Formel 1

Formel 1: Grid Girls? Claire Williams: Gut, dass sie weg sind

Die Formel 1 muss 2018 auf die beliebten Grid Girls verzichten. Doch nicht jeder hat etwas gegen Liberty Medias Entscheidung. Zum Beispiel Claire Williams.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die Formel 1 macht 2018 Schluss mit einer viele Jahrzehnte langen und beliebten Tradition: Die Grid Girls werden ab sofort aus dem F1-Paddock verbannt. Ersatzlos gestrichen hat Liberty Media die hübschen Mädels zwar nicht, im Grid stehen an ihrer statt künftig ähnlich der Einlaufkinder im Fußball Grid Kids. Doch hat selbst das bislang die wenigsten besänftigen können.

Nicht so Claire Williams. Die Teamchefin des Traditionsteams aus Grove befürwortet die Entscheidung der neuen Formel-1-Besitzer, getroffen aufgrund des veränderten Zeitgeists. "Ich denke, dass das eine positive Bewegung ist", sagt Williams am Rande der Formel-1-Testfahrten in Barcelona.

Williams: Grid-Girl-Entscheidung wichtig für Frauen in Formel 1

"Ich verstehe aber auch die Kommentare, die von Grid Girls kommen - dass sie Spaß daran hatten. Ich verstehe beide Seiten", ergänzt die frisch aus dem Mutterschutz zurückgekehrte Williams. Doch insgesamt geht Williams voll d'accord mit der Einschätzung Liberty Medias, Grid Girls seien schlicht nicht mehr zeitgemäß.

Williams: "Für einen Sport, der sich weiterentwickeln will, ist es positiv. Ich sage nicht, dass ich nicht für Grid Girls bin. Ich sage nur, dass es ein guter Move ist, mal etwas anderes zu machen." Das gelte besonders aufgrund der Stellung und Wertschätzung anderer Frauen im Formel-1-Paddock. "Dann Mädels in dieser Position (der des Grid Girls; Anm. d. Redaktion) zu haben, hilft nicht, diesen Sport als nicht rein männlich dominiertes Business zu promoten", erklärt Williams.

"Es gibt auch Mädels in diesem Sport, die sehr wichtige Rollen haben. Wir müssen uns auf diese Rollen fokussieren, sodass Frauen merken, dass es hier Gelegenheiten für sie gibt. Das ist sehr wichtig für mich. Das ist meine ganz persönliche Meinung", ergänzt die seit dem Sauber-Aus von Monisha Kaltenborn Mitte vergangener Saison letzte Teamchefin der F1.

Generell hält Williams es für wichtig, dass Frauen auf Augenhöhe mit Männern agieren. Auf Ingenieursebene in einem so technisierten Sport wie der Formel 1, aber auch im sportlichen Wettbewerb selbst. "Frauen sollten neben Männern antreten. Warum sie trennen? Das ist eine der Stärken dieses Sports. Dieser Sport hat das Frauen immer erlaubt. In anderen Sportarten ist das anders. Warum sollten wir jetzt einen Schritt zurück machen und eine reine Frauen-WM einführen? Wenn Frauen sich beweisen wollen, dann müssen sie das auch gegen Männer machen und nicht nur unter sich", stellt Williams klar.

Stuck: In Amerika würden sie ohne Cheerleader Stadien abreißen

Aber zurück zum Thema Grid Girls. Das beschäftigt die Formel 1 und das gesamte Umfeld also noch immer. Spätestens erledigt sein wird die Debatte wohl erst, wenn irgendwann im Saisonverlauf 2018 ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten sein wird. Dasselbe wird rund um das zweite sehr leidige Thema der vergangenen Wochen und Monate erwartet, den Cockpitschutz Halo.

Doch noch sind beide Themen brandaktuell. So sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff kürzlich über den Abschied von den F1-Mädels: "Ich fand die Grid Girls ganz gut und in keinster Art und Weise diskriminierend. Ich erinnere mich an Österreich mit Dirndl und Trachten, um das Land zu repräsentieren. Aber es ist wie es ist. Die Idee mit den Kids ist gut. Man muss Zugeständnisse machen, wenn man etwas ändern will. Hoffentlich funktioniert alles."

Am Montagabend kamen die Grid Girls auch bei Sport und Talk im Hangar-7 zur Sprache. Gerhard Berger in der ServusTV-Sendung über die Abschaffung der Grid Girls: " Mich stört, dass uns alles aufgezwungen wird. Es soll doch jeder Veranstalter selbst entscheiden."

Auch der 74-malige GP-Starter Hans-Joachim Stuck würde die Grid Girls gerne weiter in der Formel 1 sehen. "Eine Shakira oder Helene Fischer werden jetzt auch nicht im Hosenanzug auftreten. In Amerika würden sie die Stadien abreißen, wenn die Cheerleader verboten werden", so Stuck.


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