Formel 1

Formel-1-Aus für Deutschland? Vettel wettert gegen Politik

Die Formel 1 könnte sich nach Hockenheim 2018 aus Deutschland verabschieden. Für Sebastian Vettel ein Unding. Harte Kritik an fehlender Hilfe für Ausrichter
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Formel-1-Boom in Deutschland! Ja, richtig gehört. Zumindest noch einmal zum möglichen, vorläufigen Abschluss einer großen F1-Geschichte. Ausverkauft ist das Rennen in Hockenheim 2018. Der Veranstalter errichtete wegen der großen Nachfrage sogar eine zusätzliche Tribüne.

Dennoch deutet Vieles nur auf ein letztes Aufbäumen hin, ehe sich die Formel 1 vielleicht länger aus Deutschland verabschiedet. Zumindest für 2019 sieht es ziemlich düster aus. Hockenheim hat bereits abgesagt, kann die F1 so kurzfristig jetzt in der kommenden Saison finanziell schon nicht mehr stemmen.

Formel-1-Antrittsgebühren überfordern Hockenheim und Nürburgring

Beim möglichen Kandidaten Nürburgring sieht nicht besser aus. Zu weit klaffen die Vorstellungen von F1-Rechteinhaber Liberty Media und den Veranstaltern auseinander. Die Antrittsgebühren sind für die Ausrichter schlicht zu hoch.

In anderen Ländern jedoch ist das kein Problem, teils liegen die Gebühren dort sogar immens höher, etwa bei prominenten Plätzen im Rennkalender wie Saisonstart (Australien) und Finale (Abu Dhabi). Der entscheidende Unterschied: In Deutschland fehlt jede Unterstützung durch öffentliche Gelder. Ein Faktum, das die Veranstalter in Eifel und am Hockenheimring schon seit Jahren immer wieder bedauern.

Sebastian Vettel kritisiert fehlende Hilfe vom Staat

Vor dem drohenden Exitus der Formel 1 in Deutschland schließt sich dem nun eine Stimme mit Gewicht an: Sebastian Vettel geht hart mit der fehlenden Unterstützung für den Deutschland GP ins Gericht. "Über die Bedeutung müssen wir nicht groß sprechen", schickt er erst kurz voran, schildert dann noch ausführlich und emotional seine eigenen Kindheitserinnerungen als Fan in Hockenheim.

Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Deutschland GP: (07:51 Min.)

Kurz zusammenfasst: "Die Vibrationen, die Geräusche, die Lautstärke, der Geruch. Das ist hängen geblieben", schwärmt Vettel. Heute ist davon wieder etwas zu spüren. Zumindest heute, 2018. "Die Tatsache, dass wir in der Formel 1 lange jemanden hatten, der in Rot gewonnen hat und auch aus Deutschland kommt, hilft auch, dass die Leute ihre Shirts nochmal auspacken", so Vettel über den in diesem Jahr so großen Andrang.

Vettel: Deutschland ist so nicht konkurrenzfähig

Doch in den Vorjahren sah es nicht nur mit dem üblichen Ärger um die Finanzen bitter aus, auch die Zuschauerzahlen waren nicht gerade prickelt. Ist Deutschland zu satt? Von eben jenen Erfolgen Michael Schumachers und auch Vettels? Das vermutete zuletzt etwa Toto Wolff. Oder gefällt den Deutschen der Sport nicht mehr? Ist vielleicht auch eine Nörgler-Mentalität schuld?

Vettel winkt ab, verteidigt seine Landsleute. Zumindest die Fans - nicht jedoch die Entscheider, sprich die Politik. "Es gibt immer Jahre, da ist es besser und andere wo es für die Mehrheit nicht so ist. Aber das ist Sport, das ist immer so. Die Mehrzahl der Rennen war aber gut dieses Jahr, denke ich. Ich glaube, der einzige Unterschied ist, dass andere Länder bereit sind, in die Tasche zu greifen, damit die Formel 1 kommt und das Land so repräsentiert ist", stellt Vettel klar. "Das ist in Deutschland ist das schon länger nicht mehr der Fall. Das ist schade. Und in der Hinsicht sind wir dann nicht mehr konkurrenzfähig."

Vettel: Deutschland gerade als Autonation in der Pflicht

Was Vettel besonders stört: "Gerade als Autonation, als Land, das so sehr von der Automobilindustrie profitiert. Da wäre es schade, wenn der GP in Deutschland, der so viel Geschichte und auch Bedeutung hat, wegfallen würde." Hier sei die Politik gefordert, ergänzt Vettel, der Ausrichter allein habe in der heutigen Zeit keine Chance.

Vettel: Veranstalter ist das arme Schwein

Vettel legt los: "Der Veranstalter ist zum Schluss glaube ich das arme Schwein, der noch versucht, das Ganze über Wasser zu halten und zu retten. Wie gesagt: Es fehlt einfach die Hilfe vom Land und Staat wie es in anderen Ländern Gang und Gäbe ist. Ich kenne die Leute hier um die Strecke herum ja sehr gut und schon länger. Die reißen sich mehr als nur einen Arm und ein Bein aus, damit das Rennen hierherkommt und es irgendwie möglich ist. Es ist unfassbar schwierig. aber es ist nicht tragbar, es so weiterzuführen. Das muss man leider so sagen. Es wäre ein unfassbarer Verlust für Deutschland. Als Autoland. Und für die Fans."

Lewis Hamilton: Entscheider müssen mal aufwachen

Alleine steht Vettel mit seiner Schelte dabei nicht. Oft geteilter Meinung, sind der Deutsche und Erzrivale Lewis Hamilton in Sachen Tradition in der Formel 1 mal ganz klar einer Meinung. "Ich verstehe ja die Gründe, dass wir an neue Orte müssen, aber ich denke, dass es wirklich, wirklich wichtig ist, dass du niemals den Ursprung der F1 verlierst. Da gehört eine Strecke wie dieser oder der britische GP zu, wo du die meisten Fans hast und eine klasse Atmosphäre"

Formel 1 2018: Brachialer Sound in Hockenheim (Deutschland GP): (07:47 Min.)

Hamilton weiter: "Diese Rennen darfst du nicht verlieren, sie gehören zum Erbe. Ich verstehe einfach nicht, warum der Deutschland GP immer drin ist und wieder raus, weil es der Wirtschaft so gut geht und sie auch so viele großartige Strecken in Deutschland haben." Das müssten die Entscheider alles endlich mal realisieren, fordert der Weltmeister.

Hülkenberg: Finanzen Knackpunkt, nicht F1-Müdigkeit der Fans

Auch der zweite verbliebene Deutsche im F1-Grid, Nico Hülkenberg, legt den Finger in die Wunde der Politik. Gute Wirtschaft, vor allem dank starker Automobilbranche, aber dann kein Support für Rennsport? Geht auch für den Emmericher gar nicht. "Es wäre natürlich extrem schade wenn man sieht was für eine große Autonation Deutschland ist. Aber das hat kommerzielle Gründe. Deutschland hat aber so eine große Geschichte im Rennsport, besonders der Formel 1."

Ein wenig zieht Hülkenberg jedoch aus der Argument einer gewissen Sättigung heran. "Vielleicht ist die Nation etwas satt oder des Racings müde. Ich weiß es nicht. Wir waren in den letzten Dekaden immer dabei, mit Michael, mit Mercedes, mit Seb und Nico. Ich weiß nicht, ob das eine Rolle spielt", so Hülkenberg. "Aber am Ende spielen doch die kommerziellen Dinge die größte Rolle."

Formel 1 2018: Hülkenberg und Vettel heiß auf Deutschland GP: (2:56 Min.)


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