Formel 1

Formel 1, Vettel kritisiert VSC: Fahren lächerliche Linien

Sebastian Vettel deckte nach dem Formel-1-Rennen in Barcelona ein Schlupfloch im Reglement auf. Die FIA ist nun alarmiert.
von Christian Menath
Formel 1 Spanien 2018: Ferrari - Spiegel, Reifen & Strategie: (10:49 Min.)

Wieder Ärger um das Virtuelle Safety-Car der der Formel 1. Nach dem Spanien GP 2018 deckte Sebastian Vettel in seiner Medienrunde ein Schlupfloch im VSC-Reglement auf. Vettel nutzte als einziger Pilot der Spitzengruppe die VSC-Phase, um einen zusätzlichen Stopp einzulegen. Dabei verlor er einige Sekunden, weil er mit kalten Reifen über die Parkposition für den Reifenwechsel hinausgeschossen war.

Grund für die kalten Reifen war die VSC-Phase. Es ist wenig verwunderlich, dass die sensiblen Pneus im langsamen VSC-Tempo auskühlen, doch das Problem scheint sich zusätzlich zu verschlimmern.

Der Grund dafür ist kurios. "Die FIA stellt uns ein System, bei dem wir einer Delta-Zeit folgen müssen", erklärt Vettel. "Jeder muss 45 Prozent langsamer fahren. Aber jeder weiß, dass man unter VSC-Bedingungen schneller fahren kann, als einfach nur dem zu folgen. Das funktioniert, indem man Strecke, also Distanz spart."

Formel 1 Spanien 2018: Ferrari - Spiegel, Reifen & Strategie: (10:49 Min.)

FIA: Rennleiter Whiting ist kein Problem bekannt

"Mir ist kein Problem bekannt, ich weiß nicht, wovon er spricht", meinte Rennleiter Charlie Whiting von Motorsport-Magazin.com auf die Aussagen von Vettel angesprochen. "Die Fahrer müssen einem Profil folgen, das vom Einheitssteuergerät vorgegeben wird. Alle 50 Meter wird hier gemessen."

Tatsächlich ist das VSC extrem komplex. Um die Streckenposten bei ihrer Arbeit nicht zu gefährden, ist eine Rundenzeit vorgegeben, die nicht unterschritten werden darf. Diese berechnet sich aus den durchschnittlichen Zeiten aus FP2. Auf diese Zeit werden 45 Prozent gerechnet.

Es geht aber nicht um die Rundenzeit. Das wäre viel zu ungenau. Vielmehr wird ein Profil vorgegeben, das nicht unterboten werden darf. Dafür ist die Rennstrecke in kleine Marshall-Sektoren eingeteilt. Die Piloten dürfen die vorgeschriebene Zeit nicht über einen kompletten solchen Sektor unterbieten, sonst gibt es eine Strafe. Fährt man mit einem Minus in den Sektor hinein, hat man bis zum Ende des Sektors Zeit, daraus noch ein Plus zu machen.

"Da es alle 50 Meter gemessen wird, kann man - wenn überhaupt - nur einen minimalen Vorteil daraus ziehen", glaubt aber Whiting. "Die Ideallinie ist normalerweise die kürzeste Linie, da könnte es schwierig werden, noch etwas einzusparen."

Vettel: Formel 1 sollte in der Lage sein, bessere Software zu liefern

Doch Vettel widerspricht: "Wir sollten ein Sytsem ohne dieses Schlupfloch haben, denn dadurch werden wir dazu ermutigt, lächerliche Linien um die Strecke zu fahren. Und jeder macht das, ich denke das ist kein Geheimnis. Ich denke, unser Sport sollte in einer besseren Verfassung sein, als uns so eine Software zu stellen, die zu schlecht ist und uns erlaubt, auf diese Weise Extra-Performance zu finden. Aber es ist natürlich für alle das gleiche."

Whiting verspricht: "Ich werde mir das Mal anschauen müssen, ob es wirklich manipuliert werden kann." Gleichzeitig ist die FIA auch noch dabei, ein weiteres Schlupfloch zu stopfen. Weil zwischen den Safety-Car-Linien und Boxenein- respektive Boxenausfahrt keine Delta-Zeiten gelten, können die Piloten, wenn sie in die Boxengasse fahren, Zeit gewinnen.

Boxendurchfahrten ohne Grund während der VSC-Phasen sind deshalb verboten, doch auch bei Boxenstopps kommt es manchmal zu verwirrenden Szenen. Deshalb will die FIA zusätzliche VSC-Sektoren zwischen den Safety-Car-Linien und der Zeitnahmelinie einführen. "Aber das braucht noch ein wenig Arbeit", relativiert Whiting.

Formel 1 Spanien 2018: Ferrari - Spiegel, Reifen & Strategie: (10:49 Min.)


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