Formel 1

Formel 1: Wird Robert Kubica bei Williams zum Unruhe-Polen?

Robert Kubica ist mit seinem Formel-1-Comeback 2018 gescheitert - vorerst. Bei Williams arbeitet der Pole aber mit. Unangenehmer Druck für Sergey Sirotkin?
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Robert Kubicas sensationelles Formel-1-Comeback nach seinem schlimmen Rallye-Unfall ist vorerst gescheitert. Zunächst entschied sich Renault, dann Williams gegen eine Verpflichtung des Polen als F1-Stammfahrer.

Doch berief Williams Kubica zumindest noch zum Ersatz- und Entwicklungsfahrer für 2018. Damit hat der 33-Jährige immerhin noch einen Fuß in der Tür. Sorgt das für Druck bei Sergey Sirotkin und stiftet Unruhe bei Williams?

Sirotkin: Druck mit Kubica im Nacken?

"Darüber habe ich noch nicht einmal nach gedacht. Aber hier herrscht sowieso schon viel Druck, da kommt es nicht mehr darauf an, welcher Fahrer da noch ist", winkt der dem Polen bei Williams vorgezogene Russe ab.

Doch ist Sirotkin sich der noch immer - oder wieder - vorhandenen Qualität Kubicas durchaus bewusst. "Wenn er nicht bereit wäre, wäre er nicht hier", sagt Sirotkin, den Teamchefin Claire Williams als überaus intelligenten Zeitgenossen adelt. "Das hilft wirklich, das Team nach vorne zu bringen", lobt die Tochter von Teamgründer Frank Williams.

Als studierter Ingenieur muss sich der Russe trotz seines Erfahrungsnachteils gegenüber Kubica deshalb nicht verstecken, wenn es um das Thema Fahrzeugentwicklung geht. Ein Metier, in welchem dem Polen seit jeher großes Talent nachgesagt wird, jüngst erst bestätigt durch Williams Technik-Boss Paddy Lowe.

Formel-1-Autos 2018 im Technik-Check: Williams FW41: (02:18 Min.)

Ohnehin wird Kubicas - wie die beiden Stammfahrer Lance Stroll und Sirotkin allerdings auch - von den Williams-Verantwortlichen über den Klee gelobt. "Robert hat beeindruckt. Er hat so hart seit seinem Unfall gearbeitet. Dass er überhaupt dazu in der Lage ist, zurückzukommen, ist schon beeindruckend. Und dieses Jahr nimmt er eine extrem wichtige Rolle im Team ein. Wir haben zwei junge Fahrer und Robert hat so viel Erfahrung", schwärmt Williams.

Williams-Chefin: Fahrer 2019? Wait & See

Die Möglichkeit, dass Robert Kubica vielleicht 2019 doch noch zum Stammfahrer aufsteigen könnte negiert die Teamchefin auf direkte Nachfrage unterdessen nicht. "Wir werden uns mit unseren aktuellen Fahrern Lance und Sergey auf dieses Jahr konzentrieren. Aber für 2019 ist es dann wait & see", so Williams.

Das macht den nicht gerade rar gesäten Kubica-Fans natürlich Hoffnung. Mindestens genauso wie die Tatsache, dass Kubica an seinem ersten Einsatztag beim Barcelona-Test der Formel 1 für 2018 gleich mal schneller war als beide Stammfahrer, im Wochenverlauf kam ihm zumindest Sirotkin auch nicht mehr näher als drei Zehntel - bei gleicher Reifenwahl. In den Sozialen Netzwerken feierten seine Anhänger Kubica dafür. Taten würde hier mehr sagen als Worte.

Das müssen sie auch. Denn Kubica selbst spricht mit keinem Wort mehr davon, auf sich aufmerksam machen zu wollen, um Sirotkin sein Cockpit doch noch streitig zu machen. Möglich wäre das etwa bei seinen geplanten Einsätzen in den Freien Trainings vor drei Grands Prix der F1-Saison 2018 und weiteren Testfahrten.

Vergleich bei Formel-1-Tests: Kubica/Stroll/Sirotkin

Fahrer Team Zeit Reifenmischung Runden
Lance Stroll Williams 1:21,142 Soft 54
Robert Kubica Williams 1:21,495 Soft 46
Sergey Sirotkin Williams 1:21,822 Soft 52

Robert Kubica: Lasst die Rundenzeit-Vergleiche!

Doch Kubica will davon selbst nichts wissen. "Pff … Freitage sind dafür … pff. Darüber habe ich mit dem Team nicht gesprochen. Die Idee ist einfach, dass ich so die Entwicklungsraten des Autos bewerten kann. Ob es nach vorne geht", sagt Kubica über den wahren Beweggrund seiner geplanten Freitagsfahrten. Bei diesen wird der Pole übrigens immer das Cockpit Sirotkins erhalten, Lance Stroll muss nie passen.

Auch von den besonders von den Fans gerne herangenommenen Rundenzeiten-Vergleichen hält Kubica wenig. " Dass er schneller gewesen sei als Sirotkin? "Kann man nicht vergleichen. Vergesst auf die Rundenzeiten zu schauen", sagt Kubica. Ob er sich denn nicht als den schnelleren Mann fühle? "Mein Gefühl spielt keine Rolle", so der Pole.

"Ich habe sowieso einen anderen Job. Die Zeiten sind wirklich irrelevant, besonders in meiner Position. Ich bin hier, um Dinge auszuprobieren und zu helfen", erklärt Kubica. "Ich muss nichts riskieren, um vier Zehntel schneller zu sein, ins Kies zu fahren und das Auto zu zerstören. Ich muss an das Team und die beiden Fahrer denken." Das heißt aber auch: Der ohnehin schon schnellere Kubica könnte theoretisch also durchaus noch schneller.

Große Harmonie bei Williams nur Ruhe vor dem Sturm?

Tatsächlich könnte das aber auch schlicht auf Streckenverhältnisse oder komplette andere Programme, Spritladungen oder ähnliches zurückzuführen sein. Williams hatte zuvor mehrfach dargelegt, Kubica habe bei dem vielleicht größten Fahrervergleichstest beim Abschlusstest in Abu Dhabi 2017 schlicht schlechter abgeschnitten als Sirotkin. So sei die Fahrerentscheidung gefallen, nicht wegen eines größeren Finanzpakets der Russen-Förderer.

Kubicas eigene Zurückhaltung sorgt gegenwärtig für beste Stimmung bei Williams. Fast schon zu harmonisch wirkt es jedoch, wie die drei Piloten und ihre Chefs übereinander sprechen, fast wie einstudiert und abgesprochen: "Er arbeitet gut mit Lance und Robert", sagt Williams über Sirotkin. "Ich habe mit Robert eine sehr gute Beziehung. Wir sind keine Kinder mehr und wissen, wie die Geschichte hier läuft. Es ist ein gutes Arbeitsverhältnis. Er hat viel Erfahrung und teilt sie auch gerne. Ich bin mit Lance und Robert happy, das ist eine gute Gruppe, wir arbeiten gut zusammen", sagt Sirotkin.

Formel-1-Boliden 2018: Ferrari, Mercedes & Co im Technik-Check: (09:16 Min.)

Auch Lance Stroll klingt genauso: "Wir alle zusammen können einen guten Input geben, inklusive Robert. Er hat viel Erfahrung und gute Ideen davon, was unsere Stärken und Schwächen sind", sagt der Kanadier. Davon werde das Team profitieren. Einzig Sirotkin sieht einen zumindest kleinen Wermutstropfen bei Williams Martini Racing. "Das ist nicht ideal. Aber es ist eben so. Ich kann nichts daran ändern und daraus nur das Beste machen, das ich kann", so der Russe über die drei Freitagstrainings, die er 2018 verpassen wird.

Sirotkin entspannt: Muss nur normalen Job machen

Wegen des teaminternen Duells gegen Stroll macht sich Sirotkin deshalb oder wegen dessen Vorteils von einem Jahr F1-Erfahrung nicht im Ansatz Sorgen. "Ich schaue auf mich. Es gibt immer Druck - egal gegen wen du kämpfst, nicht nur speziell mit Lance. Ich kenne meinen Level und muss einfach sicherstellen, dass ich es nicht übertreibe. Wenn ich meinen Job normal mache, ist es genug", sagt Sirotkin voller Vertrauen in das eigene Vermögen.

Dieses Vertrauen teilt er mit seiner Teamchefin. "Er wird viele überraschen. Wir hätten ihn nicht genommen, wenn wir nicht an ihn glauben würden", so Williams. Doch Kubica haben sie in Grove eben auch noch genommen. Ob nur als Entwicklungshelfer der Extraklasse oder doch als echter Plan B einmal dahingestellt.

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