Formel 1

Formel 1 China, Räikkönen ärgert sich: Reifen verderben Attacke

Kimi Räikkönen holt beim China GP als einziger Mittelfeld-Fahrer zum dritten Mal 2019 Punkte. Doch mit P9 sieht sich der Alfa-Star unter Wert geschlagen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Kimi Räikkönen hat mit einem neunten Platz im 1000. Formel-1-Rennen der Geschichte seine Punkteserie zum Start der F1-Saison 2019 fortgesetzt. Damit bleibt der Routinier von Alfa Romeo Racing nach dem China GP der einzige Pilot aller Teams im Mittelfeld, der bei allen drei bisherigen Grands Prix Zählbares nach Hause gebracht hat.

"Das Auto fühlte sich heute gut an. Wir sind von etwas weiter hinten in der Startaufstellung losgefahren und haben zumindest ein paar Punkte geholt", sagt Räikkönen nach dem Rennen erleichtert. Nur von Platz 13 war der Iceman in das Jubiläumsrennen in Shanghai gestartet. Im Qualifying hatte er erstmals seit Ungarn 2016 das Q3 verpasst.

Räikkönen fordert Nachbessern bei Qualifying-Pace

Weil ihm Windschatten fehlte und er auf der 1,2 Kilometer langen Geraden so der heftige Gegenwind einen Strich durch die Rechnung gemacht habe. "Ich war an einem Punkt ganz alleine auf der Gegengerade und konnte so nicht genug Speed aufnehmen", erklärte Räikkönen am Samstag. Der Effekt war so extrem, dass der Formel-1-Weltmeister von 2007 am Funk zuerst sogar ein Problem mit der Power Unit befürchtet hatte.

Dieser Eindruck erwies sich - anders als bei seinem auf dieser Seite am Wochenende mehrfach vom Pech geplagten Teamkollegen Antonio Giovinazzi - jedoch als falsch. Dennoch hadert Räikkönen mit der Qualifying-Performance. "Ich denke, wenn wir das Qualifying besser hinbekommen, dann können wir ein viel einfacheres Rennen haben. Denn wir haben den Speed vor den Jungs um uns rum zu sein. Das müssen wir jetzt fixen, um schneller zu werden", fordert er.

Kimi Räikkönen im Rennen schnell zurück in Top-10

Tatsächlich sah der Rennspeed des Räikkönen-Alfa am Sonntag in Shanghai exzellent aus. Schnell hatte sich der Finne in die Top-10 vorgearbeitet. In Runde drei kassiert er Kevin Magnussen, eine Runde danach den zweiten Haas von Ex-Lotus-Teamkollege Romain Grosjean. In Umlauf zehn war auch der Renault von Nico Hülkenberg fällig.

"Im Rennen war das Auto heute sehr gut, das hat Spaß gemacht", freut sich Räikkönen darüber. Doch wurmt den Finnen auch Sonntag noch die verpasste, bessere Ausgangslage. "Gestern waren wir nicht so stark wie erhofft. Wir haben aber schon ein wenig verstanden, warum es so war." Immerhin.

Räikkönen verliert Zeit durch späten Alfa-Stopp

Doch auch im Rennen war nicht alles rosig. Zunächst verlor Räikkönen durch einen deutlich späteren Stopp (L25) als die letzten zu diesem Zeitpunkt noch zu jagenden Mittelfeldkonkurrenten viel Zeit. Vor den Boxenstopps von Daniel Ricciardo (L18) und Sergio Perez (L20) hatte Räikkönen vier Sekunden hinter dem Australier, eine hinter dem Mexikaner gelegen. Danach waren es deren zehn und sieben.

Noch dazu ging der Platz an Grosjean wieder verloren. Den Franzosen kassierte Räikkönen in Runde 28 nach einem kleinen Fight allerdings schnell wieder. Das und die vorherigen Manöver habe erneut Spaß gemacht. "Aber etwas weniger als beim vergangenen Rennen, denn da ging in Sachen Racing doch mehr", so Räikkönen. "Aber generell fühlte sich das Auto gut an."

Kalte Reifen verhindert Schlussoffensive des Iceman

Die Strategie und das Qualifying allein waren es jedoch nicht, was Räikkönen final von einem besseren Ergebnis abhielt. Durch die frischeren Reifen hatte er im Schlussstint sogar leicht schärfere Waffen als Perez und Riccairdo. Doch dann ereilte den Routinier ein mysteriöses Problem mit den Pirelli-Reifen.

"Ich hatte die Reifen extra etwas geschont und geplant sie in den letzten Runden anzugreifen. Aber am Ende haben wir die Vorderreifen etwas verloren. Das hatte denke ich mit der Temperatur zu tun, sie wurden zu kalt und waren dann nicht mehr da", erklärt Räikkönen, warum doch keine Attacke mehr auf Perez und Ricciardo folgte.

Räikkönen hadert: Hatte locker den Speed für Attacke

Ins DRS-Fenster des Mexikaners war der Alfa-Pilot vorgestoßen, doch plötzlich musste er wieder komplett abreißen lassen, beendete den China GP schließlich sieben Sekunden hinter dem Racing Point und zehn hinter dem Renault von Ricciardo. Womöglich hatte Räikkönen direkt hinter Perez durch Dirty Air zu viel Abtrieb verloren. "Das ist schade, denn ich war sicher, dass wir den Speed hatten, es locker mit den Autos vor uns aufzunehmen", hadert Räikkönen. "Aber so ist es jetzt eben."

In Baku werde man nun versuchen, es besser zu machen. Genau darauf bauen muss insbesondere auch die andere Seite der Garage. "Es war ein insgesamt schwieriges Wochenende. Ich bin das Rennen von hinten im Grid gestartet und bis deshalb auf eine etwas andere Strategie gegangen, um zu versuchen, ein paar Positionen zu gewinnen. Das hat aber unter dem Strich nicht so gut geklappt. Ich freue mich jetzt einfach auf einen Neustart beim nächsten Grand Prix in Aserbaidschan", sagt Teamkollege Giovinazzi.

Antonio Giovinazzi: Ferrari-Power-Unit bereitet Probleme

Zuvor hatte der Italiener wegen Problemen mit der Motorinstallation ein Training komplett aussetzen müssen. Auch sein verpasstes Qualifying soll auf die Power Unit von Ferrari zurückzuführen sein. In China hatte Alfa, anders als das Werksteam und der andere Ferrari-Kunde Haas, entschieden, nach dem Leclerc-Defekt in Bahrain keine neuen Steuerelemente zu verwenden. Deshalb war auch das Durchhalten von Räikkönens C38 im Rennen eine ewige Zitterpartie am Kommandostand.

"Für uns war es ein kniffliges Wochenende nach einigen technischen Problemen am Freitag und am Samstag", sagt Alfa Romeos Teamchef Frédéric Vasseur. Schon am Samstag hatte sich der Franzose bei seinem zweiten Fahrer entschuldigt. Am Sonntag gab es wohl auch deshalb trotz P15 ein kleines Lob: "Beide Fahrer haben im Rennen einen guten Job gemacht und ihre jeweilig Lage gut gemanagt."


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