Formel 1

Formel 1, Hamilton: Meine Leistung 2019 war nur Durchschnitt

Lewis Hamilton wurde für seine Monaco-Performance gefeiert. Selbst bewertet der F1-Leader seine Leistung 2019 insgesamt aber kritisch. Wider die Statistik.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Nur Lewis Hamilton konnte das vollbringen, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff über eine "weltmeisterliche" Fahrt zum Sieg seines Spitzenfahrers beim Monaco GP. "Dieses Rennen zählt glaube ich zu den Top-5 meiner härtesten Rennen. Ich habe ja keine gute Erinnerung, aber ich denke, dass es sogar das härteste Rennen war, das ich je hatte", bewertete der WM-Leader seinen langen Ritt auf schwächelnden Medium selbst.

"Ich kann es noch immer nicht fassen, dass ich da ins Ziel gekommen bin, wo ich ins Ziel gekommen bin", staunte Hamilton selbst mit etwas Abstand noch in der Pressekonferenz. "Ich weiß nicht, wie ich das heute geschafft habe. Es gab so viele Möglichkeiten, Fehler zu machen, so viele Gelegenheiten, aufzugeben, so viele Chancen, eine Entschuldigung zu finden."

Lewis Hamilton kann auch Gegenteil von Inszenierung

Aussagen, die an Singapur 2018 erinnern. Auch nach Hamiltons Pole Position mit einer sensationellen Runde, völlig aus dem Nichts, völlig unerwartet, hatte es dieses Staunen, dieses Schwärmen, ja diese Show danach gegeben. Doch Hamilton kann auch ganz anders.

Ferrari, Red Bull, Mercedes: F1-Zwischenbilanz nach Monaco 2019: (15:55 Min.)

Selbe Pressekonferenz in Monaco. Dieses Mal geht es nur nicht mehr um das Wochenende, sondern eine erste Zwischenbilanz zur bisherigen Saison. Nach sechs Rennen ist nun immerhin beinahe ein Drittel der Formel-1-Saison 2019 bereits gefahren.

Hamilton: Formel-1-Saison 2019 von meiner Seite Durchschnitt

Hamiltons Bewertung seiner eigenen Performance bis hierher: "Für mich fühlt es sich definitiv so an, als dass es eine ziemlich durchschnittliche Leistung meinerseits war, vielleicht etwas über dem Durchschnitt, aber generell recht durchwachsen in den ersten sechs Rennen."

Wer auf den WM-Stand und die bisherigen Formel 1 Ergebnisse 2019 blickt, wird über diese Aussage staunen. Vier Siege und zwei zweite Plätze fuhr Hamilton in den sechs Grands Prix ein, darunter noch ein Extrapunkt für eine schnellste Rennrunde. Unter dem Strich ergibt das 137 WM-Zähler.

So viel hatte Hamilton seit Beginn der Mercedes-Dominanz 2014 noch nie. Ganz im Gegenteil (vgl. Tabelle). Auch vier Siege hatte es in diesem Abschnitt seiner Karriere bis dato nur einmal gegeben. Rein statistisch gesehen also eine klar überdurchschnittliche Saison, keine unterdurchschnittliche.

Lewis Hamilton: WM-Bilanz nach sechs Saisonrennen

Saison WM-Punkte HAM Pkt.-Vorsprung auf P2 Siege
2019 137 17 auf BOT 4
2018 110 14 auf VET 2
2017 104 -25 auf VET 2
2016 82 -24 auf ROS 1
2015 126 10 auf ROS 3
2014 118 -4 auf ROS 4

Doch geht es Hamilton um etwas anderes als Zahlen. "Ich denke, dass ich da einfach das Bestmögliche bekommen habe, was ich bekommen konnte", so Hamilton über die gute Bilanz. "Ich habe auch vorbereitet losgelegt, so gut vorbereitet wie ich nur sein könnt, aber wenn es darum geht, die wahre Performance aus dem Auto herauszupressen, spüre ich, dass ich da in diesen sechs Rennen etwas zu kämpfen hatte", erklärt Hamilton seinen Punkt.

Hamilton: Habe wahre Silberpfeil-Performance noch nicht entfesselt

Für alle Konkurrenten kann das nur eine Warnung sein, allen voran für Teamkollege Valtteri Bottas. Ist der Finne 2019 gar nicht so verwandelt und nur deshalb näher dran an Hamilton, weil der Weltmeister tatsächlich noch einige Baustellen beackert?

Wochenenden wie China deuten daraufhin. Lange tat sich Hamilton in Shanghai schwer damit, eine Einheit mit seinem Silberpfeil und der Strecke zu bilden. Als sich der Knoten gelöst hatte, pünktlich zum Qualifying, war Hamilton sofort wieder da, zumindest nicht mehr unter Bottas-Level.

Findet Hamilton Stein der W10-Weisen? Lewis: ohne Zweifel!

Wer Lewis Hamiltons vergangene Jahre beobachtet hat, kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass die Konkurrenz tatsächlich zittern sollte. "Ich denke, dass es ziemlich ähnlich ist wie in anderen Jahren", erinnert auch Hamilton. Bereits mehrfach dauerte es eine Weile, bis Hamilton seine Komfortzone erreicht hatte. War das der Fall, war der fünfmalige Champion voll da und legte die berüchtigten Hamilton-Serien hin.

Auch 2019? "Ohne Zweifel wird es sich verbessern", sagt Hamilton. Eine Ankündigung wie eine Drohung in den Ohren aller Widersacher. "Weil du über die Saison von Rennen zu Rennen immer mehr Wissen aufsaugst, besonders mit den Reifen dieses Jahr, bei denen Das Fenster sogar noch kleiner geworden ist und du so immer mehr maximierst", erklärt Hamilton seine Zuversicht.

Hamilton: Nur Frage der Zeit, bis ich wiederfinde, was mir steckt

Speziell mit Blick auf die Reifen werde es allerdings für alle leichter werden, relativiert Hamilton. Offenbar geht Hamilton jedoch davon aus, dass speziell er am meisten profitieren würde. "Ich hoffe, dass ich zu einem gewissen Zeitpunkt in der Lage bin, die Probleme, die ich hatte, aufzubrechen und wieder die Form zurückerlange, die in mir steckt!"

Es sei nur eine Frage der Zeit. "Ich kann nicht sagen, ob es schon nächstes Rennen geschieht oder in zehn. Aber ich bin sehr, sehr fokussiert darauf, sicherzustellen, dass ich sie [die Probleme] alle ausräume", versichert Hamilton.

"Schon bis zum nächsten Rennen wird viel Analyse betrieben werden, besonders, die Reifen besser zu verstehen und auch, in Sachen aller Abläufe auf meiner Seite besser zu liefern. Ich werde versuchen, noch besser mit meinen Ingenieuren zu arbeiten, um zu versuchen, mehr aus meinem Auto zu holen", sagt Hamilton. Dabei geht es dem Briten allerdings nicht nur um die Reifen, sondern auch ganz andere Aspekte wie Energiemanagement.


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