Formel 1

Formel 1, Gasly vor Vettel: Lebenszeichen vom Red-Bull-Puzzler

Befreiungsschlag von Pierre Gasly in Silverstone. Red Bulls Sorgenkind findet im Qualifying den Anschluss an Max Verstappen. Puzzleteile kommen zusammen.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Nach Monaten in der Kritik war Startplatz fünf im Formel-1-Qualifying in Silverstone für Red-Bull-Pilot Pierre Gasly eine wahre Wohltat. Für Teamkollege Max Verstappen reichte es trotz starken Leistungen in den Trainings am Ende zwar wieder nicht, doch mit Sebastian Vettel ließ der Franzose sogar einen Ferrari hinter sich. Gasly scheint erstmals seit Wochen wieder auf dem richtigen Weg zu sein.

"Das ist bis jetzt mein stärkstes Wochenende in diesem Jahr", so Gasly, der nach den sich zuletzt häufenden Fehlschlägen sichtlich gelöst war. In allen drei Trainingssitzungen war er vor Verstappen gelandet und legte damit den Grundstein für ein erfolgreiches Qualifying: "Wir hatten gute Trainings und danach war es wichtig, eine gute Startposition zu erreichen - und das haben wir geschafft."

Zuletzt scheiterte Gasly spätestens im Qualifying und landete dabei oft noch hinter den Piloten aus dem Mittelfeld. In Österreich erreichte er mehr oder weniger einen Tiefpunkt, als ihn Verstappen überrundete. "Es war nicht so, dass nur eine Sache nicht passte. Es waren viele Dinge, wie ein großes Puzzle, wo du alle Teile zusammensetzen musst", erklärt Gasly.

Gasly puzzelt sich zur Pace: Fahrstil nicht massiv umgestellt

In den zwei Wochen zwischen Spielberg und Silverstone arbeiteten er und seine Ingenieure hart daran, ihn endlich auf den richtigen Weg zu bringen. "Das Team und ich haben versucht, die fehlenden Teile des Puzzles zu finden, die uns gefehlt haben. Sie haben mich dabei wirklich unterstützt", sagt er.

Teamchef Christian Horner hatte nach Spielberg davon gesprochen, Gaslys Kopf einem Reset unterziehen zu müssen. Ganz so radikal war es dann aber doch nicht. "Ehrlich gesagt, abgesehen davon, dass ich mit dem Team in den Meetings sehr hart gearbeitet habe, habe ich die letzten zehn Tage genau so viel Zeit wie immer zuhause verbracht und auch so wie immer trainiert", sagt der 23-Jährige.

"Ich habe meinen Fahrstil nicht massiv umgestellt. Wir haben einige Dinge geändert und es scheint zu funktionieren. Es ist zwar noch nicht perfekt, doch das habe ich auch nicht erwartet. Aber wir haben an diesem Wochenende in jedem Aspekt einen Schritt nach vorne gemacht."

Gasly wieder hinter Verstappen: Leider kein Windschatten

Drei Zehntel Rückstand auf Verstappen waren in der Tat ein großer Schritt nach vorne, nachdem ihm selbst auf der kurzen Runde in Spielberg im Qualifying zuletzt sieben Zehntel gefehlt hatten. Gasly vermisste auf seiner entscheidenden Runde im Q3 einen gesunden Windschatten.

"Ich habe zwei Zehntel wegen dem fehlenden Windschatten verloren", sagt er. "Max hatte eine wirklich gute Runde, aber ich hätte mehr Zeit finden können, wenn ich näher an dem Ferrari vor mir dran geblieben wäre, um auf den Geraden Zeit zu gewinnen. Ich habe meine Runde einfach weiter hinter Leclerc begonnen, als Max hinter mir. Ich habe den Abstand zu sehr gemanagt."

Abgesehen davon war er mit seiner Performance aber durchaus zufrieden: "Die Runde an sich war okay. In den Kurven drei und vier war es nicht perfekt, da habe ich Zeit liegen gelassen. Aber vielleicht hätte ich näher [an Leclerc] dranbleiben sollen. Andererseits, was du auf den Geraden gewinnst, kannst du in den Kurven verlieren."

Gaslys Pace zahlt sich doppelt aus: Ingenieure trauen ihm Verstappen-Strategie zu

Ein weiterer positiver Aspekt seines Aufwärtstrend zeigte sich bereits im Q2. Nach den Leistungen im Training traute ihm das Team wie Verstappen die Qualifikation fürs Q3 auf dem Medium-Reifen zu. Zuletzt war Gasly stets auf den weicheren Reifen gesetzt worden, während Verstappen die härtere Mischung als Startreifen bekam.

"Wir haben dieses Wochenende gesehen, dass zwischen C2 und C3 ein großer Unterschied ist. Also haben wir geplant, uns auf dem C2 zu qualifizieren", sagt Gasly. "Ob das gut ist oder nicht, wir glauben, dass es die richtige Wahl war. Aber das finden wir morgen heraus."

Das Rennen wird für ihn der letzte große Test an diesem Wochenende. Und von Startplatz fünf aus könnte es diesmal kein einsames Rennen im Niemandsland zwischen den anderen Top-Piloten und dem Mittelfeld werden: "Ferrari hat eine andere Strategie, sie starten beide auf Soft. Wir müssen uns anschauen, wie das läuft", sagt er mit Blick auf das Rennen.

Gasly will noch nicht vom Durchbruch sprechen: Erst Rennen abwarten

"Ich habe noch nicht so viel über das Rennen nachgedacht. Aber wir sollten einen längeren ersten Stint fahren können, was sich auszahlen könnte. Aber es ist nicht ganz klar, ob es ein oder zwei Stopps werden. Es gibt einige Möglichkeiten. Aber wichtig ist, dass wir den Job morgen erledigen."

Denn ohne ein gutes Rennen will Gasly noch nicht von der Erlösung sprechen. "Wir wollten Dinge ändern und besser werden, und haben einen deutlichen Schritt gemacht. Aber einen Durchbruch will ich es noch nicht nennen. Dazu müssen wir erst sehen, was für ein Rennen wir morgen haben", sagt er.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video