Formel 1

Formel 1: Rambo-Move kostet Gasly Punkt, Perez froh: war unfair

Pierre Gasly verliert in Silverstone am grünen Tisch einen WM-Punkt für Toro Rosso. Schuld ist ein Unfall mit Sergio Perez. Der freut sich diebisch.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - "Ich bin super happy, wieder in den Punkten zurück zu sein! Wir hätten nie erwartet, in den Top-10 anzukommen, da wir das ganze Wochenende mit Problemen und der Performance zu kämpfen hatten." Mit diesen Worten resümierte Toro-Rosso-Pilot Pierre Gasly nach Rennende in der offiziellen Presseaussendung des Teams seinen zehnten Platz, einen WM-Punkt, beim Großbritannien GP.

Doch wenig später steht fest: zu früh gefreut. Die Stewards drückten dem jungen Franzosen eine nachträgliche Zeitstrafe von fünf Sekunden und zwei Strafpunkte aufs Auge. Damit fällt Gasly nicht nur aus den Punkten, sondern im Ergebnis auch noch hinter Stoffel Vandoorne und Lance Stroll zurück. Den Punkt erbt stattdessen Sergio Perez. Genau der war auch der Grund für die Sanktion gegen Gasly gewesen.

Gasly mit der Brechstange gegen Perez

Kurz vor Rennende hatte Gasly nämlich noch versucht, den Force India innen in Kurve 16 zu überholen. Dabei berührten sich die Boliden leicht, Perez geriet mehr ins Straucheln, sodass Gasly in der darauffolgenden Rechtskurve hinaus auf Start/Ziel besser beschleunigte und das Überholmanöver komplettierte.

Für die Stewards des Guten zu viel - wobei sie Gaslys ersten Angriff durchaus noch goutierten. Im Wortlaut: "Gaslys Manöver war grundsätzlich vernünftig. Er hat ein gutes Überholmanöver versucht und Perez hat ihm genug Raum gelassen. Dennoch hat Gasly am Scheitelpunkt von Kurve 16 den Wurstkerb berührt, weshalb er mit Perez kollidiert ist. In der Folge ist Perez auf der linken Seite von der Strecke gezwungen worden, was seine Racing-Möglichkeiten durch die Kurven 17 und 18 beeinträchtigt hat und Gasly Perez überholen konnte. Deshalb entscheiden die Stewards, dass Gasly vordergründig verantwortlich ist. Die Kollision war leicht, hat aber direkt zu dem Überholmanöver geführt. Deshalb rufen die Stewards fünf Sekunden Strafe auf."

Gasly glaubte nicht an Strafe: Dann machst du das Racing fad

Für Gasly sicherlich ein Schock. Als er noch vor dem Urteil der Presse gegenübersteht geht der Franzose nämlich alles andere als von einer Strafe aus. Vielmehr feiert er das Manöver. "Ich hatte gegen Rennende einen harten Kampf mit Sergio. Ich habe in der letzten Schikane eine Chance gesehen. Es war echt eng und wir haben uns ein klein Wenig berührt, aber ich habe es geschafft, den Move zu setzen", so der Franzose.

"Das ist eben Racing und was ich am Racing liebe. Enge Kämpfe. Ich denke nicht, dass es eine große Sache war. Wir haben uns etwas berührt, sind aber beide auf der Strecke geblieben. Für mich war es ein schöner Kampf, ich habe ihn genossen. Wenn du sowas bestrafst, dann machst du das Racing langweilig."

Perez jubelt: Gut, dass die FIA eingegriffen hat

Genau wegen dieses Vorwurfs lobte den Stewards in der Einleitung ihres Urteils sicherlich auch das grundsätzliche Vorhaben des Toro-Rosso-Fahrers. Ganz und gar nicht damit einverstanden, umso mehr aber mit der Strafe, ist dagegen Sergio Perez: "Zwei Runden vor Schluss hat mich Gasly einfach von der Strecke gedrückt. Ich gab ihm genug Platz, aber das war nicht genug. Wir haben uns trotzdem berührt und ich habe den Platz verloren. Ich denke, dass das ein unfaires Manöver war! Ich freue mich, dass die FIA eingegriffen hat, Gasly bestraft hat und mir meinen letzten Punkt zurückgegeben hat."

Klartext also, nicht nur im Interview, sondern so auch zitiert im Force-India-PR, das offenbar besser getimed war als jenes Toro Rossos. Dort setzten sich die im Rückblick etwas unstimmigen Aussagen nämlich weiter fort bzw. widersprechen sich im Fall des Gasly-Teamkollegen beinahe.

Pechvogel Brendon Hartley mit nächsten Defekt früh out

Brendon Hartley hatte seinen STR13 nach Start aus der Boxengasse wegen Chassiswechsels nach dem Unfall im dritten Training am Samstag bereits nach einer Runde wieder abstellen müssen. Der Grund laut Hartley: "Ein weiteres technisches Problem noch bevor wir das Rennen überhaupt starten konnten."

Laut Teamchef Franz Tost: "Während der Aufwärmrunden haben wir ein Problem an seinem Auto festgestellt, das wir nicht völlig identifizieren konnten, sodass wir versucht haben, es zu beheben." Das erklärt, warum Hartley auch kurz vor dem Start noch ohne Helm neben dem Auto stand. Doch weiß inzwischen doch jemand, was genau los war: Honda.

"In den Sichtungsrunden vor dem Rennen konnten wir sehen, dass etwas an Hartleys Auto nicht passte. Wir haben versucht, es zu beheben und haben ihn herausgeschickt, aber es war klar, dass es noch immer ein Problem gab, sodass wir ihn aus dem Rennen nehmen mussten. Wir sehen einen losen Connector an der Power Unit als verantwortlich dafür", berichtet Honda-Technikchef Toyoharu Tanabe. Klarheit herrscht also doch. Inzwischen übrigens auch bezüglich des kuriosen Aufhängungsbruchs am Samstag. "Wir nehmen an, dass der untere Querlenker gebrochen ist", so Tost. Nur, warum das wieder genau geschah, weiß man dann auch wieder noch nicht.


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter