Formel 1

Formel-1-Geschichte, Frankreich: Von Le Mans bis Le Castellet

Die Formel 1 feiert mit dem Rennen in Le Castellet ihre Rückkehr in die Heimat des Grand Prix. Rückblick auf die bewegte Geschichte der F1 in Frankreich.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Vive la France! Die Formel 1 kehrt 2018 nach zehnjähriger Abstinenz in die Grande Nation und damit zur Wiege des Grand Prix zurück. Im Jahr 1906 wurde mit dem ersten Großen Preis von Frankreich in Le Mans die Tradition begründet, welche den F1-Rennen noch heute ihr Prestige in Form dieses klangvollen Titels verleiht. 112 Jahre später heißt der Austragungsort Le Castellet. Wir blicken zurück auf die bewegte Geschichte des Frankreich GP in der seit 1950 ausgetragenen Formel 1 Weltmeisterschaft.

Circuit de Reims-Gueux

Reims war der erste Austragungsort für den Frankreich GP in der Formel 1 - Foto: Daimler

Das erste Gastspiel der Formel 1 fand gleich im Gründungsjahr der Königsklasse statt. In Reims wurde am 2. Juli 1950 das vorletzte Saisonrennen ausgetragen. Der 7,815 Kilometer lange im Westen der Champagne gelegene Circuit de Reims-Gueux hatte in nahezu unveränderter Form bereits in den Vorkriegsjahren zwischen 1932 und 1939 sowie in den Nachkriegsjahren 1948 und 1949 einen Grand Prix beheimatet. Der Sieger bei der Erstauflage 1950 hieß Juan Manuel Fangio.

Der Argentinier fuhr im Alfa Romeo vor Teamkollege Nino Farina zum Sieg. Reims sollte bis ins Jahr 1966 noch zehn weitere Male die schnellste Rennserie der Welt auf seinen Straßen empfangen. Fangio gewann insgesamt drei Rennen und wurde so zum erfolgreichsten Fahrer auf der Rennstrecke. Mit Mike Hawthorn, Peter Collins, Jack Brabham und Jim Clark trugen sich noch einige weitere legendäre Namen in die Siegerlisten von Reims ein.

Rouen-Les-Essarts

Die Formel 1 trug den Frankreich GP fünf Mal in Rouen aus - Foto: Sutton

Im Jahr 1952 ging die Formel 1 Reims das erste Mal fremd, um den Grand Prix in Rouen auszutragen. Die 5,097 Kilometer lange Rennstrecke in der Normandie galt als einer der fortschrittlichsten Kurse seiner Zeit. Im Gegensatz zu Reims verfügte Rouen-Les-Essarts, so der offizielle Name, über moderne Boxenanlagen, ein verhältnismäßig breites Asphaltband und Zuschauertribünen - obwohl auch er auf öffentlichen Straßen verlief.

Für 1956 wurde das Layout auf 6,542 Kilometer und die damit bekannteste Variante ausgebaut. Insgesamt gastierte die Formel 1 bis 1968 fünf Mal in Rouen. Fangio war 1957 mit Maserati auch hier siegreich. Der erfolgreichste Pilot war mit zwei Siegen der US-Amerikaner Dan Gurney. Alberto Ascari und Jackie Ickx triumphierten je ein Mal. Im letzten Rennen kam es 1968 allerdings auch zu einer Tragödie, als Jo Schlesser in der berüchtigten Passage Six Frères tödlich verunglückte.

Circuit de Charade, Clermont-Ferrand

Clermont-Ferrand galt unter den F1-Piloten als einer der anspruchsvollsten Kurse seiner Zeit - Foto: Sutton

In der Saison 1965 wurde der Grand Prix von Frankreich erstmals in Clermont-Ferrand ausgetragen. Die 8,055 Kilometer lange Achterbahn in der Region Auvergne-Rhône-Alpes war gleichermaßen spektakulär wie anspruchsvoll. Unter den Piloten war sie gefürchtet. Noch fordernder als die Nordschleife soll sie gewesen sein. Vier Mal fuhr die Formel 1 auf dem Circuit de Charade getauften Kurs. Chris Amons Schnitt von 167,231 km/h im Qualifying der letzten Austragung 1972 unterstrich seinen schnellen Charakter.

In seinen Siegerlisten findet sich nur die Crème de la Crème der 60er und 70er Jahre wieder: Zweimal triumphierte Jackie Stewart, je einen Sieg feierten Jim Clark und Jochen Rindt. Clermont-Ferrand hat jedoch auch seinen Platz auf der dunklen Seite der Geschichtsbücher. 1972 kam es zu einem verheerenden Zwischenfall, als ein von Ronnie Peterson aufgewirbelter Stein das Visier von BRM-Pilot Helmut Marko durchschlug, der dadurch sein linkes Augen verlor.

Circuit Paul Ricard, Le Castellet

Der Circuit Paul Ricard setzte in den 1970er Jahren neue Maßstäbe - Foto: Sutton

Ausufernde Geschwindigkeiten seit der Einführung der Aerodynamik sorgten dafür, dass Kurse wie die Nordschleife oder Charade zunehmend in die Kritik gerieten. In Frankreich wurde darauf reagiert, indem der Grand Prix 1971 nach Le Castellet auswich. Die im April 1970 in der Provence eröffnete permanente Rennstrecke mit dem Namen Circuit Paul Ricard setzte mit seinem Layout neue Maßstäbe im Streckendesign. Sie gilt als einer der Vorreiter des modernen GP-Kurses.

Das ursprüngliche 5,810 Kilometer lange Layout war durch die 1,8 Kilometer lange Mistral-Gerade sowie die darauffolgende ultraschnelle Signes-Kurve berüchtigt. Bis 1990 wurden 14 Grands Prix in Le Castellet ausgetragen. Erfolgreichster Pilot ist mit vier Siegen Alain Prost. Ebenfalls siegreich waren Größen wie Jackie Stewart, Niki Lauda oder Nigel Mansell. Der tödliche Unfall von Elio de Angelis bei Testfahrten 1986 sorgte für die schwärzeste Stunde der Strecke.

Circuit de Dijon-Prenois

Ferrari-Legende Gilles Villleneuve lieferte sich 1979 mit Renault-Pilot René Arnoux ein unvergessenes Duell - Foto: Sutton

In derselben Ära wie Le Castellet fand auch der Circuit de Dijon-Prenois seinen Weg in die Formel 1. 1967 geplant, wurde der Kurs auch dank der Unterstützung der Piloten Jean-Pierre Beltoise und François Cevert im Jahr 1972 eröffnet. Zwei Jahre später fuhr die Königsklasse den ersten von insgesamt fünf Grands Prix in Dijon. Kein Pilot gewann hier mehr als ein Mal. Mit Niki Lauda, Alain Prost, Mario Andretti und Ronnie Peterson verfügt allerdings auch Dijon über eine äußerst klangvolle Hall of Fame.

Seinen denkwürdigsten Moment erlebte Dijon 1979. Während Jean-Pierre Jabouille Renaults ersten Sieg in der Formel 1 ausgerechnet auf heimischem Boden eroberte, lieferte sich Ferrari-Pilot Gilles Villeneuve mit Jabouilles Teamkollege René Arnoux ein episches Rad-an-Rad-Duell um den zweiten Platz. Der Kampf, welchen Villeneuve hauchdünn für sich entschied, trug maßgeblich zum Kult um den Kanadier unter den Tifosi bei. Ihren letzten GP in Dijon trug die Formel 1 im Jahr 1984 aus.

Circuit de Nevers Magny-Cours

Magny Cours beheimatete mit 18 Austragungen die meisten französischen Grands Prix in der Formel 1 - Foto: Sutton

Nach Le Castellet und Dijon ging Frankreich mit dem Circuit de Nevers Magny-Cours den nächsten Schritt. Die 4,411 Kilometer lange Rennstrecke galt als einer der ersten Retortenkurse der Geschichte, denn die Architekten bedienten sich für die Gestaltung des Layouts bei bereits existierenden Rennstrecken wie Estoril, Imola oder dem Nürburgring - und benannten die Passagen dementsprechend. 1989 erbaut, fuhr die Formel 1 von 1991 bis 2008 ununterbrochen in Magny-Cours. Legendär wurde der Austragungsort vor allem durch die Erfolge Michael Schumachers.

Nicht nur, dass der Rekordweltmeister mit acht Siegen den Rekord für die meisten Triumphe eines Fahrers auf einer Strecke aufstellte. 2002 gewann er beim elften Rennen der Saison vorzeitig den Titel, was eine bis heute unerreichte Marke darstellt. Neben Schumacher waren auch Alain Prost, Damon Hill und Fernando Alonso erfolgreich. Außerdem sorgte Heinz-Harald Frentzen 1999 mit seinem Überraschungssieg im Jordan für Aufsehen. Auch Ralf Schumacher gewann im BMW Williams 2003 in Magny-Cours.

Circuit Bugatti, Le Mans

Die Formel 1 hatte 1967 ein einmaliges Gastspiel auf dem Circuit Bugatti in Le Mans - Foto: Sutton

Allgemein weniger bekannt ist, dass die Formel 1 für den Frankreich GP auch in Le Mans gastierte. Im zweiten Jahr der bis heute legendären 3-Liter-Formel fuhren sie 1967 an einem der sagenumwobensten Orte der Motorsport-Historie. Dabei wurde jedoch nicht auf die von den 24 Stunden von Le Mans bekannte und über 13 Kilometer lange Streckenvariante zurückgegriffen.

Stattdessen wurde der 1965 eröffnete Circuit Bugatti genutzt. Graham Hill sicherte sich im Lotus die Pole Position auf dem 4,442 Kilometer langen Layout. Der Sieg ging an Jack Brabham, der mit seiner Eigenentwicklung vor Teamkollege Danny Hulme ins Ziel kam. Der Grand Prix vor 51 Jahren ist bis heute der einzige Auftritt der Formel 1 in Le Mans.


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