Formel 1

Formel 1, Spa 2018: Die heißesten Fragen nach der Sommerpause

Die Formel 1 meldet sich in Spa-Francorchamps mit Rennen 13 im WM-Kampf zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel zurück. Die Brennpunkte in Belgien.
von Florian Becker
Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Belgien GP: (07:21 Min.)

Die Formel 1 ist nach der Sommerpause zurück in Action. Beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps geht der spannende WM-Kampf zwischen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel in die zweite Halbzeit. Vettel verlor im entscheidenden Moment vor dem Break den Anschluss an Hamilton. Gelingt es dem Ferrari-Piloten zurückzuschlagen? Oder setzt Hamilton seine Serie fort und entwischt ihm endgültig? Die Brennpunkte beim 13. Saisonrennen in Spa.

Brennpunkt #1: Hat sich Vettel von seinem Niederschlag erholt?

Sebastian Vettel hatte alle Chancen, wie 2017 als WM-Führender in die Sommerpause zu gehen. Stattdessen gab er sein Match sozusagen in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit aus der Hand. Der Unfall in Hockenheim und die Enttäuschung in Budapest bedeuteten, dass Hamilton ihm in den letzten Minuten einen Rückstand aufdrückte. Vettel geht damit in der Position des Jägers in die ausstehenden neun Rennen.

Eine schwierige Situation, denn jeder noch so kleine Fehltritt könnte den vorzeitigen K.o. für Vettels WM-Traum bedeuten. 2017 gab er mit einem verhängnisvollen Fehler in Singapur das Momentum an Hamilton ab. In den darauffolgenden Rennen in Japan und Malaysia versetzte sich Ferrari mit technischen Problemen selbst den Todesstoß. Eine Wiederholung davon darf es keinesfalls geben.

Mit dem SF71H glaubt Vettel aber die richtige Waffe zu haben, um den Punkterückstand aus eigener Kraft aufzuholen: "Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass wir - falls wir das Auto haben, um kämpfen zu können - sie unter Druck setzen können und in der zweiten Hälfte Dinge geschehen lassen können."

Brennpunkt #2: Legt Hamilton die nächste Siegesserie hin?

Ein Hamilton in Bestform ist nur schwer aufzuhalten. Etwas, das der amtierende Weltmeister häufig genug bewiesen hat und sein ehemaliger Rivale Nico Rosberg nie müde wird zu betonen. Hamilton könnte mit seinen Siegen in den letzten beiden Rennen vor der Sommerpause wieder eine dieser Serien in Gang gesetzt haben.

2017 zumindest gewann Hamilton von den sieben Rennen nach der Pause fünf. Aus 14 Punkten Rückstand machte er auf diese Weise 66 Zähler Vorsprung. Ein Rennen später krönte er sich in Mexiko zum Weltmeister. Andererseits gelang Hamilton diese Serie nur, weil Vettel und Ferrari sich selbst aus dem Rennen nahmen. Und auch seine momentane WM-Führung wurde dadurch begünstigt.

"Wir hätten von der Position in der wir jetzt sind nur träumen können, wenn wir schauen wo wir bei der reinen Performance im Vergleich zu Ferrari stehen", so der WM-Leader nach seinem Sieg in Ungarn. Umso wichtiger ist für ihn seine WM-Führung: "Ich denke, dieser Boost wird eine lange Zeit anhalten, für das ganze Team."

Brennpunkt #3: Neue Hackordnung bei Red Bull?

Die Sommerpause hat uns zwei große Fahrermarkt-Knaller gebracht. Einer davon könnte sich auch auf der Strecke bemerkbar machen. Daniel Ricciardo wird nach der Bekanntgabe seines Wechsels zu Renault seine letzten Rennen für Red Bull bestreiten. Wird der Australier sich nun auch hierarchisch Max Verstappen unterordnen müssen? Oder darf er weiter kämpfen wie bisher?

Zwar hatte Red Bull Verständnis für Ricciardos Entscheidung geäußert, doch jetzt wo klar ist, dass er zum Gegner überläuft, könnte sich am Verhältnis zwischen Team und Fahrer durchaus etwas ändern. Verstappen jedenfalls dürfte von all dem völlig unbeeindruckt weiter sein eigenes Süppchen kochen. In Spa dann wieder vor vielen Landsmännern, die wie schon in Österreich und Deutschland für ihren Nationalhelden ins Ausland reisen werden.

Für den im belgischen Hasselt geborenen Verstappen war sein Quasi-Heimspiel in den Ardennen bisher aber nicht von Erfolg gekrönt. 2016 war er in eine Startkollision verwickelt, 2017 fiel er mit einem Defekt früh aus. Dieses Jahr kann es eigentlich nur besser laufen - vorausgesetzt, die Power Unit hält besser als zuletzt in Budapest.

Brennpunkt #4: Wer stoppt Renault?

Hinter den drei Top-Teams verspricht auch der Kampf zwischen Renault, Haas & Co. viel Spannung. Das französische Werksteam geht in der von Kevin Magnussen ausgerufenen B-Meisterschaft mit 16 Punkten Vorsprung auf Ferraris Kundenteam Haas in die zweite Saisonhälfte. Letztere scheinen das einzige Team zu sein, dass Renault noch aus eigener Kraft stoppen kann.

McLaren, die zu Saisonbeginn beachtlich lange den vierten Platz hielten, ist mit 30 Punkten Rückstand mittlerweile abgeschlagen. Force India, in den vergangenen beiden Jahren Best of the Rest, fehlen 23 Punkte. Haas ist aber nicht nur wegen seines Punktekontos der einzige Gegner für Renault. Der VF-18 ist auch das stärkste Auto im Mittelfeld - nur riefen die Piloten das Potential nicht häufig genug ab.

"Wir müssen die Punkte holen, die wir in der ersten Saisonhälfte verloren haben. Das ist unsere Mission", so Haas-Teamchef Günther Steiner. Auf dem Papier sollte sein Team auf einer Highspeed-Strecke wie Spa in jedem Fall die Oberhand über Renault haben. Fragt sich nur, ob Magnussen und Grosjean dies auch in ein Resultat verwandeln.

Brennpunkt #5: Achterbahnfahrt Spa-Francorchamps

Der Circuit de Spa-Francorchamps liefert seit jeher spektakuläre Rennen. Die Naturrennstrecke ist einerseits eine echte Challenge die längst nicht jeden Fehler verzeiht, andererseits lässt sie im Rennen auch Zweikämpfe zu und sorgt damit für ordentlich Action. Dem einen oder anderen Piloten gelang es schon, den speziellen Charakter des Kurses für eine Sensation zu nutzen.

Giancarlo Fisichellas Pole Position im Force India 2009 ist nur eine dieser Geschichten, die die Unberechenbarkeit von Spa erahnen lassen. Möglicherweise gelingt es auch 2018 einem der Underdogs, sich in Szene zu setzen. Und wenn es mit reiner Performance nicht möglich ist, gibt es immer noch das Wetter in den Ardennen. Mit einer Regenwahrscheinlichkeit von bis zu 70 Prozent am Rennsonntag könnte uns ein echtes Roulette ins Haus stehen.


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