Formel 1

Formel 1 2018 - Perez: Ocon ist nicht mein bester Freund

Für Sergio Perez und Esteban Ocon steht ein wichtiges Jahr in der Formel 1 an - es winken Top-Cockpits für 2019. Dafür darf es aber nicht wieder knallen.
von Robert Seiwert

Motorsport-Magazin.com - Sergio Perez gegen Esteban Ocon - es war das brisanteste Teamduell der Formel-1-Saison 2017. Zwischen den beiden Force-India-Piloten knallte es mehrfach. Nicht selten zum Schaden des Teams, was zwischenzeitlich dazu führte, dass Verhaltensregeln für den teaminternen Kampf eingeführt werden mussten. Nach einigen Kollisionen der beiden Fahrer gingen zumindest die letzten Rennen des Jahres glimpflich über die Bühne.

Ausgesprochen haben sich Perez und sein junger Herausforderer Ocon über den Winter jedoch nicht. Zwischen beiden herrschte Funkstille, wie der Mexikaner am Rande der Testfahrten in Barcelona erzählte. "Es gab nicht viel Kommunikation", so Perez. "Wir sind nicht die besten Freunde, respektieren uns aber gegenseitig. Zum Wohle des Teams wollen wir gut zusammenarbeiten."

Knüppelharte Saison für Force India

Das ist auch dringend nötig, denn Force India erwartet vermutlich eine harte Saison. Die Konkurrenz von Renault und McLaren hat mächtig aufgeholt. Einfach dürfte es nicht werden für Force India, den sensationellen vierten Platz aus dem Vorjahr zu wiederholen. Wenn es obendrein noch innerhalb der Mannschaft knallt, verschlechtern sich die Chancen dramatisch.

Das wissen auch Perez und Ocon, die sich mit guten Leistungen für höhere Aufgaben empfehlen wollen. Die ungewisse Zukunft von Valtteri Bottas bei Mercedes sowie von Kimi Räikkönen bei Ferrari hat schon länger Begehrlichkeiten geweckt. "Das wird ein wichtiges Jahr, ich habe noch ein Jahr Vertrag mit dem Team", sagte Perez. "Es ist jetzt aber noch nicht an der Zeit, zu schauen. Bis dahin sind es noch ein paar Monate."

Force India in Ressourcen-Nöten

Erst einmal gilt es, den neuen Force India ans Laufen zu bekommen. Das kann nur klappen, wenn zwischen Perez und Ocon Arbeitsfrieden herrscht und sich beide auf die Entwicklungsarbeit konzentrieren. "Wir haben nicht die Ressourcen wie andere Teams, deshalb muss jedes Teammitglied das Maximale herausholen", mahnte Perez. "Der Hauptfokus liegt darauf, wie wir das Auto verbessern und das Team nach vorne pushen."

Doch Perez ist gewarnt vor seinem ambitionierten Teamkollegen, der in seiner ersten vollen Formel-1-Saison oft zu überzeugen wusste. Einfacher wird es sicherlich nicht gegen Ocon, aber Perez freut sich auf die Herausforderung: "Er hat jetzt mehr Erfahrung. Aber es ist immer gut, einen wettbewerbsfähigen Teamkollegen zu haben. Ich bin sicher, dass auch ich besser werde. In der Formel 1 lernt man niemals aus. Die erste Referenz ist der Teamkollege und es ist gut, Esteban zu haben."

Lehren aus dem Teamduell 2017 gezogen

Force India hat seine Lehren aus dem hitzigen Teamduell von 2017 gezogen und geht das neue Jahr in dieser Hinsicht relativ entspannt an. Die letzten Rennen der vergangenen Saison hätten schließlich gezeigt, dass es auch ohne Kollisionen geht, meinte Sportdirektor Otmar Szafnauer: "Jedes Team und jede Beziehung durchlebt solche Phasen."

Szafnauer war sogar überzeugt, dass Force India gestärkt daraus hervorgehen wird. "Beim Team-Building gibt es immer eine Konfliktphase. Wenn du die überstehst, arbeitest du danach besser zusammen. Und da sind sie jetzt angelangt. Sie arbeiten besser zusammen als vor dieser Phase und sie haben es verstanden."

Perez: Die großen Teams kommen

Einig ist sich zumindest jeder bei Force India über die Situation in der Saison 2018: Es wird kein Zuckerschlecken für das vergleichsweise Privatteam, das es mit den großen Herstellern aufnehmen muss. "Es wird ein hartes Jahr für uns", bekräftigte Perez. "Die großen Teams kommen und werden uns fordern. McLaren ist das Team, auf das wir achten müssen. Auch Renault hat sich sehr verbessert. Es wird ein harter Kampf im Mittelfeld, aber ich glaube an Force India. Unsere finanziellen Einschränkungen sind mir bewusst. Das ist die Formel 1, das ist normal. "

Chef Szafnauer bestätigte ohne Umschweife: "Die Konkurrenten im Mittelfeld werden stärker und haben mehr Ressourcen. Es ist kein Geheimnis, dass Renault mehr Leute geholt und tolle Anlagen hat. McLaren hat die Power Unit gewechselt, die werden besser sein. Und Williams hat jetzt ein Paddy-Lowe-Auto und einen Aero-Mann von Ferrari geholt. Es wird hart, Vierter zu bleiben, aber das ist unser Ziel."


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