Formel 1

Formel 1 kein Mario Kart: Vettel & Räikkönen gegen Triple-DRS

Beim Österreich GP in Spielberg gibt es zum dritten Mal in der F1-Saison 2018 drei DRS-Zonen. Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen & Co wundern sich sehr.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - DRS-Overkill auf dem Red Bull Ring. Zum dritten Mal in der Formel-1-Saison 2018 gibt es auch beim Österreich GP in Spielberg wieder drei DRS-Zonen, in denen der Heckflügel aufgeklappt werden darf. Bei nur 4,3 Kilometern Streckenlänge führt das in Spielberg dazu, dass beinahe die halbe Strecke der Flügel für weniger Luftwiderstand, also mehr Topspeed geöffnet werden darf.

Bereits in Kanada hatten die Formel 1 mit diesem Schritt überrascht, jetzt ist die Verblüffung jedoch noch größer. Auch unter den Fahrern. Doch nicht nur die Verblüffung, sondern auch die Kritik. "Auf den ersten Blick war ich etwas skeptisch. Denn das sind schon echt viele DRS-Zonen für die Geraden", wundert sich etwa Haas-Pilot Romain Grosjean. "Die halbe Strecke ist DRS, das sollte es ziemlich leicht machen, zu überholen", meint Ferrari-Star Kimi Räikkönen.

Kimi Räikkönen: Irgendwann ist es zu künstlich

"Vielleicht macht es das schon zu einfach, wir werden sehen. Wir wollen Überholen sehen, aber es ist etwas sinnlos, wenn der Punkt erreicht ist, dass es künstlich ist", mahnt der Routinier. Daniel Ricciardo stimmt zu: "Es sollte in Ordnung sein. Es sei denn - wie Kimi schon erwähnt hat -, es ist wirklich leicht. Dann könnte es uns etwas wegnehmen." Räikkönen-Teamkollege Sebastian Vettel stimmt vollkommen zu. "Wir haben ein Rennen, das langweilig ist, dann ist alles ein Desaster. Dann haben wir ein aufregendes Rennen und schon ist die Formel 1 wieder großartig und gesund und war noch nie so gut", lamentiert der Ferrari-Pilot.

Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Österreich GP: (06:33 Min.)

"Ich weiß aber nicht, ob es eine Lösung ist, DRS-Zonen zu machen. Vielleicht gibt es viele Leute, die Mario Kart mögen, ich auch, ich hab das gespielt als ich jünger war, aber es sollte nicht künstlich werden. Mal sehen, wie es wird, sicherlich wird es beim Überholen helfen. Aber wenn man einfach nur vorbeifährt, dann ist es auch nicht spannend. Besser, wenn das Auto dahinter Druck macht als einfach nur vorbeifährt", erklärt der WM-Zweite der Formel 1.

Wie viel DRS muss sein?

Diesen Punkt spricht auch Grosjean an. "Wir müssen abwarten, was im Rennen passiert. Frankreich war ja auch nicht so langweilig, auch weil ein paar Top-Autos am Anfang die Zwischenfälle hatten und durchs Feld mussten", beschreibt der Franzose die insgesamt aber unspektakulären Manöver durch Vettel und Valtteri Bottas. Groß wehren wollte sich im Mittelfeld niemand gegen den Ferrari und Mercedes. Das hätte nur Zeit gekostet und wäre am Ende ohnehin sinnlos.

"Aber auch so gab es Überholmanöver", schiebt Grosjean jedoch nach. Auch so - ohne gleich drei DRS-Zonen und noch dazu auf einer wesentlich überholfeindlicheren Strecke als es der Red Bull Ring in Spielberg am kommenden Formel-1-Wochenende jetzt ist.

Hamilton verteidigt F1: Während Saison geht ja nichts Größeres

Auch Lewis Hamilton lässt durchblicken, dass mehr DRS nicht die Ideallösung ist. "Ich denke, dass kommt nur, weil die Rennen nicht spannend genug waren …", so der Brite. "Du kannst ja während der Saison nichts Größeres verändern." Tatsächlich richtig. Selbst die Aero-Änderungen für 2019 waren jüngst eine extrem schwere Geburt.

"Das ist jetzt eben die Idee, alternativ etwas zu versuchen und könnte ich auch funktionieren. Die allereinfachste Strecke zum Überholen ist es nicht. Vielleicht macht es das interessant", äußert Hamilton zumindest sein Verständnis für den eingeschlagenen Weg. Zunächst spekulierte Hamilton sogar darauf, dass dank Triple-DRS erstmals Rundenzeiten von unter einer Minute auf dem Red Bull Ring erzielt werden können.

"Das DRS bringt schon einmal eine halbe Sekunde", erklärt Hamilton. "Und die Autos sind dieses Jahr eineinhalb bis zwei Sekunden schneller, also könnte es aufgehen", rechnet der Weltmeister vor. Doch ging er dabei von einer falschen Referenz aus. Hamilton war vor seinem Rechenspiel ein falscher Streckenrekord von 1:02 Minuten genannt worden. Tatsächlich liegt er bei 1:04.251 Minuten - Valtteri Bottas' Pole-Zeit aus dem Vorjahr.

Entsprechend fällt - auf richtiger Basis - Daniel Ricciardo das realistischere Urteil: "Nein. Das scheint optimistisch. Vielleicht wenn wir den Hypersoft hätten. Das DRS bringt uns etwas, aber ich denke, um mehr als zwei Sekunden auf so einer kurzen Runde zu finden, braucht es schon etwas mehr."


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter