Formel 1

Formel 1: Ärger um Mercedes-Felgen, Stewards müssen entscheiden

Mercedes sorgt mit Bohrungen in den Felgen derzeit für Aufsehen. In Mexiko mussten sich die Stewards mit der Thematik befassen. Ist die Lösung illegal?
von Christian Menath

Felgen sind in der Formel 1 längst Hightech-Produkte. Die teuren Magnesium-Legierungen, aus denen die Felgen hergestellt sind, sind längst eingeschränkt und dennoch steht auch in diesem Bereich die Entwicklung niemals still.

Den besten Beweis liefert Mercedes: Die Silberpfeile führten vor einigen Rennen neue Hinterradfelgen ein. Neben der komplexen Form mit zahlreichen Nuten, die als Oberflächenvergrößerung und somit der besseren Wärmeabfuhr dienen, gab es auch Änderungen an den Distanzscheiben.

Die Distanzscheiben liegen zwischen Felge und Radaufnahme und sorgen derzeit für größeren Ärger. Grund: Die Distanzscheiben verfügen über kleinste Bohrungen. Diese sind ebenfalls dazu da, die Wärme besser abzuleiten. Die Wärmeableitung im Rad ist beim Reifenmanagement ein essentielles Thema, weil die Felge Hitze der Bremse aufnimmt und an den Reifen weitergibt.

Je weniger Hitze die Felge speichert, desto weniger wird der Reifen zusätzlich von innen erhitzt. Die Konkurrenz, namentlich Ferrari, zweifelt allerdings daran, dass Mercedes die Bohrungen an den Distanzscheiben rein aus thermischen Gründen vorgenommen hat.

Mercedes-Felge ein bewegliches Aero-Teil?

Kritiker meinen, bei den durchbohrten Distanzscheiben handelt es sich um aerodynamisch bewegliche Teile. Die Scheiben drehen sich ganz normal mit Felge und Bremsscheibe mit.

Die Technik-Abteilung der FIA hatte die Mercedes-Lösung bereits als legal eingestuft, allerdings lässt das Reglement Raum für Interpretationsmöglichkeiten. Gibt es solche, liegt die Entscheidung in strittigen Fällen bei den Rennstewards.

Deshalb entschied sich Mercedes in Austin dazu, auf Nummer sicher zu gehen und fuhr ohne Löcher in den Distanzscheiben. In Mexiko will Mercedes aber diesen kleinen Nachteil nicht mehr eingehen und forderte deshalb eine Klarstellung der Stewards.

Mercedes wollte auf der einen Seite wissen, ob die Interpretation der FIA ihrer Meinung nach dem Reglement entspricht und anderseits, welche Änderungen nötig wären, damit es Sicherheit bei der Interpretation von Artikel 3.8 des Technischen Reglements gibt.

Stewards erlauben Mercedes-Felge vorerst nur in Mexiko

In Mexiko konnte Mercedes immerhin einen Teilerfolg verbuchen. Die Stewards um den Vorsitzenden Gerd Ennser folgten der Interpretation der FIA und erklärten die durchbohrten Distanzscheiben ihrer Meinung nach für legal.

Ein Teilerfolg ist es aber nur, weil die Stewards ebenfalls klarstellten, dass über diese Interpretation jedes Wochenende aufs Neue von den Stewards entschieden werden müsse. Gleichzeitig stellten sie klar, dass es keinen generellen Freifahrtschein für das Design von Distanzscheiben gibt.

Jede Änderung der Distanzscheiben müsse einzeln beurteilt werden, so die Stewards. Der Hauptgrund muss die bessere Wärmeableitung, die Aerodynamik höchstens ein Nebeneffekt sein. Damit will man extremen Designs, um Luft aus den Hinterrädern zu blasen, nicht Tür und Tor öffnen.


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