Formel 1

Formel 1, Kimi Räikkönen: Alfa-Krise hat nur einen Grund

Alfa Romeo reist mit drei Nullern in Folge als WM-Vorletzter nach Frankreich. Wo ist die starke Frühform hin? Kimi Räikkönen analysiert und blickt nach vorn
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Angeführt von Formel-1-Routinier Kimi Räikkönen zählte Alfa Romeo Racing zu den großen Gewinnern des Saisonstarts 2019. Doch nach vier Punktresultaten in Serie ging das Team aus Hinwil zuletzt fast genauso oft am Stück (3x) komplett leer aus.

Die Folge: Nur mehr der vorletzte WM-Rang ist den Schweizern geblieben. Schlechter, wenn auch weiterhin deutlich, ist nur noch das 2019 erneut desaströse Traditionsteam Williams. Bei Antonio Giovinazzi handelt es sich um den einzigen Piloten abseits von Williams, der noch ohne WM-Punkt ist.

Vasseur: Nur auf Pech schieben wäre zu einfach

Warum? Wieso geriet Alfa Romeo dermaßen ins Hintertreffen im eigentlich doch so ausgeglichenen F1-Mittelfeld, in dem so oft vor allem die Tagesform entscheiden soll? "Die letzten drei Rennen liefen nicht nach Plan. Aber es wäre zu einfach, es nur auf Pech und unglückliche Umstände zu schieben", sagt Frederic Vasseur. "Als Team müssen wir weniger Fehler machen", fordert der Alfa-Teamchef.

Doch ist das alles? Nur Fehler im operativen Geschäft an der Strecke? Oder Fehler viel genereller Natur, etwa in Sachen Fahrzeugentwicklung? Immerhin fordert Vasseur auch: "Wir müssen auch härter arbeiten, was wir nach Kanada auch getan haben, um wieder das volle Potential aus dem Auto zu holen. Und ich bin zuversichtlich, dass wir den Speed, den wir Anfang der Saison hatten, zurückerlangen werden."

Frankreich-Update soll Alfa zurück auf Kurs bringen

Konkret bedeutet das: Zahlreiche Updates für den C38 in Le Castellet. Auf diese baut auch Routinier Räikkönen. "Die neuen Teile sollten uns helfen, wieder zu jener Konkurrenzfähigkeit zurückzufinden, die wir bei den ersten Rennen hatten", so der Finne voller Zuversicht.

Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem Frankreich GP: (9:14 Min.)

Für Räikkönen steht nämlich fest: Die Gründe für die jüngsten Probleme sind recht leicht erklärt und durch generelle Updates zu lösen. "Uns fehlte es an Grip, sodass wir nicht genug Speed hatten. Ein paar Kurven waren in Ordnung, in anderen fühlte sich da Auto aber sehr merkwürdig an."

Räikkönen: Es fehlt einfach nur an Abtrieb

Heißt: Der Alfa muss 'einfach' mehr Abtrieb generieren. "Abgesehen davon gibt es keinen großen Bereich, der uns einbremst. Außer, dass wir auf einigen Strecken eben mal schneller sind als auf anderen. Hoffentlich ist es hier wieder etwas besser, sodass wir zumindest kämpfen können", schildert Räikkönen.

"Wir brauchen aber einfach mehr Abtrieb. Das ist schon immer so gewesen. Mehr Abtrieb ist der Schlüssel zu vielen Dingen: Du bringst die Reifen schneller und besser zum Arbeiten, sie halten länger", ergänzt der Finne. Das müsse nicht einmal viel sein. "Es hängt davon ab, wie groß es ist und welcher Bereich nicht funktioniert. Wenn du da den Schalter umlegst, kann es plötzlich ganz anders laufen", meint Räikkönen.

Räikkönen: Top-10 schnell wieder drin, keine Meilen weg

Ohnehin sei das Auto kein großartig anderes als noch zu Saisonbeginn. "Wir waren da nur konkurrenzfähiger gegenüber den anderen und hätten etwas weniger zu kämpfen, was wir jetzt hier und da haben", sagt Räikkönen. Doch das könne schon morgen gelöst sein.

"Ich würde nicht sagen, dass wir meilenweit weg sind. Wir können in den Top-10 sein. Aber da ist es eng. Jeder kleine Unterschied hilft da. Müssen also weiterarbeiten und die Dinge verbessern. Wir haben auch Ideen, das braucht aber etwas", sagt der Formel-1-Weltmeister von 2007.

Räikkönen überzeugt: Wir können es drehen

Damals wie auch bis zum vergangenen Jahr für Räikkönen noch für Ferrari, ein sehr viel größeres Team als Alfa Romeo. Daher muss sich der Finne zumindest in Sachen Reaktion auf Probleme inzwischen auch etwas mehr gedulden. "Sicher gibt es da gewisse Beschränkungen, etwa wie schnell du ein Problem einkreist", vergleicht Räikkönen das Leben in einem Top-Team mit einem Rennstall im Mittelfeld.

"Dann auch ein neues Teil zu planen, zu bauen und zu testen. Ein Top-Team hat einfach mehr Ressourcen", ergänzt der Finne. "Die Unterschiede sind nicht massiv, würde ich aber sagen. Es geht nicht um Monate, eher Tage und Wochen. Aber bei den Back-to-Back-Events in der Formel 1 bremst dich das über das Jahr natürlich trotzdem aus. […] Wir haben aber auch hier gute Leute, wir müssen nur das Auto überall ein wenig schneller machen, dann können wir es drehen."


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