Tipp
Formel 1 / Analyse

Formel 1 Trainingsanalyse: Verkehrte Welt bei Mercedes, Ferrari

Das Training für das Finale 2017 in Abu Dhabi verspricht ein enges Rennen: Lewis Hamilton und Sebastian Vettel spüren den Atem ihrer Teamkollegen im Nacken.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Das Finale der Formel-1-Saison 2017 in Abu Dhabi verspricht noch einmal ein enges Rennen zwischen Mercedes und Ferrari. Bei den Longruns am Freitag waren aber nicht nur die Titelkämpfer Lewis Hamilton und Sebastian Vettel mit einer beeindruckenden Pace unterwegs. Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas scheinen am 21. Rennwochenende voll bei der Musik zu sein.

"Was Kimi angeht, wenn wir uns die Longruns von heute anschauen, ist er in einer ziemlich guten Form", fand Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene am Freitag in Abu Dhabi eine schnelle Antwort auf kritische Fragen über den Iceman. Nachdem der Finne das teaminterne Duell dieses Jahr relativ deutlich gegen Sebastian Vettel verlor, war er an diesem Freitag überraschend konstant unterwegs.

Auf dem Ultrasoft-Reifen legte Räikkönen mit einer durchschnittlichen Rundenzeit von 1:43.079 Minuten im 2. Freien Training den besten Wert der Spitzen-Teams hin. In Abu Dhabi bietet diese Session die einzige richtige Vorbereitungsmöglichkeit für den Ernstfall am Rennsonntag. Während FP1 und FP3 bei Tageslicht und heißen Temperaturen abgehalten werden, findet die zweite Trainingssession in der Dämmerung statt und endet in der Dunkelheit - genau wie der Grand Prix.

Während Räikkönen auf dem Longrun sehr konkurrenzfähig aussah, verlor er auf einer schnellen Runde eine knappe halbe Sekunde auf die Bestzeit von Hamilton. "Es war heute nicht einfach, eine gute Runde zusammenzubekommen. Das Auto fühlt sich in einigen Passagen sehr gut an, in anderen hätte es aber noch besser sein können", gibt er zu Protokoll.

Abu Dhabi: Longruns auf Ultrasoft-Reifen

Fahrer Durchschnittliche Rundenzeit Abstand Reifenalter Session
Kimi Räikkönen 1:43,079 Minuten 23 FP2
Valtteri Bottas 1:43,084 Minuten + 0,005 Sekunden 20 FP2
Lewis Hamilton 1:43,153 Minuten + 0,074 Sekunden 13 FP2
Daniel Ricciardo 1:43,177 Minuten + 0,089 Sekunden 21 FP2
Sebastian Vettel 1:43,295 Minuten + 0,216 Sekunden 12 FP2
Max Verstappen 1:43,538 Minuten + 0,459 Sekunden 16 FP2

Hinter Ferraris Nummer zwei reihte sich mindestens genau so überraschend Valtteri Bottas ein. Der Finne in Mercedes-Diensten verlor im Mittelwert nur fünf Tausendstelsekunden auf seinen Landsmann. Erst dahinter folgte Weltmeister Hamilton. Mit 74 Tausendstel auf die Zeit von Räikkönen war der Abstand des Briten jedoch minimal. "Es geht recht eng zu, aber das gefällt mir", so der stets kampfeslustige Hamilton.

Ebenfalls voll dabei war Daniel Ricciardo im Red Bull. Der Australier überzeugte mit einem Durchschnitt von 1:43.177 Minuten und hatte mit 20 Runden alten Reifen eine ähnliche Laufleistung auf dem Buckel, wie Räikkönen und Bottas an der Spitze. "Auf die Renndistanz haben wir mit weniger Sprit eine bessere Figur gemacht, meine ich", so das Fazit von Ricciardo, der seinem Teamkollegen Max Verstappen dabei fast eine halbe Sekunde abnahm.

Der Niederländer war jedoch mit einer relativ betagten Renault Power Unit unterwegs, wie Dr. Helmut Marko gegenüber Motorsport-Magazin.com erklärt. "Wir hoffen nur, dass der Motor das Training noch durchhält." Verstappen selbst haderte jedoch auch mit der Balance seines RB13: "Ich fühlte mich einfach nicht wohl, das Auto lenkte nicht schnell genug ein. Das ist ein Killer auf dieser Strecke, weil hier Kurve auf Kurve folgt."

Zwischen den beiden Bullen reihte sich Vettel ein. Mit zwei Zehnteln auf Teamkollege Räikkönen war auch sein Rückstand überschaubar. "Es wird eng, auch mit Red Bull war es das heute", so der 30-Jährige, der allerdings nicht erwartet, dass sein ehemaliges Team im Qualifying den Anschluss halten kann: "Samstag ist oft etwas anders, weil Red Bull da etwas zurückfällt.

Formel 1, Abu Dhabi 2017: Die wichtigsten Fragen zum Finale: (03:53 Min.)

Hamilton dominiert in Abu Dhabi die Longruns auf Supersoft-Reifen

Der Ultrasoft-Reifen wird im Qualifying wohl wie immer erste Wahl sein und demzufolge auch der Startreifen der Top-10 sein. Später wird bei Dunkelheit und kühleren Temperaturen jedoch der Supersoft zum Einsatz kommen. Während alle sechs Piloten der Spitzen-Teams Longruns auf der weichsten Mischung absolvierten, konzentrierten sich nur ausgewählte Fahrer auf die Erprobung des Supersoft.

"Wir haben beide Reifen mit beiden Autos probiert", so Vettel, der für Ferrari den härteren der beiden Reifen unter die Lupe nahm. Gegen die Rundenzeiten von Hamilton hatte er auf dieser Mischung jedoch keine Chance. Der Silberpfeil-Pilot fuhr im Schnitt eine Rundenzeit von 1:42.577 Minuten und war damit satte 1,078 Sekunden schneller als Vettel.

Besser aufgelegt war Ricciardo, der nur zweieinhalb Zehntel auf Hamilton verlor. "Wir sind zwar nicht so schnell wie Lewis, aber auf dem Niveau von Ferrari", ist sicher. Verstappen war ebenfalls noch besser aufgelegt als Vettel, verlor auf seinem Supersoft-Longrun mit 0,630 Sekunden jedoch noch mehr Zeit auf den Teamkollegen.

Abu Dhabi: Longruns auf Supersoft-Reifen

Fahrer Durchschnittliche Rundenzeit Abstand Reifenalter Session
Lewis Hamilton 1:42,577 Minuten 23 FP2
Daniel Ricciardo 1:42,817 Minuten + 0,240 Sekunden 13 FP2
Max Verstappen 1:43,447 Minuten + 0,870 Sekunden 18 FP2
Sebastian Vettel 1:43,655 Minuten + 1,078 Sekunden 13 FP2

Weitere Inhalte:
Motorsport-Magazin.com fragt
Wir suchen Mitarbeiter