen halten und es ein Einstopp-Rennen wird, dann ist es weniger aufregend und langweilig. Wenn sie aber leiden, können wir vielleicht etwas ausrichten!"

5. - S wie Safety Car

Nicht zu vergessen bei allen strategischen Überlegungen ist Bernd Mayländer. Erst in Hockenheim sorgte das Safety Car für rennentscheidende Momente. Nicht der Regen selbst, sondern viel mehr ein Stopp unter SC sorgte erst dafür, dass die Kvyats und Strolls plötzlich ganz vorne herumfuhren. Gerade in Ungarn ist die Rennneutralisierung nicht zu verachten. In drei der letzten fünf Rennen kam ein Safety Car, in einem davon gleich doppelt. Warum? Asphaltierte Auslaufzonen gibt es auf dem Hungaroring längst nicht flächendeckend, noch dazu stehen die Mauern näher als es scheint.

6. - S wie Sensation

Wo wir schon bei den Kvyats und Strolls sind. Eine Sensation in Ungarn? Warum nicht? Kuriose Rennen bot der Hungaroring jedenfalls schon viele. Auch wenn die Strecke auf dem Papier schlimmer aussieht als Barcelona, die Action ist meist besser. Dank DRS lässt sich mit etwas Geschick nicht nur in Kurve eins, sondern vor allem in Kurve zwei sehenswert fighten. Ein vierter F1-Kracher am Stück, der perfekte Abschied in die F1-Sommerpause, ist in keinem Fall auszuschließen. Schon gar nicht mit dieser Startaufstellung (s.o.).

7. - S wie Sieger

Der wichtigste und letzte Faktor: Wer ist Favorit. In Sachen Rennpace lässt sich nach dem bisherigen Wochenende resümieren: keine Ahnung! Longruns gab es dank Regen am Freitag im Grunde keine. "Es weiß auch niemand genau, wie die Reifen reagieren werden, weil wir am Freitag keine Longruns gefahren sind. Die 70 Runden werden lang - auch mit dem C3 wird es mit dem Abbau sicher nicht leicht", schildert Gasly.

Daher geht es abseits der schon genannten Faktoren Strategie und Start vor allem um Erfahrungswerte - und da lag meist Mercedes vorne. Allerdings gingen die Silberpfeile bisher auch fast immer von ganz vorne ins Rennen. Nicht in Ungarn.

"Wenn man dann mal vorne fährt, dann ist das Leben ein ganz anderes. Man tut sich leichter, kann die Reifen und den Motor schonen und sich alles viel besser einteilen", weiß auch Helmut Marko, freut sich deshalb schon darauf, Verstappen im Red Bull endlich einmal ein ganzes Rennen mit freier Bahn zu erleben.

"Natürlich wird es etwas einfacher, wenn du weiter vorne ins Rennen gehst. Das macht es etwas einfacher, das Rennen zu kontrollieren", bestätigt Verstappen. Doch dafür muss er erst einmal den Start gewinnen. "Es war in der Vergangenheit auch nicht wichtig, von wo aus du startest", hofft daher Bottas. "Es wird sicher ein guter Kampf morgen", glaubt er. "Einfach wird es nicht, aber der Sieg ist sicher möglich."


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