Formel 1

Formel 1: Grosjean-Crash bestraft, Haas tobt: Tritt ins Gesicht

Romain Grosjean erhält für den Startunfall mit Nico Hülkenberg und Pierre Gasly in Barcelona eine Strafe. Warum die Stewards Grosjeans Meinung nicht teilen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Stewards haben Haas-Pilot Romain Grosjean für das Verursachen des Startunfalls mit Nico Hülkenberg und Pierre Gasly beim Spanien GP der Formel 1 in Barcelona bestraft. Der Franzose kassiert zwei Strafpunkte auf seine Superlizenz und wird noch dazu beim kommenden Monaco GP um drei Plätze in der Startaufstellung strafversetzt.

Nach einer ausführlichen Anhörung des Franzosen um 17.30 Uhr nach Rennende kamen die Verantwortlichen um Tim Mayer, Andrew Mallalieu, Derek Warwick und David Domingo zu dem Schluss, dass die Reaktion Grosjeans auf seinen Kontrollverlust in Kurve drei falsch war.

Stewards widersprechen Grosjean-Argumentation

Grosjean hatte argumentiert, ganz bewusst nicht gebremst zu haben. Das hätte einerseits sowieso nicht unbedingt etwas an seiner Rutschrichtung geändert, andererseits sei er lieber auf dem Gas geblieben, um das Auto zu drehen und nicht entgegen der Fahrtrichtung zu stehen. Das sei eine menschliche Reaktion, so der Franzose. Da das Auto sich ohnehin nach vorne bewegt habe, habe er lieber versuchen wollen, die Strecke zu überqueren, sich auf die andere Seite zu retten.

Dazu stellten die Stewards jedoch fest: "Während es Spekulation ist, wo das Auto des Fahrers angekommen wäre, hätte er andere Alternativen gewählt, ist es sicher, dass es zur Kollision kam, als er die Strecke vor dem folgen Paket von Autos überquert hat, wozu er sich entschlossen hat. Weiter, nach Auswertung der Video-Aufnahmen, befinden die Stewards, dass das Auto schon der Linie auf der linken Seite der Strecke folgte und so gut wie von der Strecke herunter war, als er die Entscheidung traf, sie wieder zu überqueren. Deshalb entschieden die Stewards, den Fahrer zu bestrafen."

Charlie Whiting: Das war unklug

FIA-Rennleiter Charlie Whiting sieht es ähnlich. "Ich denke, er hätte da einen viel besseren Job machen können. Er hat sich gedreht und es ist sehr ungewöhnlich zu sehen, dass ein Auto so die Hinterräder durchdrehen lässt - in der ersten Runde des Rennens und wenn da noch zehn Autos kommen. Ich denke, das war unklug", so Whiting.

Nachdem schon Nico Hülkenberg direkt nach dem Vorfall Romain Grosjean als Fliegenfänger bezeichnet hatte, ihm zudem eine Verkehrssicherheitstraining verordnen wollte, hat sich inzwischen auch das zweite Grosjean-Opfer gemeldet. Pierre Gasly. Der Franzose geht mit seinem Landsmann weniger scharf ins Gericht, kritisiert dennoch deutlich: "Es hätte bremsen können, sodass es hätte anders ausgehen können."

Haas-Teamchef an Grosjean-Kritiker: Er ist ein leichtes Opfer

Durch die beiden Strafpunkte erhöht sich Grosjean Kontostand auf insgesamt fünf. Hat ein Fahrer zwölf Punkte gesammelt, erfolgt eine Rennsperre. "Wir sind mit den beiden da ziemlich gut. Wir haben die Führung übernommen! Wir sind die Führenden in verlorenen WM-Punkten und Strafpunkten. Wir sollte bei der FIA-Zeremonie da am Ende des Jahres einen besonderen Preis für bekommen", übt sich Haas-Teamchef Günther Steiner mit Blick auf seine Fahrer nur noch in Humor.

Allerdings sieht der Tiroler den Angelegenheit um Grosjean natürlich anders. "Er wollte aus dem Weg fahren. Das war seine Erklärung. So die Strecke zu überqueren. Er war ja gedreht. Er sagt, er musste die Entscheidung treffen. Wir wissen nicht, was sonst passiert wäre. Vielleicht hätte er dann fünf erwischt. Das ist mein Punkt", dreht Steiner die Argumentation der Stewards zum Thema Spekulation um.

Steiner: Als würden man jemandem auf den Knien ins Gesicht treten

Klar sehe es nicht gut aus, mitten auf der Strecke zu beschleungigen. Doch es gehe um Millisekunden, in denen Grosjean habe handeln müssen. "Du kannst es nicht wissen. Wenn du zurück in die Mitte kommst, ist es nie gut. Du weiß nicht, was besser ist. Er hat nichts Dummes am Start gemacht, spät gebremst oder so etwas. Es tut mir leid für sie, dass sie raus sind. Aber er hat kein Überholmanöver gemacht und ist dabei in sie reingefahren. Das spricht für ihn. Sein Ansehen ist gerade nicht das größte, deshalb ist er ein leichtes Ziel", kritisiert Steiner die scharfen Worte der Unfallgegner Grosjeans.

Trotz des neuerlichen Vorfalls glaubt Steiner zudem unbeirrt an die Qualitäten seines Fahrers. "Er wird es schon rumreißen. Denn ich weiß, dass er liefern kann. Er hat das gezeigt. Aber jetzt hat er erstmal drei Plätze Strafe für Monaco. Das ist ziemlich hart, denke ich", stimmt Steiner auch hier nicht mit den Stewards überein. Die Strafe sei als "würde man jemandem ins Gesicht treten, der schon auf den Knien ist." Grosjean hat durch den Unfall als einziger Fahrer neben Williams' Sergey Sirotkin 2018 noch keinen WM-Zähler erzielt.


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