Formel 1

Formel 1 Kanada 2019: Die 5 heißesten Fragen vor Montreal

Liefert Kanada endlich einen Erfolg für Ferrari? Oder übertrumpft ein neuer Mercedes-Motor alles? Und: Beißen die Murmeltiere? Die Brennpunkte vor Montreal.
von Jonas Fehling
Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem Kanada GP: (10:35 Min.)

Der Formel 1 steht am Wochenende erneut ein großes Jubiläum ins Haus. Nach dem 1000. Grand Prix der Geschichte in China und dem 300. GP von Kimi Räikkönen zuletzt in Monaco feiert nun der Kanada GP sein 50-jähriges Bestehen.

In Montreal richtet sich der Fokus natürlich einmal mehr auf das Duell Ferrari vs. Mercedes. Oder vielmehr die Hoffnung, dass es überhaupt wieder ein Duell werden könnte. Damit nicht genug: Motor-Gerüchte um Mercedes, Mittelfeld-Wettrüsten und Murmeltier-Chaos - Brennpunkte gibt es vor dem Kanada GP genug.

Brennpunkt #1: Hoffnung für Ferrari?

Für Ferrari ist die Formel-1-Saison 2019 nach starken Testfahrten bis dato ein einziger Rohrkrepierer. Insbesondere zuletzt lief es einfach gar nicht mehr. In den langsamen Kurven von Barcelona und Monaco entpuppte sich sogar Red Bull als stärker. Ferrari bekommt das Zusammenspiel zwischen Reifen und seinem Chassis nicht in den Griff. Einzig in Bahrain hatten Sebastian Vettel & Co mal die Nase wirklich vorne - zumindest pacetechnisch.

Genau daraus zieht Ferrari nun Hoffnung für den Kanada GP. Wie in Bahrain handelt es sich beim Circuit Gilles Villeneuve immerhin um eine Powerstrecke - Topspeed kann der Ferrari besser als alle anderen. Noch dazu sollten die weichsten aller verfügbaren Reifenmischungen helfen.

Sorgen gibt es jedoch. Wenig echte Kurven sorgen für nur geringe laterale Kräfte und erschweren das Aufwärmen der Walzen. Gerade bei in Montreal meist eher gemäßigten Temperaturen ein potentieller Performance-Killer für den SF90. Noch dazu ist ausgerechnet die so wichtige Kurve vor der längsten Geraden die Haarnadel. Was schmeckt Ferrari, dem Feind der langsamen Ecken, gar nicht.

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Brennpunkt #2: Neuer Motor bei Mercedes?

Das Vertrauen in den überlegenen Ferrari-Topspeed könnte sich jedoch ganz schnell als völlig hinfällig weisen. Denn: Lewis Hamilton kündigte bereits in Monaco an, von einem Motorupdate in Kanada gehört zu haben. Kommt also Spec-2 aus Brixworth? Und was kann das Upgrade dann? Wird Mercedes statt an Vorsprung zu verlieren sogar noch dominanter?

Das Timing wäre jedenfalls perfekt. Nach Kanada beginnt das zweite Saisondrittel - drei Motoren sind 2019 insgesamt erlaubt. Der alte würde für Ungarn oder Singapur noch immer reichen. Und: Schon im Vorjahr hatte Mercedes in Kanada upgraden wollen, verschob das Debüt des neuen Motors nur wegen letzten Unsicherheiten bis Frankreich.

Brennpunkt #3: Kann Honda in Kanada dranbleiben?

Die nächste spannende Motorenfrage stellt sich im Heck des Red Bull. Auch bei Honda hatte man - damals noch bei Toro Rosso - 2018 in Montreal ein erstes Update gebracht. Das erntete reichlich Lob. Seitdem hagelte es davon nur noch mehr. Zuletzt gab es bereits in Baku frische Motoren für die Honda-Fahrer.

Kanada ist nun der seitdem erste Vollgas-Prüfstein. Auch wenn es beim Update vor allem um Standfestigkeit ging: Wie nah sind die Japaner nun wirklich dran an den bislang überragenden Aggregaten von Ferrari und Mercedes?

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Brennpunkt #4: Wer setzt sich im Mittelfeld durch?

Wie immer große Spannung liefert auch das Mittelfeld. In Kanada sogar etwas mehr. Auch, weil ebenfalls ein Motor im Fokus ist: der Renault. Die Franzosen enthüllten zuletzt, bis Spanien mit gedrosselter Leistung gefahren zu sein. Man hatte früh in der Saison ein Pleuel-Problem entdeckt, dass es erst zu lösen galt.

Daher das Update in Barcelona. Dort fuhr man für Checks noch immer nicht mit voller Leistung, in Monaco war diese ohnehin wenig relevant. In Kanada könnte Renault somit zu alter Stärke finden, wenngleich sonstige Updates nur punktuell an den R.S.19 kommen sollen.

Probleme ganz anderer Art hatte Haas, der ursprünglich andere große Mittelfeld-Favorit, in den ersten Rennen. Zuletzt schienen die US-Amerikaner die Reifen jedoch besser zu verstehen. Vor Kanada ist inzwischen sogar so etwas wie Optimismus zurück. Selbiges gilt für Racing Point beim Stroll-Heimrennen, trotz bis dato durchwachsener Saison, und Alfa Romeo, mit inzwischen erklärtem Ausreißer in Spanien und Selbstzerstörung im Monaco-Quali. Und natürlich Toro Rosso und McLaren, zuletzt beide in Hochform.

Brennpunkt #5: Gibt es wieder Chaos mit Murmeltieren?

Alles bisher Geschriebene können wir in Kanada jedoch ohnehin vergessen, wenn wieder einmal Chaos ausbricht. Wieder einmal? Ja. Kanada ist dafür prädestiniert. Wir sagen nur Murmeltiere, die über die Strecke hoppeln und - auch zum eigenen Nachteil - Frontflügel zertrümmern. Oder Möwen, die Tierschützer Vettel zu einer schlechteren Linienwahl verleiten.

Nicht nur die Fauna schlägt in Kanada gerne zu, auch das Wetter. 2011 erlebte die Formel 1 im Regenchaos von Montreal das längste Rennen ihrer Geschichte. Damit nicht genug: Unfälle - Robert Kubica! Wall of Champions! - gehören in Kanada ohnehin fast zum guten Ton. Immerhin handelt es sich um einen Straßenkurs, die Mauern sind nah, die Bremsen so hart gefordert wie fast nirgendwo sonst. Safety-Car-Einsätze sind somit sehr wahrscheinlich – und damit auch noch strategische Leckerbissen.


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