Formel 1

Formel 1, Leclerc zerlegt Ferrari: Balance schon davor schlecht

Charles Leclerc zerstörte im Barcelona-Qualifying mit Kerb-Kontakt seinen Ferrari und Hoffnungen auf bessere Plätze. Das Rennen macht ihm noch mehr Sorgen.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Zum zweiten Mal in Folge fabriziert Charles Leclerc 2019 in einem Formel-1-Qualifying Kleinholz. Barcelona war zwar weniger dramatisch als der Crash in Baku, aber mit einem Kerb-Treffer in Q2 hinterließ Leclerc auch beim Spanien-GP nachhaltigen Schaden an seinem Ferrari.

Mit kaputten Bargeboards - den Aero-Elementen vor und neben den Seitenkästen - stieg Leclerc zwar ins Q3 auf, doch der Schaden war nicht ganz zu beheben, trotz aller Versuche der Ferrari-Mechaniker. Am Ende war das Handling des SF90 nicht mehr dasselbe. Leclerc musste sich nicht nur den Mercedes, sondern auch seinem Teamkollegen Sebastian Vettel sowie dem Red Bull von Max Verstappen geschlagen geben.

Leclerc versteht Schaden nicht: Muss Pech gewesen sein

Nach dem Qualifying zeigt sich Leclerc überrascht davon, wie viele Karbon-Kleinteile an seinem Ferrari fehlten. "Ich verstehe nicht wirklich, wie ich so viel vom Auto auf diesem Kerb verlieren konnte", wundert er sich. "Ich hatte ein bisschen Untersteuern, blieb aber voll am Gas und dachte, es würde alles gutgehen. Leider ging ziemlich viel kaputt."

Leclercs Fehler ist in Barcelona kein seltener. Es passierte ihm in der sehr schnellen Rechtskurve direkt vor der Gegengerade. Die geht im Qualifying normalerweise voll - oder sollte sie zumindest. Wer hier mit leeren Tanks vom Gas muss, der verliert für die darauffolgende Gerade einiges an Topspeed. Das kann und will sich kein Formel-1-Pilot aus dem Spitzenfeld leisten.

Die komplexen Ferrari-Bargeboards in der Nahaufnahme - Foto: LAT Images

Aber am Ausgang der Kurve lauert ein sehr hoher und aggressiver Randstein. Wer hier zu weit rausrutscht, sitzt mit dem Unterboden eben auf diesem Kerb auf. Die daraus entstehenden Vibrationen können für die Karbonteile, die für so eine Belastung nicht entworfen wurden, schnell das Ende bedeuten.

"Ich habe etwas mehr vom Kerb mitgenommen, aber Teile zu verlieren, das habe ich nicht erwartet", meint Leclerc. Er wollte eben nicht vom Gas und sich damit die Runde kaputtmachen. "Ich war ein bisschen schneller, das Auto war vielleicht ein bisschen tiefer, und dann haben wir ein Bargeboard zerlegt. Ich glaube, das zweite wurde auch beschädigt. Schade, den Fehler hätte ich nicht als groß eingestuft. Einfach Pech, und schwerwiegende Folgen."

Ferraris Schnell-Reparatur reicht nicht

Die verlorenen Teile kamen Leclerc teuer zu stehen. Nicht nur, weil er für den Aufstieg in Q3 noch einen Reifensatz anbrauchen musste. Gleich auf der nächsten Runde musste er erkennen: Der Schaden beeinflusste die Performance seines Ferrari doch deutlich.

"Wir mussten noch einmal stehen bleiben", erklärt Leclerc. Während die Konkurrenz in Q3 zwei Mal auf die Strecke kam, lagen bei Leclerc fünf Minuten lang Mechaniker neben den Seitenkästen und versuchten ihr Möglichstes, die Probleme zu minimieren.

Die Reparatur reichte nicht. "In Q3 fühlte sich das Auto trotzdem seltsam an", meint Leclerc danach. "Ich hatte ziemlich viel Untersteuern, besonders nachdem ich das halbe Bargeboard verloren habe. Wir versuchten es zu reparieren, aber es hat sich einfach nicht wie davor angefühlt. Das müssen wir uns anschauen."

Leclerc in Balance-Problemen: Haben Mercedes kommen sehen

Die 1.182 Sekunden Rückstand, die Leclerc schließlich am Ende des Qualifyings auf Polemann Valtteri Bottas aufriss, sind aber kaum alleine auf den Schaden am Ferrari zurückzuführen. "Mercedes war das ganze Wochenende richtig schnell", räumt Leclerc ein. "Am Freitag, in FP3, und wir haben es ehrlich gesagt ein bisschen kommen sehen."

Mehr als die Vettel-Leistung kann sich Leclerc also auch nicht vorstellen. Kein gesundes Bargeboard hätte ihn auch nur annähernd an die Silbernen herangebracht. "Wir haben daran gearbeitet, die richtige Balance zu finden, besonders mit den neuen Teilen. Leider waren wir heute noch immer ziemlich weit weg", gibt Leclerc zu. Auch in gesundem Zustand litt sein Ferrari besonders in den langsamen Kurven unter Untersteuern - das altbekannte Problem, wie es die Roten seit Australien plagt.

Für das Rennen macht er sich keine großen Hoffnungen. Mit Max Verstappen hat er auch noch einen Red Bull direkt vor sich. "Natürlich wird es ein schwieriges Rennen werden", blickt er voraus. "Red Bull ist generell sehr schnell im Rennen, sie gehen gut mit den Reifen um. Das wird morgen kein einfaches Rennen."


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