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Formel 1

Formel 1 Kanada 2019: 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen

Sebastian Vettel in der Startaufstellung für das Formel-1-Rennen heute in Kanada wieder ganz vorne. Doch dieser Vorteil allein wird nicht den Sieg bringen.
von Jonas Fehling

1. - S wie Startaufstellung

Sebastian Vettel ist wieder da: Zum ersten Mal seit dem Deutschland GP 2018 steht der Ferrari-Pilot wieder ganz vorne in der, in Kanada ziemlich bunten, Startaufstellung eines Formel-1-Rennens. Doch direkt neben dem Rückkehrer auf Pole lauert beim Kanada GP 2019 in Montreal (Startzeit 20:10 Uhr, heute live auf RTL, SRF, ORF Sky und Live-Stream F1 TV) sein langjähriger Rivale, WM-Leader Lewis Hamilton.

Aus der zweiten Reihe startet der zweite Ferrari von Charles Leclerc, neben Sensationsmann Daniel Ricciardo, der Renault das beste Qualifying-Ergebnis seit 2010 bescherte. Pierre Gasly im Red Bull und Valtteri Bottas im Mercedes bilden Reihe drei. Nico Hülkenberg, Lando Norris, Max Verstappen und Daniil Kvyat komplettieren die Top-10 der Startaufstellung.

Zuvor hatte es eine Strafversetzung gegen Carlos Sainz gegeben (Behinderung von Alex Albon), von der mitunter Qualifying-Pechvogel Verstappen profitierte. Dank eines nötigen Chassiswechsels beim Auslöser des Pechs, dem Unfall-Haas von Kevin Magnussen, rückte Verstappen gleich noch einen Platz vor. Magnussen muss aus der Boxengasse starten.

2. - S wie Start

Die bunt gemischte Startaufstellung macht den Start in Kanada dieses Mal nicht allein besonders interessant. Noch dazu kommen unterschiedliche Reifen in den Top-10. Einzig die Ferrari und Mercedes müssen den 159 Meter kurzen Sprint bis zum ersten Bremspunkt mit den härteren Medium auf sich nehmen. Alle anderen haben den mehr Traktion bietenden Soft aufgeschnallt.

Allen voran Daniel Ricciardo, der am weitesten vorne startende dieser Gruppe, riecht deshalb Lunte. "Ich erwarte einen guten Start und erstmal in die Top-3 vorzustoßen, um etwas TV-Zeit zu bekommen", scherzte der Renault-Pilot nach dem Qualifying. Der erste Teil dieser Aussage ist jedoch weniger Scherz, als dank des weicheren Reifen durchaus gutes Stück Realismus.

Im Vorjahr behauptete Vettel am Start die Pole - Foto: Ferrari

Mercedes sorgt sich deshalb nicht. Vielmehr sieht Toto Wolff den Start seinerseits als erste gute Chance gegen Vettel. "Der Start ist hier immer eine Gelegenheit", sagt der Mercedes-Teamchef. Eine Gelegenheit, die man auch dringend ergreifen sollte. "Wenn du am Start nicht in der Lage bist, eine Position mit Lewis und Valtteri zu gewinnen, wird es ein sehr schwieriger Sonntag." Doch Hamilton sieht ein Problem: "Der Weg zu Kurve eins ist sehr, sehr kurz. Es ist nicht einfach, da einen Platz gutzumachen."

3. - S wie Strategie

Schwierig, weil Wolff gegen den überlegenen Ferrari-Topspeed in Montreal trotz Triple-DRS offenbar kaum eine Angriffschance auf der Strecke sieht. Umso wichtiger ist die Strategie, die nach dem Start dann größte verbleibende Chance. Wobei mit Strategie zwischen Ferrari und Mercedes in Kanada nicht viel ist. Alle starten auf Medium. Dafür gibt Pirelli einen klaren Plan aus. 35 bis 40 Runden fahren, dann auf Hard wechseln, fertig. Die schnellste Strategie, um die 70 Runden zu bewältigen.

Deutlich schlechter gestellt sei man mit Start auf Soft. Dann sei bereits zwischen den Runden fünf und acht ein Wechsel auf Hard nötig. Das ist derart früh, dass man beinahe garantiert im Verkehr landen muss, sich noch dazu einen extrem langen Schlussstint aufbürdet. Besonders große Erleichterung herrscht deshalb bei Ferrari, es mit Medium in Q3 geschafft zu haben: Am Freitag tat man sich mit dem Soft, besonders hinten, extrem schwer.

"Darüber bin ich glücklich, denn der Soft war gestern ziemlich schlecht und hatte starkes Graining", sagte Vettel nach dem Qualifying. Doch ist nicht zu vergessen, dass Mercedes hier über dieselben Waffen verfügt - und auch den Medium wohl länger wird managen können. "Das Team und die Fahrer haben richtig gute Arbeit geleistet, um beide Autos auf den Medium-Reifen sicher durchzubekommen. Das wird morgen ein wichtiger Faktor sein", freut sich deshalb Technikchef James Allison.

Ein Safety Car könnte die Strategien durcheinander wirbeln - Regen 2019 eher nicht - Foto: Sutton

4. - S wie Sommerwetter

Nicht leichter wird das Reifenmanagement im heutigen Rennen durch den Wetterbericht. Der sagt für den Sonntag die klar heißesten Bedingungen des Wochenendes voraus. Bisher hatte es sich über dem Circuit Gilles Villeneuve bei rund 22 Grad Celsius. eingependelt. Das reichte bereits für Streckentemperaturen jenseits der 45-Grad-Marke.

Für das Rennen sind nur 28 Grad Lufttemperatur prognostiziert - das wird den Asphalt verhältnismäßig glühen lassen und nicht nur gutes Management erfordern, sondern auch beeinflussen, wann sich das berühmte Reifenfenster öffnet.

5. - S wie Safety Car

Während es sich beim Wetter um eine konstante Einflussgröße auf die Reifen und damit die Strategie handelt, sieht es bei einem Safety Car anders aus. Eigentlich. Aber nicht in Kanada. Auf dem Straßenkurs besteht eine extrem hohe SC-Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent. Mauern nahe der Strecke, allen voran die Wall of Champions, lassen grüßen. Kommt Bernd Mayländer genau im richtigen Moment, könnte ein zweite Stopp doch Sinn ergeben. Und sei es nur für einen Schlusssprint auf Soft für den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde.

6. - S wie Solo-Silberpfeil

Mit Valtteri Bottas von P6 und Max Verstappen von P9 starten zwei Topfahrer von etwas weiter hinten als gewohnt. Vor allem bei Mercedes fürchtet man sich deshalb. Ist in Kanada das erste Podium ohne gleich zwei Silberpfeile des Jahres reif? Ganz so leicht, wie sie scheint, ist die Aufgabe für Bottas jedenfalls nicht. Und das nicht nur, weil mit Vettel, Hamilton und Leclerc die drei anderen Spitzenautos ganz vorne stehen.

Sondern auch, weil dieses Trio über einen womöglich effektiven Puffer verfügt: Das Duo Ricciardo/Gasly auf Soft. "Ich denke, wir können im ersten Teil des Rennens mitspielen. Das kann interessant werden", warnt Ricciardo bereits. "Es tut sehr weh, denn die Renault und die Honda haben einen ziemlich guten Speed auf der Geraden gezeigt", sagt Toto Wolff daher über Bottas' maues Ergebnis. "Wir müssen sie in den ersten fünf bis zehn Runden einkalkulieren, denn sie werden extrem schnell sein, da sie beide auch noch auf dem Soft starten."

Das Duo zu überwinden, ist dabei gar nicht die Frage. "Sie werden im ersten Stint schon Probleme bekommen und wir sollten in der Lage sein, die beiden Autos über die Strategie zu überholen", so Wolff. Das Problem ist, wie viel Zeit das braucht. Wolff jedenfalls fürchtet, dass es schwer werden könnte. Bottas sorgt sich da weniger. "Der Soft wird sehr schnell eingehen. Mein Rennpace ist auch viel besser als die des Renault und Red Bull", sagt der Finne. Bottas weiß jedoch auch: "Es wird darum gehen, so schnell wie möglich vorbeizukommen."

7. - S wie Sieger

Der finale und nicht unwichtigste Faktor: Wer ist eigentlich in Sachen Pace der größte Sieganwärter? Die Antwort ist recht klar. Mercedes dominierte am Freitag das Longrun-Geschehen. Auf dem Soft war man Ferrari mehrere Ligen überlegen, der kommt nun nicht zum Einsatz. Doch auch auf den anderen Mischung waren die Silberpfeile noch eine Klasse für sich.

"Unsere Longruns sahen sehr gut aus, vor allem wenn man sie mit denen von unseren Gegner vergleicht, denen die Reifen regelrecht weggeschmolzen sind", sagt Toto Wolff zu Motorsport-Magazin.com. Genau das erklärt auch, warum dem Wiener der Start so wichtig ist. Wegen des hohen Ferrari-Topspeed sieht er keine gute Überholchance und damit wenig Möglichkeit die überlegene Rennpace vom Freitag auch heute überhaupt zeigen zu können. Wolff: "Es geht darum, vorbeizukommen. Wenn man nicht vorbeikommt, wird es schwierig."

Ebenfalls schwierig sieht diese Situation jedoch die Gegenseite. "Es wird ein langes Rennen, es wird schwierig, sie hinter uns zu halten", meint Vettel. Doch der Ferrari-Pilot hat nach der Pole auch besonders großen Sieghunger - und Zuversicht. "Sicherlich können wir gewinnen: Es gibt einen Grund, warum wir das Auto heute auf Pole stellen konnten."

Mit der Longrun-Pace von Freitag hat das jedoch weniger zu tun. Wider die Eindrücke vom Freitag hält Charles Leclerc diese nicht einmal für so schlecht. Im Gegenteil: "Die Longrun-Pace sah bei uns stark aus. Das lässt auf ein gutes Ergebnis hoffen." Vielleicht ja, weil Ferrari von Freitag auf Samstag tatsächlich grundlegend etwas geändert hatte. Etwas, das den SF90 nicht nur auf eine Runde schneller macht. Fast schon angekündigt hatte das Vettel bereits am Freitag, als er davon sprach, neugierig auf eine Idee für den Samstag zu sein ...


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