Formel 1

Formel 1, Frankreich: Hülkenbergs kuriose Simulator-Irrfahrt

Der Circuit Paul Ricard in Le Castellet stellt die Piloten vor ungeahnte Herausforderungen. Renault-Pilot Nico Hülkenberg erlebte virtuelle Geisterfahrt.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Der Austragungsort für den Grand Prix von Frankreich 2018 in der Formel 1 ist bei vielen Fahrern, Experten und Fans umstritten. Seit jeher ist der Circuit Paul Ricard in Le Castellet als langweilige Parkplatz-Rennstrecke verrufen und wird für seine geräumigen Auslaufzonen kritisiert. Doch ist der Kurs wirklich so schlecht wie sein Ruf? Nico Hülkenberg und Carlos Sainz brechen beim Heimrennen ihrer Renault-Truppe eine Lanze für Le Castellet.

"Die Strecke hat sich nicht so sehr verändert, seit ich hier 2015 mit Porsche für Le Mans getestet habe. Das Layout ist dasselbe", so Nico Hülkenberg, der wie ein Großteil der Piloten den Kurs aus anderen Rennserien kennt. Seine Vorbereitungen im Simulator verliefen jedoch trotz Streckenkenntnis knifflig, denn die Orientierung auf dem sehr flachen Circuit Paul Ricard ist selbst für die Profis beim ersten Mal kein Kinderspiel.

"Es geht darum die richtigen Kurven zu treffen und nicht auf dem falschen Layout zu landen", erklärt Hülkenberg, der bei seinen ersten Versuchen in der virtuellen Welt erstmal auf dem Holzweg war. "Im Simulator bin ich am Montag ein paar Mal die falsche Schikane gefahren. Du sitzt so tief und die Kurven sind blind, sodass du sie erst spät siehst. Da ist so viel Asphalt", so der Emmericher, für den diese Erfahrung aber nichts gänzlich Neues war.

Hülkenberg steht auf Le Castellet: Magny-Cours reizt mich nicht mehr

"Das kann am Anfang schon mal sein, dass du zögerst und denkst: Bin ich jetzt hier richtig?", erklärt er weiter und fügt mit einem Schmunzeln an: "Das ist wie eine große Kreuzung wo es viele verschiedene Möglichkeiten gibt und du dann die richtige nehmen musst." Am Trainingsfreitag besteht aber offenbar keine Geisterfahrergefahr.

"Das ist schon in Ordnung, es war nur in den ersten Runden", sagt er gegenüber Motorsport-Magazin.com. Bei seinem Trackwalk fand er am Donnerstag bereits den richtigen Weg: "Ich bin auf dem Fahrrad um die Strecke gefahren." Und Orientierungsprobleme hin oder her, für ihn ist der Kurs in Le Castellet längst nicht so lahm wie sein Image.

"Es ist schon eine technische Strecke. Man braucht ein bisschen Zeit um sich richtig einzugrooven und verschiedene Linien auszuprobieren. Die Strecke fordert einen mehr als es auf dem Papier scheint", so Hülkenberg, der mit der Auswahl Paul Ricards für das Comeback des Frankreich GP mehr als einverstanden ist: "Magny-Cours reizt mich nicht mehr." Reizend findet Le Castellet dafür auch Renault-Teamkollege Carlos Sainz.

Das Formel-1-Layout des Circuit Paul Ricard für den Frankreich GP 2018 - Foto: Grand Prix de France

Tracklimits in Frankreich wohl kein Problem

"Ich mag das Layout. Es hat schwierige Kurven und Bremspunkte", so der Spanier im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com. Er kennt den Kurs bereits aus seinen Jahren in der Renault World Series. Trotz seiner positiven Kritik kann er ihm eine gewisse Eigenart nicht absprechen: "Es mutet durch die ganzen blauen Linien anders an, dadurch scheint es nicht wie ein normaler Kurs und es fehlt auch das Gefühl des Risikos."

Angesichts des fehlerverzeihenden Charakters glaubt er außerdem, dass der Fahrer an diesem neuen Austragungsort kaum einen entscheidenden Unterschied machen kann: "Ohne das Risiko für einen Fehler bestraft zu werden wird es mehr darum gehen, wer die Sektoren am besten zusammenbekommt und die Reifen versteht, als dass der Fahrer einen Unterschied machen kann." Einhergehend mit den Auslaufzonen kommt außerdem schon vor dem Start ins Wochenende die Frage nach Track Limits auf.

Hülkenberg glaubt allerdings nicht, dass es am Rennwochenende ein Streitpunkt wird. "Die Kerbs hier sind recht aggressiv", so seine Begründung. "Ich glaube nicht, dass wir da mit unseren Autos richtig drüberfahren können. Von daher glaube ich nicht, dass es zum Problem wird." Ein Problem könnte dafür wieder einmal das Überholen werden - und das, obwohl Le Castellet auf dem Papier eigentlich viel Action verspricht.

Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem Frankreich GP: (07:30 Min.)

Renault-Piloten erwarten Probleme beim Überholen

Im Vergleich zu den zuletzt etwas ereignislosen Rennen in Monaco und Montreal bietet die Strecke in Frankreich eine breite Asphaltoberfläche und einige Geradeausstücke. Hülkenberg erwartet dennoch Schwierigkeiten. "Ich denke, zum Überholen ist es ein schwieriger Kurs", widerspricht er. "Ich erwarte, dass er zu den Reifen sehr hart ist." Auch Sainz macht es wie üblich von Pirelli abhängig.

"Dieses Jahr ist das Überholen sehr schwierig. Ich denke, nur in China und Bahrain als es zwischen einem und zwei Stopps variierte haben wir Manöver gesehen", so der Madrilene. "Wenn das hier wieder der Fall ist, würde ich Überholmanöver erwarten. Aber wenn es ein Einstopper wird, denke ich, dass es wie in den vergangenen Rennen eher mau ausfällt." Einige der Puristen könnten sich dadurch in ihrer Kritik bestätigt fühlen.

Topspeed-Rekorde auf der Mistral? Laut Hülkenberg keine Chance

Sie bemängeln, dass die ehemals für ihre 1,8 Kilometer lange berüchtigte Mistral-Gerade wie schon zwischen 1986 und 1990 durch eine Schikane unterbrochen ist. Hülkenberg hingegen begrüßt die Passage. "Sonst wäre es einfach nur ewig lange geradeaus gegangen", so der Emmericher, der das erste Teilstück außerdem als ausreichend empfindet: "Die Gerade zur Schikane ist schon sehr lang. Die Schikane ist an der Stelle nicht verkehrt."

Zudem würden neue Topspeed-Rekorde wie in den 1980ern, die sich viele wohl herbeigesehnt haben, auch auf der kompletten Mistral-Gerade wohl ausbleiben, wie Hülkenberg weiter erklärt: "Bei dem Abtrieb den wir fahren sind auch ohne Schikane vielleicht 330 km/h das höchste der Gefühle."


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