Formel 1

Formel 1, Grosjean übt harte Selbstkritik: Bin scheiße gefahren

Romain Grosjean steht vor China ohne WM-Punkte da. In Bahrain erntete Haas-Teamkollege Magnussen die Lorbeeren. Der Franzose gibt zu: Es lag an mir.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Vor dem dritten Rennen zur Formel-1-Saison 2018 in China steht Haas-Pilot Romain Grosjean mit leeren Händen da - obwohl der VF-18 durchaus das Zeug für starke Resultate hat. In Australien war der Franzose angesichts des verpatzten Boxenstopps schuldlos. In Bahrain hingegen stand er sich selbst im Weg, während Teamkollege Kevin Magnussen die Punkte holte.

"Ich schätze, ich bin einfach scheiße gefahren", sucht Grosjean im Vorfeld des Rennens in Shanghai gar nicht erst lange nach Ausreden für sein Abschneiden in Bahrain und fährt fort. "Da muss ich ehrlich sein. Ich bin einfach kein gutes Qualifying gefahren." Der 31-Jährige war im Q1 als 16. überraschend eliminiert worden. Gleichzeitig bedeutete das seine zweite Qualifying-Niederlage gegen KMAG.

"Eigentlich war ich schon ganz locker durch, aber dann habe ich einen Fehler gemacht. Wir hatten die Rundenzeitvorgabe falsch angesetzt. Auf meiner schnellen Runde lag ich nicht innerhalb dieser Zeit, als ich in die letzte Kurve kam. Dort bin ich dann am Ausgang weit gegangen und habe zwei oder drei Zehntel verloren", erklärt Grosjean.

Formel 1 2018: Brennpunkte vor dem China GP: (06:23 Min.)

Grosjean war in Bahrain auf Punktekurs

Während Magnussen von Startplatz sechs ins Rennen ging, stand Grosjean zehn Ränge weiter hinten. Im Rennen lief es dann aber deutlich besser, als es den Anschein machte. "Eigentlich war es sehr gut. Ohne den zusätzlichen Boxenstopps, um die Teile des Bargeboards unter dem Auto zu entfernen, wäre ich Siebter geworden", bekräftigt Grosjean gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Eine Antwort darauf, weshalb sich der Haas in seine Einzelteile auflöste, hatte das Team am Donnerstag in Shanghai noch nicht. "Ich denke, es war in Turn 1, als er weit ging. Es ist aber schwierig zu sagen, ob der Schaden wirklich da entstand oder woanders. Es ist möglich, doch wir können noch nicht mit Sicherheit sagen", so Teamchef Günther Steiner. Grosjean hat offenbar keine Bedenken, dass es für ihn dadurch gefährlich werden könnte. "Ich habe ja jetzt den Halo", scherzt er.

"Aber nein, Spaß beiseite. Du verlierst natürlich viel Performance, wenn die Teile abfallen. Die sind ja nicht ohne Grund am Auto. Es wird selbstverständlich hart daran gearbeitet, um herauszufinden und zu verstehen, warum wir dieses Problem hatten", erklärt Grosjean. An sich selbst muss er hingegen nicht mehr so viel arbeiten, denn nach der bescheidenen Leistung im Qualifying überraschte er sich am Sonntag schon wieder selbst.

Formel 1 2018: Rennanalyse Bahrain GP: (25:11 Min.)

Grosjean feiert 'Ricciardo-Manöver' von Bahrain

"In Turn 1 habe ich Sainz im Renault überholt, der gerade auf Supersoft-Reifen unterwegs war. Ich war eigentlich ziemlich weit weg und habe es dann einfach versucht. Ich dachte erst, dass ich mich komplett verbremse und habe dann doch den Scheitelpunkt erwischt. Da war ich echt überrascht. Ich war so weit dahinter, das hat sich angefühlt wie ein Überholmanöver Daniel Ricciardo-Style", erklärt er.

Im vergangenen Jahr hätte man ein derartiges Manöver von ihm eher nicht gesehen, fehlte doch an den meisten Rennwochenenden das richtige Gefühl auf der Bremse. "Habt ihr in meinem Funk in diesem Rennen irgendwelche Beschwerden über die Bremsen gehört? Nein! Da seht ihr also, gebt mir verdammt nochmal was ich brauche und dann ist Ruhe!", lacht Grosjean, der sich auch angesichts der starken Form Magnussens keine Sorgen macht.

"In Australien hatte ich etwas Pech. Dort war ich schneller, aber dann hatte ich im Q3 ein Motorproblem. Ohne das wäre ich vorne gewesen", ist er überzeugt. Unter dem Strich soll der VF-18 dem Dänen aber trotz allem noch besser liegen als ihm. "Er macht einen guten Job, aber er liebt Untersteuern und das Auto untersteuert im Moment sehr. Ich hasse das... also kämpfe etwas mehr damit", so Grosjean.


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