Formel 1

Formel 1: Vettel kritisiert Alonsos 'Jetzt oder nie'-Manöver

Fernando Alonso holte in China mit Platz sieben das Maximum für McLaren heraus. Das Resultat erkämpfte er mit einem harten Manöver gegen Sebastian Vettel.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - McLaren-Pilot Fernando Alonso holte beim dritten Rennen zur Formel-1-Saison 2018 in China abermals alles aus seinen Möglichkeiten heraus. Der siebte Platz bedeutete für ihn das dritte Top-10-Resultat in Folge. Das Team taktierte clever und Alonso setzte sich in der Schlussphase des Rennens mit einer entschlossenen Aktion gegen Sebastian Vettel im Ferrari durch. Der war von der Härte des Manövers überrascht.

"Er hielt rein, als hieße es jetzt oder nie. Ich musste zurückstehen, weil wir sonst gecrasht wären. Ich war nur glücklich, das Rennen zu beenden", so Vettel, der in der vorletzten Runde am zweiten Scheitelpunkt der Schneckenkurve von Alonso überholt wurde. Alonso setzte sich erst relativ spät neben den Ferrari und nutzte am Kurvenausgang die gesamte Streckenbreite, woraufhin Vettel in die Auslaufzone auswich.

Für Vettel unnötig, hätte er sich mit dem durch die Verstappen-Kollision beschädigten Ferrari doch ohnehin nicht mehr wehren können: "Ich war sehr verwundbar, also hätte er mich auch bei einer anderen Gelegenheit überholen können." Vettel hatte unmittelbar nach dem Manöver im Boxenfunk seinem Unmut Luft gemacht: "Er kann mich nicht einfach so von der Strecke fahren... das war doch Absicht."

Alonso teilte diese Ansicht wenig überraschend nicht. "Er ging in den Kurven weit. Bei der ersten Möglichkeit wo ich die Tür offen sah, ging ich rein. Irgendwann hört die Rennstrecke dann mal auf, aber er fuhr weiter bis das Gras kam. An irgendeinem Punkt musst du halt zurückstecken", so der 36-Jährige, der gar nicht erwartet hatte, in Shanghai noch auf den Ferrari des WM-Leaders zu treffen.

"Ich war überrascht, als ich am Ende einen Ferrari sah der nicht so schnell fuhr. Ich fragte [im Funk] was das Problem war und offenbar hatte er Beschädigungen am Auto, weshalb er in den Kurven kämpfte", erklärte Alonso. "So war es natürlich kein fairer Kampf, da Sebastians Auto kaputt und ich in den Kurven etwas schneller war." Doch obwohl der siebte Platz für McLaren angesichts des erneut schwachen Qualifyings ein anständiges Resultat war, war man das am schlechtesten platzierte mit Renault-Motoren.

Alonso: Red-Bull-Sieg motiviert McLaren Renault

Auf Platz sechs landete Renault-Werkspilot Nico Hülkenberg nur einen Rang vor Alonso, während Red-Bull-Mann Daniel Ricciardo mit der Power Unit der Franzosen den ersten Saisonsieg einfuhr. "Ich denke, es wäre von uns etwas zu optimistisch gewesen, über den Sieg nachzudenken. Aber das hat uns das Potential der Power Unit gezeigt", so Alonso, der abermals keine Ausflüchte suchte.

"Platz sieben ist ein gutes Resultat nach einem schwierigen Wochenende. Aber wir müssen uns verbessern, kein Zweifel. Wir können das nicht leugnen. Aus unterschiedlichen Gründen haben wir am Sonntag die Resultate eingefahren. Manchmal war es etwas Glück, manchmal eine gute Strategie oder Boxenstopps. Aber wir müssen noch mehr Pace finden, denn wir sind insgesamt nicht schnell genug", fügte er an.

Der Erfolg von Red Bull soll für McLaren ein Impuls sein, um weiter am Ball zu bleiben. Schließlich hatte das Team den anderen Renault-Kunden schon vor dem Saisonstart zum Gradmesser auserkoren. "Es gibt uns Motivation, dass wir mit dieser Power Unit vorne mitfahren können, wenn wir beim Chassis einen guten Job machen. Noch sind wir nicht ganz da. Wir müssen den Abstand verringern, in dem wir härter am Chassis arbeiten", sagte Alonso.

Fernando Alonso und McLaren sind 2018 noch nicht auf dem Level, das sie sich erhofft hatten - Foto: Sutton

Alonso: Safety Car hat uns nicht geholfen

In China lieferte sich Alonso vom 13. Startplatz aus wie erwartet einen Schlagabtausch mit der Konkurrenz aus dem Mittelfeld. Der zweimalige Weltmeister war wie der Großteil der Fahrer außerhalb der Top-10 mit dem Soft-Reifen gestartet. Die McLaren-Strategen setzten Alonso jedoch auf einen ersten Stint mit Überlänge. "Die Einstopp-Strategie mit dem langen ersten Stint hätte sich am Ende schön ausgezahlt", so Alonso.

Erst in der 29. Runde kam er zum Wechsel auf Medium an die Box - eine Runde bevor die Toro-Rosso-Kollision für den Einsatz des Safety Cars sorgte. "Das Safety Car hat uns nicht geholfen. Alle schlossen wieder auf, hatten die Möglichkeit Reifen zu wechseln und waren dann wieder an uns dran. Das war nicht gut", erklärte Alonso, dessen frische Reifen ihm angesichts des zusammengerückten Feldes halfen, sich zu behaupten.

"Romain, Magnussen und Carlos pushten von hinten hart. Es war ein Rennen in der Gruppe und wir haben mehr oder weniger von den ganzen Kämpfen profitiert. Es waren tolle Kämpfe", so Alonso, der in der Fahrer-Weltmeisterschaft nach drei Rennen mit 22 Punkten an sechster Stelle liegt, gleichauf mit Nico Hülkenberg und vier Zähler vor Max Verstappen.


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