Formel 1

Formel 1, Leclerc für Räikkönen: So erklärt es der Ferrari-Boss

Kimi Räikkönen muss bei Ferrari seinen Hut nehmen. Das Team entschied sich für Charles Leclerc. So erklärt Teamchef Maurizio Arrivabene die Entscheidung.
von Christian Menath

Oft spricht Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene nicht mehr zu internationalen Medien. Zu Beginn seiner Ära sprach der charismatische Italiener noch an jedem Wochenende, doch der Medien-Hahn wurde von Ferrari schnell zugedreht. Inzwischen geben die Italiener den schreibenden Medien an Rennwochenenden überhaupt keine Möglichkeit mehr, mit ihrem Teamchef zu sprechen. Doch wenn die FIA-Pressekonferenz ruft, kann auch Ferrari nicht anders.

An jedem Wochenende beruft die FIA neben den Fahrern auch Teamverantwortliche in eine Pressekonferenz - die Einladung ist zwingend. Und in Singapur musste sich eben kein geringerer als Maurizio Arrivabene den Fragen der Journalisten stellen. Ein delikater Zeitpunkt, hatte Ferrari doch erst wenige Tage zuvor verkündet, dass Kimi Räikkönen seinen Hut nehmen muss und Charles Leclerc sein Cockpit ab der Formel-1-Saison 2019 erhalten wird.

Nachdem sich am Freitag schon Leclerc und Räikkönen über ihren Cockpit-Tauch äußern durften, respektive mussten, und auch Sebastian Vettel seinen neuen Teamkollegen kommentierte, musste nun der Chef selbst Stellung nehmen.

Arrivabene: Ich, nicht Homer Simpson hat Räikkönen rausgeschmissen

"Es war keine Entscheidung, die von Mr. Simpson getroffen wurde, die Entscheidung wurde von mir getroffen und ich habe sie mit dem Top-Management diskutiert. Dabei wurden viele, viele Faktoren in Betracht gezogen", erklärte Arrivabene.

Der entscheidende Faktor war offenbar die Zukunft: "Wenn man eine solche Fahrerentscheidung trifft, dann sieht man sich das Ganze nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig an. Langfristig bedeutet nicht nur das nächste Jahr, es geht um die Zukunft des Teams - es geht darum, wie du ein junges Talent gedeihen lässt und was du von ihm in der Zukunft erwartest."

"Es geht um zwei oder drei Jahre", stellte Arrivabene klar. "Mein Job ist es, die Zukunft des Teams zu gestalten. Das war die Rechtfertigung für die Entscheidung." Doch ganz der Wahrheit dürfte das nicht entsprechen. Leclerc ist noch bis 2022 an Ferrari gebunden. Ferrari hätte alle Zeit der Welt gehabt, das Talent in Ruhe zu entwickeln. Angeblich hatte aber Sergio Marchionne den Deal noch vor seinem Tod eingefädelt - ein Zurück gab es für das neue Management nicht.

Trotzdem war es keine Entscheidung gegen Räikkönen, sondern eine Entscheidung für Leclerc. "Ich habe großen Respekt für Kimi, als Mensch und als Fahrer. Aber wenn man die Wahl hat, dann haben wir in Hinblick auf die Zukunft die richtige Wahl getroffen", so Arrivabene.

Leclercs Kampfansage an Vettel: Ziel ist der Titel: (08:35 Min.)

Böses Blut zwischen Ferrari und Räikkönen gibt es auch nach der Trennung nicht. "Wir haben sogar die Regeln gebrochen", stellt Arrivabene klar. "Ferrari kommuniziert solche Dinge normalerweise mit einem Satz in den Pressemitteilungen. Wir haben diesmal Kimi Tribut dafür gezollt, was er mit uns erreicht hat und haben ihm das Beste für die Zukunft gewünscht."

Ferrari-Teamchef: Sind in der Formel 1, nicht im Vergnügungspark

Dass Räikkönen selbst zugab, dass es nicht seine Entscheidung war, Ferrari zu verlassen, war für den Teamchef keine Überraschung: "Was hattet ihr erwartet? Dass er euch erzählt, dass Homer Simpson die Entscheidung getroffen hat? Natürlich habe ich die Entscheidung getroffen, aber die Beziehung ist weiterhin gut mit Kimi und er versteht es. Wenn ich meinen Job ordentlich mache, informiere ich ihn nicht nur darüber, sondern erkläre ihm auch, wie es zu der Entscheidung gekommen ist. Er hat auch nicht versucht, meine Meinung zu ändern, er ist ein professioneller Rennfahrer."

Trotzdem fanden viele den Zeitpunkt nicht ideal. Räikkönen wurde in Monza darüber informiert, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. "Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt für so etwas", glaubt Arrivabene. "Aber wir reden von professionellen Rennfahrern und Kimi ist ein solcher. Kimi war offenbar so nervös und unglücklich, dass er am Samstag gleich auf Pole gefahren ist. Ich muss ihn wohl jedes Wochenende unglücklich machen. Aber Leute, wir sprechen von professionellen Rennfahrern und nicht von Kindern, die im Luna Park fahren!"


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