Formel 1

Formel 1 Australien - So lief der erste Tag der Rookies

In Australien starten mit George Russell, Lando Norris, Alex Albon und Antonio Giovinazzi gleich vier Rookies in die F1. So haben sie sich geschlagen.
von Benny Degen

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 ist endlich wieder da - und mit ihr vier neue Gesichter. Wobei, eigentlich nur dreieinhalb. Antonio Giovinazzi hatte bereits 2017 zwei F1-Starts für sein jetziges Team absolviert, das damals noch unter dem Namen Sauber antrat. Die drei "echten" Rookies stiegen in bester Bundesliga-Manier von den drei ersten Plätzen der Formel 2 in die Königsklasse auf. Und das ganz ohne Relegation.

In den Ergebnislisten der ersten beiden freien Trainings am Freitag in Melbourne fanden sich die Nachwuchsfahrer in umgekehrter Reihenfolge der letztjährigen Formel-2-Wertung wieder. Der Drittplatzierte des Unterhauses der Formel 1 von 2018, Alex Albon, ließ in seinem Toro Rosso in beiden Sessions sowohl den amtierenden F2-Vizemeister Lando Norris im McLaren als auch den amtierenden Champion der Junior-Serie, George Russell im Williams, hinter sich.

Die drei Frischlinge mussten sich allesamt in beiden Trainings dem etwas erfahreneren Giovinazzi im Alfa Romeo geschlagen geben. Wir werfen nach Tag 1 der neuen Saison einen genaueren Blick auf die jungen Talente, und zwar in der Reihenfolge der Ergebnisse.

Antonio Giovinazzi startet am SOnntag zum dritten Mal in einem Formel-1-GP - Foto: LAT Images

Giovinazzi - Um ein Haar in die Top-10

Alfa Romeo wurde nach den Tests in Barcelona von vielen als Geheimtipp gehandelt. Routinier Kimi Räikkönen bestätigte diese Einschätzung denn auch direkt, indem er in beiden Trainings je einen Fahrer der Top-Teams hinter sich ließ. Zum ganz so großen Wurf reichte es bei dessen Neo-Teamkollege Giovinazzi zwar noch nicht. Doch am Ende des ersten Trainings stand mit P11 und nur anderthalb Zehnteln Rückstand auf Renaults Nico Hülkenberg immerhin fast ein Einzug in die Top-10 zu Buche.

Der Rückstand auf Teamkollege Räikkönen betrug zwar fünf Positionen, in Zeit gemessen jedoch lediglich dreieinhalb Zehntel. Das unterstreicht einmal mehr, wie eng das Mittelfeld beieinander liegt. Im zweiten Training war dann nur noch der 15. Rang drin, mit diesmal sieben Zehntelsekunden Rückstand auf den Schwester-Alfa. Doch das zweite Training dient den Teams meist eher für Longruns, die im Hinblick auf das Rennen wesentlich wichtiger sind, als für schnelle Runden.

Giovinazzi wurde hierfür neben dem Soft-Reifen (C4) für zwei Stints auf dem Hard (C2) rausgeschickt, während Räikkönen, ebenfalls zusätzlich zum weichsten Pneu, die Medium-Variante (C3) testete. Ein Dreher in Turn 15 sorgte vonseiten Giovinazzis für einen kleinen Aufreger, allerdings ohne Folgen. Nach dem vollendeten Testprogramm zog der Ferrari-Junior ein positives Fazit. "Das Auto fühlte sich gut an und ich bin zufrieden mit unserer Performance, besonders der Longruns. Ich freue mich, morgen wieder auf die Strecke zu gehen."

Albon - Zeit, dass sich was dreht

Jungbulle Alex Albon fiel in beiden Trainings-Sessions auf - allerdings nicht mit fantastischen Zeiten, sondern eher mit einer Pirouetten-Darbietung. Auf einen Dreher in Turn zwei während des ersten freien Trainings, der in einem Einschlag in die Bande und Schäden an Front und Heck des Toro Rosso endete, folgten gleich zwei Spins in der zweiten Session, diesmal mit glimpflichem Ausgang.

Alex Albon geht an der Seite von Daniil Kvyat in seine erste F1-Saison - Foto: LAT Images

Die Anfahrt auf Turn 15 war aber nicht nur für den jungen Thai-Briten eine Einladung zum Ballett; auch Giovinazzi und Bottas erwischte es hier. Dr. Helmut Marko forderte nach Albons Übermut: "Der ist zu heiß geworden. Der muss sich ein bisschen zurückhalten." "Trotz des vollen Einsatzes gab es mit Platz 13 respektive 17 und vier bzw. sieben Zehnteln Rückstand auf Teamkollege Kvyat noch nicht die wirklich beeindruckenden Ergebnisse zu bejubeln.

Toro Rossos Chefingenieur Jonathan Eddols nahm den Heißsporn in Schutz. "Alex verbrachte die erste Session damit, sich an das Auto und die Strecke zu gewöhnen. Er unterschätzte den fehlenden Grip, während die Reifen erst auf Temperatur kommen." Außerdem sei seine schnellste Zeit im zweiten Training nicht aussagekräftig, da er die erste fliegende Runde habe abbrechen müssen und danach die Reifen schon nicht mehr die optimale Performance gebracht hätten, so Eddols.

Auch Albon selbst sieht keinen großen Grund zur Sorge. "Ich gewöhne mich immer noch an den Zeitplan in der Formel 1, das Auto und die Strecke. Dieser Kurs ist nicht einfach, aber ich denke, unsere Pace sieht bisher ganz gut aus und ich gewinne langsam an Vertrauen. Nach dem Dreher im ersten Training habe ich es etwas sanfter angehen lassen und wir konnten ein paar weitere Dinge am Auto probieren. Jetzt müssen wir über Nacht unsere Hausaufgaben machen und uns für morgen verbessern."

Norris: Kleine Schritte vorwärts

Lando Norris kam als medienwirksame Nachwuchshoffnung zu McLaren und ersetzt beim krisengebeutelten Traditionsteam aus Woking den glücklosen Stoffel Vandoorne. Mit Platz 18 in beiden Trainings und einer Zehntel Rückstand auf Rookie-Kollege Albon wartete in Melbourne aber erstmal der Boden der Realität auf den Youngster. Einzig die beiden Williams waren langsamer, womit Norris als Letzter des "richtigen" Feldes angesehen werden muss.

Die Wintertests waren nicht Norris' erster F1-Einsatz - schon letzte Saison testete er für McLaren - Foto: LAT Images

Trotzdem war mit fast einer Sekunde Verbesserung zwischen den Trainings ein Fortschritt zu erkennen. "Wir haben das Auto zwischen den Sessions verbessert und haben jetzt eine Richtung in die wir morgen mit dem Setup gehen. Das Wichtigste ist, dass wir einen Fortschritt erzielt haben. Es geht darum, kleine Schritte vorwärts zu machen", fasste der 19-Jährige zusammen.

Auf Carlos Sainz im anderen McLaren fehlten dem Briten im ersten Training sieben, im zweiten sechs Zehntel. Doch wie bei Albon stehen für Norris zunächst andere Dinge im Mittelpunkt. "Mein Haupt-Fokus im ersten Training war, diese Strecke zum ersten Mal kennen zu lernen. Es ist eine schwierige Strecke, sehr holprig und es ist leicht, sich zu verbremsen. Im zweiten Training war ich dann schon sehr viel sicherer und habe jetzt ein gutes Gefühl im Hinblick auf das dritte Training."

Russell: Als würde ich fliegen

Bei Williams überhaupt etwas Positives zu finden, ist momentan nicht besonders leicht. Der Vergleich zu allen anderen Teams macht aufgrund des Test-, Entwicklungs- und Performance-Rückstandes praktisch keinen Sinn - am Ende der Trainings standen erschütternde zwei (!) bzw. 1,7 Sekunden Rückstand des jeweils besseren Williams-Fahrers auf Platz 18. Folglich muss man die beiden Träger der roten Laterne gesondert betrachten.

Landete George Russell im ersten Training noch acht Zehntel hinter dem F1-Rückkehrer Robert Kubica im anderen Williams, konnte er sich im zweiten Training um fast zweieinhalb Sekunden steigern und den Polen diesmal hinter sich lassen. Ein kleiner Achtungs-Erfolg für den Mercedes-Junior.

George Russell stellte sich bei Claire Williams mit einer Powerpoint-Präsentation vor - Foto: Williams

Anders als die ehemaligen Formel-2-Kollegen Albon und Norris gab der 21-Jährige einen sehr positiven Eindruck von der Strecke im Albert Park zu Protokoll. "Es war toll, das erste Mal raus auf die Strecke in Melbourne zu gehen. Es ist ein großartiger Kurs. Auf meiner ersten Runde, als ich auf Turn drei zugefahren bin, habe ich mich gefühlt als würde ich fliegen. Insgesamt war es eine tolle Erfahrung, vor allem mit den ganzen Fans hier um die Strecke. Das ist etwas, woran ich mich noch lange erinnern werde", schwärmte er vom Gefühl im Auto.

Ansonsten bleibt jedoch nur der hoffnungsvolle Blick in die ferne Zukunft. "Wir hatten, was die Rundenzeiten angeht, nicht gerade den besten Tag und sind im Moment weit hinter dem Rest. Wir wissen, was uns in den ersten Rennen erwartet und fokussieren uns darauf, uns von diesem Stand aus weiterzuentwickeln, um in der Mitte der Saison etwas Besseres zu haben."


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