Formel 1

Formel 1 2019 Spanien: Hülkenberg sauer auf sich selbst

Nico Hülkenberg startet nach Fehler im Qualifying nur von Platz 16. Was das mit dem Ausritt im Qualifying zu tun hat und wie ihm Ricciardo in die Quere kam.
von Benny Degen

Motorsport-Magazin.com - Bei Renault will es in Spanien einfach nicht so recht laufen. Und das ausgerechnet, während Erzfeind Haas sich anschickt, den Top-3 einzuheizen. Daniel Ricciardo schaffte es immerhin ins Q3 und belegte dort mit gehörigem Abstand Platz zehn. Durch seine Strafe rutscht er weiter zurück auf den 13. Rang.

Nico Hülkenberg traf es noch härter. Der Deutsche wird von Platz 16 (plus einen möglichen Start aus der Boxengasse in Folge des Frontflügelwechsels im Qualifying)nur schwer in Punktereichweite kommen. Grund dafür war ein Fahrfehler im Q1. Nach einem Ausritt in Kurve vier landete er in der Bande. Der Einschlag war zwar nur leicht, reichte jedoch, um seinen Frontflügel zu beschädigen.

Das Q2 verpasste Hülkenberg auf seinem einzigen Run daraufhin um wenige Hundertstel. "Das war absolut meine Kiste. Es war mein Fehler, ich war zu spät auf der Bremse. Und dann ist das natürlich eine Kurve, in der man nicht mehr viel retten kann. Aber das muss ich mir selbst auf die Fahne schreiben", nimmt er die Schuld auf sich.

Hülkenberg: Wer Fehler macht, wird bestraft

"Ich habe die Bande nur sehr leicht berührt, aber wir mussten den Frontflügel wechseln und hatten außerdem Schäden an den Bargeboards. Dadurch hatte ich dann viel mehr Untersteuern und viel zu wenig Anpressdruck auf der Vorderachse. Ich bin ziemlich sauer auf mich deshalb", hadert der Deutsche. "Aber so ist das: Wenn du Fehler machst, bezahlst du dafür."

Dieser vermeintliche kleine Fehler zog verheerende Konsequenzen nach sich. „Das hat uns das Leben ziemlich schwer gemacht.“ Das Problem: Renault fährt in Spanien mit einem neuen Frontflügel, leider gab es aber keinen mehr in Reserve. „Wir hatten nur noch den alten Flügel, auf den wir dann zurückbauen mussten, weil ich den neuen ja beschädigt hatte“, erklärt Hülkenberg.

"Unser Grundspeed ist hier eh nicht gut. So ein kleiner Fehler und die Konsequenzen reichen dann, um uns rauszuhauen", ärgert sich der Emmericher. "Bei uns ist es halt nicht wie bei Lewis, der eine schlechte Runde fährt und trotzdem komfortabel Zweiter wird."

Dem zickigen Renault fehlt die Harmonie

Was aber bereitet den Franzosen auf der katalanischen Strecke derartige Probleme? Hülkenberg kann es erklären: "Wir vermissen im Moment etwas Pace und auch Harmonie im Auto. Es ist ziemlich zickig im Moment, mal fehlt es an der einen Stelle, dann ändert man ein bisschen was und - zack - geht es in die andere Richtung."

Und was bedeutet das konkret? "Unser Heck ist hier ein bisschen nervös. Uns fehlt im Grunde die Balance durch die Kurve hinweg. Zwischen Eingang, Mitte und Ausgang der Kurve wechselt es brutal schnell hin und her und man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, zu korrigieren."

Formel 1 2019: 5 Brennpunkte vor dem Spanien GP: (10:22 Min.)

Das klingt tatsächlich nach mehr als nur kleinen Problemen. Zumal die Strecke solche Unzulänglichkeiten durch ihr Layout besonders hart bestraft. "Gerade hier in Barcelona, mit den langen, fließenden Kurven ist das extrem wichtig, da braucht man diese Balance einfach. Die haben wir aber nicht und dafür zahlen wir einen hohen Preis." Zusammengefasst ergibt das in typischer Hülkenberg-Manier die folgende, eigenwillige Metapher: "Es ist einfach noch der Popp drin."

Ironie des Schicksals spielt Ricciardo in die Karten

Auch, wenn es müßig ist, bleibt die Frage, was ohne den Fehler heute möglich gewesen wäre. "Ich denke, wir hätten es heute mindestens ins Q2 schaffen können." Dabei scheiterte Hülkenberg dann aber ausgerechnet am Teamkollegen, der auf Platz 15 in Q1 das letzte Ticket dafür löste.

"Das ist ziemlich ironisch. Danny hatte auf seiner Runde einige Fehler drin. Ich bin auf meiner Runde in der letzten Kurve auf diesen ‚Sausage Kerb' gekommen und habe da einige Hundertstel verloren, ich hätte ihn also raushauen können. So ist er jetzt weiter und bis ins Q3 gekommen."

Von Platz 16 aus heißt es im Rennen vor allem auf eine gute Strategie bauen und am Start viele Plätze gut machen. Denn überholen ist in Barcelona kein Kinderspiel. Aufgeben ist beim Mann mit der Nummer 27 aber auf jeden Fall noch nicht angesagt. "Wir geben morgen unser Bestes und versuchen, ein besseres Ergebnis herauszuholen."


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