Formel 1

Formel 1, Mercedes-Cockpit für Ocon? Wolff steckt hohe Ziele

Die Verträge von Hamilton und Bottas laufen 2018 aus. Esteban Ocon schielt bereits aufs Mercedes-Cockpit. Doch für den Aufstieg muss der Franzose abliefern.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Bei den Top-Teams von Mercedes, Ferrari und Red Bull laufen mit der Formel-1-Saison 2018 gleich mehrere Fahrerverträge aus. Für die potentiellen Nachfolger oder Teamkollegen von Sebastian Vettel &. Co werden die kommenden 21 Rennen entscheidend sein. Bei Mercedes wird besonders ein Fahrer schon ins Cockpit spekuliert: Esteban Ocon. Für den Force-India-Piloten kann 2018 die Karriere entscheiden.

"Es ist das erste Rennen der Saison und wir sprechen schon über nächstes Jahr", kann sich der 21-Jährige Mercedes-Junior in der Medienrunde am Donnerstag vor dem Australien GP ein Lachen nicht verkneifen. Ganz unrealistisch ist das Szenario eines Mercedes-Wechsels zur Saison 2019 aber nicht. Bei Lewis Hamilton scheint die Vertragsverlängerung nur Formsache zu sein, Valtteri Bottas hingegen muss gegenüber dem Vorjahr noch einmal zulegen, wenn er bei den Silbernen bleiben will.

Wenn der Finne nicht zur Zufriedenheit der Mercedes-Bosse Toto Wolff und Niki Lauda abliefert, wäre Ocon für das Team wohl eine der ersten Anlaufstellen. "Natürlich bin ich ein Mercedes-Fahrer. Es wäre der logische Schritt", so der Youngster, der 2016 zunächst ein halbes Jahr bei Manor und 2017 für seine erste volle Saison bei Force India in die Lehre geschickt wurde. Die wachsamen Augen von Wolff beobachten den Weg Ocons nach wie vor.

"Ich bin gerade erst dort gewesen. Wir haben nach jedem Rennen Telefonate oder Meetings. Sie sind in meiner Karriere sehr präsent, so wie immer", erklärt Ocon. Bis zuletzt stand er noch im direkten Duell gegen einen anderen Mercedes-Junior: Pascal Wehrlein. Nach dem vorübergehenden Aus des Deutschen in der Formel 1 ist er das einzige silberne Nachwuchseisen in der Königsklasse.

Seine Chancen auf einen Platz bei Mercedes verbessern sich dadurch womöglich, doch gemessen wurde und wird Ocon längst nicht nur am anderen Junior, der 2017 ohnehin mit anderem Material unterwegs war. "Jedes Jahr setzen wir den Jungs Ziele und letztes Jahr haben sie alle Ziele erreicht", sagte Wolff Ende 2017 über seine beiden Schützlinge.

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Ocon über Mercedes-Ziele: In der Formel 1 zählt nur Perfektion

Ziele gibt es für Wehrlein 2018 in Form des DTM-Titels. Ocons Gradmesser hingegen heißt abermals Sergio Perez. Der Unterschied: 2017 stand Ocon als quasi-Rookie unter Welpenschutz. "Klar, die Messlatte steigt. Wenn du dich für Mercedes empfehlen willst, musst du schnell sein und darfst keine Fehler machen", lautete Wolffs Ankündigung für 2018.

"Die Ziele sind immer hoch gesteckt. Das waren sie letztes Jahr auch. Dieses Jahr sind es andere, denn ich habe mehr Erfahrung", weiß Ocon. Vergangene Saison schlug er sich gegen Perez mit 87 zu 100 Punkten beachtlich. Nur im Qualifying musste er mit 7:13 Federn lassen. In der zweiten Saisonhälfte war bei ihm mit vermehrten Siegen über Perez aber eine positive Tendenz zu erkennen.

Herrscht für Ocon angesichts dessen mehr Druck? "Wenn du in der Formel 1 ankommst, wirst du sofort beurteilt. Du musst bei allem was du machst perfekt sein", erklärt Ocon auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com. "Ich habe also nicht mehr Druck. Ich bin sehr entspannt. Ich weiß, dass jeder glücklich sein wird, wenn ich einen guten Job mache."

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Ocon: Formel-1-Cockpit bei Mercedes nur bei Sieg über Perez

Bisher hat Ocon seine Förderer nicht enttäuscht und selbst für die richtigen Impulse gesorgt, um in der Formel 1 weiterzukommen. Ende 2016 setzt er sich dabei tatsächlich im direkten Duell gegen Wehrlein um die Hülkenberg-Nachfolge bei Force India durch. Wenn Ocon weiter überzeugt, ist er sicher, wird ihm Mercedes auch weitere Türen öffnen.

"Sie wissen, was sie tun. Ich könne im Moment an keinem besseren Ort sein. Ich vertraue ihnen und den Entscheidungen, die sie treffen. Das war seit 2015 immer so und es waren immer gute Entscheidungen", so Ocon. "Aber im Moment bin ich auf meinen Job mit Force India fokussiert. In meiner Position muss ich diesem Team verschrieben sein."

Der Logik nach muss 2018 aber mehr kommen als letztes Jahr. Sprich, Perez muss bezwungen werden. "Natürlich muss ich ihn schlagen", stellt Ocon klar. "Ich sage jetzt nicht, dass das irgendwo geschrieben steht. Aber natürlich muss ich abliefern. Jeder will sehen, dass du deinen Teamkollegen schlägst."

Was genau ihm von Mercedes beziehungsweise Toto Wolff vorgegeben wurde, "ist natürlich ein Geheimnis", wie Ocon mit einem Augenzwinkern anmerkt. "Aber es ist normal, dass sie wollen, dass ich performe. Ich verstehe das voll und ganz." Doch gegen Sergio Perez zu performen dürfte auch 2018 keine leichte Aufgabe sein.

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Formel 1: Perez 2019 zu Ferrari, Ocon zu Mercedes?

Der Mexikaner ist im Fahrerlager eine gestandene Größe - und mit 28 Jahren alles andere als ein Auslaufmodell, das man auf dem Weg nach oben auf der Karriereleiter einfach überrollen kann. Perez arbeitet selbst noch auf die Chance in einem Top-Team hin. Nach einem durchwachsenen Jahr 2013 bei McLaren, welche da schon kein Top-Team mehr waren, hat er sich bei Force India in den vergangenen Jahren rehabilitiert.

Ein mögliches Ziel von Perez lautet Ferrari. Dort ist wahrscheinlich, dass Kimi Räikkönen sich Ende 2018 in die Rente verabschiedet. Ein Nachfolger aus eigenem Anbau, womit nach aktuellem Stand Charles Leclerc und Antonio Giovinazzi gemeint sind, scheint noch nicht bereit für die großen Aufgaben bei der Scuderia. Wenn Perez nach Maranello will, kann er sich eine Niederlage gegen Ocon nicht leisten.

2017 begann Ocon schon nach wenigen Rennen erstmals am Stuhl des Mexikaners zu sägen. In Baku und Spa-Francorchamps knallte es nicht nur im Boxenfunk. Ocons Manöver waren kompromisslos, teilweise auch etwas überzogen. Perez' Ego hingegen war nicht im Ansatz verhandlungsbereit. Angesichts der Vorzeichen für 2018 ist kaum zu erwarten, dass die beiden Alphatiere dieses Jahr zurückstecken.

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Krieg zwischen Perez und Ocon könnte Force India 2018 teuer zu stehen kommen

Nach den Zwischenfällen 2017 verordnete die Teamführung von Force India klare Richtlinien. Gekämpft wird nur noch ohne Kontakt. Daran hat sich nichts geändert. "Es sind dieselben wie letztes Jahr. Wir dürfen racen, aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht kollidieren", so Ocon. "Das ist die Regel vom Team."

Angesichts der Konkurrenz, die Force India mit Renault, McLaren und Haas 2018 ins Haus steht, dürfte diese Regel mehr Gewicht haben als je zuvor. "Wenn du darüber nachdenkst, müssen wir jeden Punkt holen, den wir kriegen können. Es wird sehr eng mit den anderen Teams im Mittelfeld. Jeder Punkt kann am Ende des Jahres den Unterschied machen", weiß Ocon.


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