Formel 1

Formel 1 Ungarn, Ricciardo erklärt herbe Qualifying-Klatsche

Daniel Ricciardo erlebt in Ungarn ein Debakel: Startplatz 18 im Renault, während sein altes Team Pole feiert. Was war bei Renault los?
von Christian Menath

Vor ziemlich genau einem Jahr traf Daniel Ricciardo in Ungarn die Entscheidung, den nächsten Schritt in seiner Formel-1-Karriere zu machen. Der Australier schloss sich 2019 Renault an und verließ Red Bull. Ein Jahr später qualifizierte sich Ex-Teamkollege Max Verstappen auf Pole Position, während Ricciardo als 18. im Q1 ausschied.

"Ich bin noch immer stolz darauf, ihm in Mexiko die Pole gestohlen zu haben. Somit ist er nicht der jüngste Polesetter, oder?", zeigte sich Ricciardo selbst nach dem desaströsen Qualifying gewohnt gut aufgelegt. "Ich wäre lieber dort, wo er ist als auf P18, aber das Ergebnis sieht dramatischer und enttäuschender aus als die Pace", schickte er hinterher.

Doch was war passiert? Immerhin konnte Teamkollege Nico Hülkenberg den Renault auf Rang elf qualifizieren. "Ich bin am Ende der Outlap aufgelaufen", erklärte Ricciardo. Auf den TV-Bildern war zu sehen, wie Ricciardo mit Sergio Perez in der letzten Kurve um die Vorfahrt kämpfte. Zuvor hatte er bereits Romain Grosjean überholt.

Ricciardo entschuldigt sich: Hamilton hat angefangen

Auf einer der kürzesten Strecken im gesamten Formel-1-Kalender stauten sich gegen Ende der Qualifikationssitzung die Autos im letzten Sektor. Jeder wollte eine freie Runde haben. Ricciardos Problem: "Ich hatte Zeit, hätte es auch rechtzeitig über die Linie geschafft, wenn ich mich angestellt hätte. Aber dann hätte ich so langsam machen müssen, dass meine Reifen keine Temperatur mehr gehabt hätten."

Also entschied sich Ricciardo, nicht zu warten, sondern die Initiative zu ergreifen. Sergio Perez bezeichnete das Manöver als respektlos, auch die Runde des Mexikaners wurde dadurch beeinträchtigt. "Dadurch wurden wohl unsere beiden Runden verkorkst", gesteht Ricciardo.

Aber warum hielt sich Ricciardo nicht an das Gentlemen-Agreement? Eigentlich wird auf dem Weg zur fliegenden Runde im letzten Sektor nicht mehr überholt. "Ich habe vor mir gesehen, wie Lewis [Hamilton] überholt hat, dann habe ich mir gedacht, ich mache das auch", so Ricciardo. "Ich will niemanden die Schuld geben, aber wenn einer damit anfängt, wird es schwierig."

Teamkollege Nico Hülkenberg beobachtete die Geschehnisse von hinten, fuhr direkt hinter Ricciardo. "Vor mir ging das Gemetzel los. Es waren zu viele Autos für zu wenig Platz", berichtet der Deutsche. Das Temperatur-Problem des Teamkollegen kann er nicht nachvollziehen: "Bei mir waren die Reifen trotz Warten in Ordnung."

Nach China kam es schon zum zweiten Mal in dieser Saison zu einer solchen Situation. "Wir versuchen alle, die bestmöglichen Streckenbedingungen mitzunehmen und so spät wie möglich rauszugehen. Wenn die Pace nicht so da ist, versuchst du so spät wie möglich rauszugehen, aber dadurch bist du anfällig für gelbe Flaggen oder so etwas", so Ricciardo. "Zu viele Autos gehen zu spät raus. Wir versuchen alle, zu clever zu sein..."

Hülkenberg: Qualifying-Sieg befriedigt mich nicht

Doch was wäre ohne das Problem für den Australier drinnen gewesen? "Top-10", glaubt er. Die verpasste Nico Hülkenberg knapp. "Aber das wäre für das Rennen ohnehin nicht besser", gibt sich der 31-Jährige gelassen. "So müssen wir nicht auf den Soft-Reifen starten, das ist hier ein Vorteil. "

Dass er sich nach zahlreichen Qualifying-Niederlagen gegen Ricciardo zuletzt in Deutschland und nun in Ungarn wieder etwas rehabilitieren konnte, bringt ihn hingegen nicht aus dem Häuschen. 8:4 steht es nun für Australien gegen Deutschland. "Es ist gut, wenn das Qualifying-Duell ausgeglichener ist, es ist besser als zu kassieren. Aber es gibt mir keine Befriedigung", so Hülkenberg.


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