Formel 1

Formel 1, Carlos Sainz über Mick Schumacher: Der Druck ist irre

Auf Mick Schumacher sind seit seinem Formel-3-Titel alle Augen gerichtet. Carlos Sainz versteht seine Situation: Sein Name ist Hilfe und Bürde zugleich.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Mick Schumacher ist nach seinem dominanten Titel in der Formel 3 Europameisterschaft auch in der Formel 1 in aller Munde. In der Gerüchteküche wurde der Sohn von Rekordweltmeister Michael Schumacher bereits für 2019 mit einem Aufstieg in die Königsklasse in Verbindung gebracht. Der berühmte Nachname hilft, macht es aber auch nicht unbedingt einfacher, wie Carlos Sainz meint.

"Ich denke, beides", sagt der Spanier im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Sainz weiß wovon er spricht, trägt er doch den Namen von Rallye-Legende Carlos Sainz senior. 'El Matador', wie er in Spanien ehrfürchtig genannt wird, siegte in der WRC zwischen 1987 und 2005 beeindruckende 26 Mal und holte zwei WM-Titel für Toyota.

Zwar schlug der Junior mit seinem Einstieg in den Kartsport im Jahr 2008 einen anderen Karriereweg ein, der über die Grenzen des Rallyesports bekannte Name war dennoch von Beginn an sein Begleiter. "Am Anfang der Karriere, als du jünger warst und angefangen hast Kart zu fahren, bin ich mir sicher, dass Mick sich genauso gefühlt hat", so Sainz.

Sainz: Druck durch andere Eltern war auch für Mick Schumacher enorm

Schumacher startete bis zu seinem Umstieg in den Formelsport zwar unter dem Namen Betsch, dem Mädchennamen seiner Mutter Corinna, doch der berühmte Vater blieb nie ein Geheimnis. Sainz weiß noch genau, wie sich dieser Umstand auf seine Person in jungen Jahren auswirkte.

"Es war der Druck mit dem ich in den unteren Kategorien umgehen musste, besonders im Kart, wo die ganzen Eltern anwesend waren", erzählt der 24-Jährige. "Sie sagen ihren Kindern: Der erste den du schlagen musst ist Mick Schumacher, denn das wird dich noch besser aussehen lassen."

"Bei mir war es dasselbe. Der Druck und die Aufmerksamkeit, die ich einfach nur dafür bekam, der Sohn von jemandem zu sein, war verrückt", sagt Sainz. Er hielt diesen Umständen erfolgreich stand und wechselte 2011 in den Automobilrennsport: "Ich glaube, während du die ganzen Serien durchläufst, da akzeptierst du es einfach. Du reifst damit und gewöhnst dich daran."

Neben dem ständigen Fokus auf die eigene Person bringt ein bekannter Name selbstverständlich auch seine Vorteile mit sich. Sainz lieferte mit dem vierten Gesamtrang in der Formel BMW Europameisterschaft in seiner ersten Saison im Formelsport zwar sofort ab, die Förderung durch Red Bull dürfte aber nicht alleine dadurch zustande gekommen sein.

Wie geht es mit Mick Schumacher weiter?: (03:41 Min.)

Sainz: Auch Mick Schumacher schafft es nur mit Leistung in die Formel 1

"Es kann durchaus eine Hilfe sein. Ich hatte großes Glück, einen zweimaligen Weltmeister an meiner Seite zu haben, und ich denke, der Name Schumacher kann ihm auch helfen", sagt Sainz. Dass der Name alleine jedoch nicht alles ist, bewiesen diejenigen die den Sprung in die Formel 1 nicht schafften, wie Mathias Lauda oder Nicolas Prost.

"Wenn du nicht gewinnst oder die richtigen Ergebnisse ablieferst, wirst du es nie bis in die Formel 1 schaffen. Also, erst die Resultate, dann der Rest", mahnt Sainz. Für Schumacher steht nach dem Gesamtsieg in der Formel 3 der nächste Schritt an, der aller Voraussicht nach Formel 2 oder Super Formula heißen wird.

Carlos Sainz stieg 2015 bei Toro Rosso an der Seite von Max Verstappen in die Formel 1 auf - Foto: Sutton

Hülkenberg rät Mick Schumacher vom direkten Formel-1-Aufstieg ab: Lieber Formel 2

Vom direkten Aufstieg in die Formel 1 rät Sainz' Teamkollege Nico Hülkenberg ab. "Jede Karriere und jeder Fahrer ist anders. Pauschal kann man das nicht sagen, aber ich würde sagen, ein Jahr Formel 2 wie ich das gemacht habe", schlägt er den Schritt ins Unterhaus der Formel 1 vor. Hülkenberg legte 2009 mit dem Titel in seiner Debütsaison in der GP2 den direkten Durchmarsch in die F1 hin.

In der Formel 1 steht aber auch ohne einen Aufstieg Schumachers ein Wechsel der Generationen an. Mit Verstappen, Leclerc und Gasly fahren kommende Saison bereits Piloten der Jahrgänge 1996 und 1997 bei den Top-Teams von Red Bull und Ferrari. Mit Lando Norris und George Russell rücken bei McLaren und Williams gleich die nächsten Youngster nach.

Sainz ohne Angst vor Youngstern: Gute Kombination aus Jugend und Erfahrung

"Wenn ich überlege, dass ich 24 Jahre alt bin und nächstes Jahr schon meine fünfte Saison in der Formel 1 sein wird, ist das ziemlich verrückt", sagt Sainz, der 2015 neben Max Verstappen bei Toro Rosso debütierte und kommende Saison nach einem kurzen Intermezzo mit Renault für McLaren starten wird.

"Ich fühle mich immer noch so, als ob ich 15 Jahre vor mir hätte, dabei habe ich schon fünf hinter mir. Es ist verrückt, wie schnell sich die Dinge entwickeln und wie schnell die Zeit vergeht, wenn du in der Formel 1 bist. Aber ich denke, dass das eine gute Kombination aus Jugend und Erfahrung ist", sieht er sich gegen die Youngster in einer guten Position.


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