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Hockenheim-Chef im Interview: 2018 der letzte Deutschland GP?

2018 läuft der Vertrag der Formel 1 mit dem Hockenheimring aus. Gibt es danach keinen Deutschland GP mehr? Der Hockenheimring-Geschäftsführer im Interview.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Die fetten Jahre sind längst vorbei. Vorbei die Jahre, in denen Deutschland sogar einen Luxemburg GP oder Europa GP austragen musste, weil es zwei Rennen in einem Land in der Formel 1 eigentlich nicht geben darf. Vorbei die Jahre, als mehr als hunderttausend Schumi-Fans an Hockenheimring und Nürburgring pilgerten.

Die letzten Jahre war die Formel 1 in Deutschland stets eine Zitterpartie: Gibt es einen GP oder nicht? Eigentlich hätten sich Nürburgring und Hockenheimring abwechseln sollen, doch 2013 fand zum letzten Mal ein F1 GP in der Eifel statt. Seither fährt die Formel 1 alle zwei Jahre in Hockenheim, weil sich für die vakanten Termine 2015 und 2017 niemand fand, der das finanzielle Risiko tragen wollte.

Denn auch wenn der Hockenheimring die Rennen 2014 und 2016 austrug und auch jetzt wieder Veranstalter des GPs 2018 ist, ein Zitterpartie ist es allemal. Die Antrittsgebühren sind hoch, die Tickets verkaufen sich längst nicht mehr wie warme Semmeln. 2018 läuft der Vertrag zwischen Formel 1 und Hockenheimring aus, die Zukunft der Königsklasse in Deutschland ist offen. Motorsport-Magazin.com sprach deshalb mit Hockenheimring-Geschäftsführer Georg Seiler über das Rennen auf dem Hockenheimring 2018 und über die Zukunft der Formel 1 in Deutschland.

Um die Zukunft der Formel 1 in Deutschland zu sichern, brauchen wir vor allem Fans. Wie läuft der Vorverkauf für den Deutschland GP 2018 auf dem Hockenheimring?
Georg Seiler: Er läuft gut. Wir haben bereits rund 50.000 Karten verkauft. Das sind etwa 30 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt vor zwei Jahren für das Rennen 2016. Das hängt wahrscheinlich auch mit unserem Preissystem zusammen, das vor allem Kinder sehr günstigen Zutritt verschafft. Aber auch Max Verstappen trägt dazu bei. Wir rechnen mit rund 10.000 Besuchern aus den Niederlanden, es gibt inzwischen sogar eine Verstappen-Tribüne. Es sieht positiv aus.

Hat der Hockenheimring die Verstappen-Tribüne ins Leben gerufen? Warum dann keine Vettel-Tribüne?
Georg Seiler: Ein niederländischer Veranstalter hat eine größere Anzahl an Karten gekauft. Die Karten sind auf mehrere Tribünenblöcke verteilt, der größte davon (rund 2.000 Plätze) wird Verstappen-Tribüne genannt. Wenn die Fans alle orange gekleidet an den Hockenheimring kommen, wird man gut sehen können, wo diese Bereiche sind.

Sie haben das neue Preissystem angesprochen. Vor allem für Familien mit Kindern ist es schön, aber sie brauchen für die schwarze Null dadurch auch mehr verkaufte Tickets, oder?
Georg Seiler: Das ist klar. Es gibt zwei verschiedene schwarze Nullen. Die eine ist die operative schwarze Null. Wenn man es aber absolut sieht, muss man auch die Investitionen der vergangenen Jahre einrechnen. Die schwarze Null wird es nie richtig geben. Wir sind aber zufrieden, wenn die operativen Kosten größtenteils gedeckt werden.

Hockenheimring 2018: Gute Alternativen zu Formel 2 und GP3

Inzwischen steht fest, dass Formel 2 und GP3 nicht mit der Formel 1 an den Hockenheimring kommen. Warum?
Georg Seiler: Wir haben uns auch gefragt, warum. Wir wurden recht spät darüber informiert und waren überrascht. Eigentlich gingen wir davon aus, dass Formel 2 und GP3 hier gastieren. Uns wurde gesagt, dass der Kalender bereits voll ist, weil die Formel 2 nun auch in Frankreich und Sochi fährt. Wir werden trotz allem ein attraktives Rahmenprogramm für Hockenheim stricken. Es gibt schon sehr interessante Überlegungen, die Fans dürfen sich sicherlich auf etwas freuen.

Die Formel 2 - hier noch GP2 - fährt 2018 nicht in Hockenheim - Foto: GP2 Series

2018 findet das letzte Formel-1-Rennen des aktuellen Vertrags auf dem Hockenheimring statt. Wie ist der Status quo für die Zeit danach?
Georg Seiler: Der Vertrag ist 2018 beendet. Man hat sich mittlerweile mit den neuen Eigentümern getroffen und gesprochen, denn wir müssen ja auch den 2018er GP durchführen. Man ist sich bewusst, dass in absehbarer Zeit Gespräche laufen, wie die Zukunft aussieht, aber es wurden noch keine ernsthaften Gespräche geführt. Wir sind aber dabei.

Wollen Sie zunächst den GP 2018 abwarten und dann verhandeln oder muss vor dem Rennen schon Klarheit herrschen, weil mit dem Fallen der Zielflagge der Vorverkauf für 2019 beginnen muss?
Georg Seiler: Es ist erforderlich - egal wo ein Rennen stattfindet, ob am Nürburgring oder bei uns - dass man Sicherheit hat, sobald die Zielflagge fällt. In den nächsten Monaten muss also richtig verhandelt werden. Ich kann leider noch nicht sagen, ob es positiv weitergeht. Ich kann nur sagen, dass wir bemüht darum sind, die Formel 1 weiterhin in Deutschland zu halten. Aber es spielen viele Faktoren eine Rolle. Bei uns bleibt es dabei, dass wir keine wirtschaftlichen Risiken eingehen wollen und das auch nicht tun werden. Es gibt Denkmodelle, über die wir verhandeln werden und dann muss man abwarten. Gibt es Partner, mit denen wir gemeinsam etwas tun können? Wer unterstützt uns? Da sind sicherlich Gespräche nötig. Wir tun unser Bestes, aber garantieren können wir nichts.

Alle bisherigen Verträge haben sie mit Bernie Ecclestone verhandelt. Sie haben sich immer sehr gut verstanden, das ist kein Geheimnis. Wie läuft es nun mit Liberty Media? Macht das die Sache einfacher?
Georg Seiler: Es sind neue Partner, der Umgang ist freundlich, aber wenn es um Zahlen geht, muss man abwarten, wie die Reaktionen sind. Sie kennen unsere Lage, sie wissen, dass es am Hockenheimring oder generell in Deutschland nicht einfach ist, die Formel 1 zu veranstalten. Aktuell haben wir ein freundschaftliches Verhältnis, aber es wird sich zeigen, ob dies bei Verhandlungen zu positiven Ergebnissen führt.

Hockenheimring-Chef Georg Seiler und Bernie Ecclestone kennen sich seit Jahrzehnten - Foto: Sutton

Liberty hat zu Beginn angekündigt, Traditionsrennstrecken unbedingt behalten zu wollen. Merken Sie von diesem Willen etwas?
Georg Seiler: Ich merke es insofern, dass sie immer wieder sagen, dass sie den deutschen Markt brauchen und nach Deutschland wollen. Wenn es ihnen wichtig ist, gehe ich davon aus, dass es auch Lösungen dafür gibt. Gesagt, getan ist natürlich etwas anderes. Aktuell ist alles noch vollkommen offen.

Sie haben den Nürburgring schon angesprochen. Welches Modell präferieren Sie für die Zukunft? Ein - funktionierendes - alternierendes Modell? Oder lieber jedes Jahr Hockenheim?
Georg Seiler: Sowohl der Nürburgring als auch der Hockenheimring hätten ein Formel-1-Rennen verdient, weil sie die beiden großen traditionellen Rennstrecken sind. Es wäre deshalb gut, wenn die Alternierung käme. Aber das haben wir nicht zu entscheiden, wir sind ein Verhandlungspartner, der seine Meinung hat. Das ist der Nürburgring sicherlich auch, aber es wird davon abhängen, ob nur einer bereit ist oder beide. Oder kann es nur einer übernehmen oder sogar beide? Alles ist offen. Der Wunsch wäre es schon, dass die Alternierung unter richtigen Voraussetzungen wieder aufgenommen wird.

Ist es für Sie gut oder schlecht, dass der Nürburgring wieder ernsthaft um die Formel 1 bemüht ist und damit möglicherweise auch Konkurrenz ist?
Georg Seiler: Von Konkurrenz will ich überhaupt nicht sprechen. Wir wollen die Formel 1 in Deutschland halten! Wenn die Formel 1 in Deutschland bleibt, dann ist es nicht unbedingt die Frage, ob am Nürburgring oder am Hockenheimring. Das bedeutet in erster Linie, dass sie rechenbar ist! Sowohl Hockenheimring als auch Nürburgring brauchen eine wirtschaftlich vertretbare Basis. Wenn das beide haben, kommt man sicher auch mit der Alternierung klar. Konkurrenz gibt es nicht, es gibt ein gemeinsames Denken, die Formel 1 zu halten. Aber entscheiden werden die Verhandlungen.


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