Formel 1

Red-Bull-Abschied? Daniel Ricciardos Zukunft 2018 am Scheideweg

Max Verstappens Red-Bull-Vertrag macht die Formel-1-Saison 2018 für Daniel Ricciardo zu einer richtungsweisenden. Führt sie ihn zu Ferrari oder Mercedes?
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Daniel Ricciardo schlug nach seiner Beförderung zu Red Bull in der Formel-1-Saison 2014 ein wie eine Bombe. Der Australier stellte in seinem ersten Jahr in der A-Mannschaft der Österreicher den Teamleader und viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel klar in den Schatten. Nach 2018 könnte seine Zeit bei Red Bull jedoch ihr Ende finden. Während Max Verstappen schon dieses Jahr bis einschließlich 2020 verlängert hat, hält sich Ricciardo seine Optionen offen.

"Ich denke nicht, dass es mir in irgendeiner Weise schadet. Wenn überhaupt, stärkt es meine Position", erklärte Ricciardo, dass er angesichts der vorzeitigen Vertragsverlängerung seines Teamkollegen keinerlei Zukunftsängste hat. Dass der heißbegehrte Shooting Star Verstappen für die kommenden Jahre vom Markt ist, könnte sich für den 28-Jährigen in der Tat als Ass im Vertragspoker erweisen.

Ende 2018 laufen bei den Top-Teams von Mercedes und Ferrari gleich drei Verträge aus. Die Cockpits von Lewis Hamilton, Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen sind für 2019 zu haben. Lediglich Sebastian Vettel hat seinen Kontrakt bei der Scuderia diesen Sommer frühzeitig verlängert. Der Deutsche bleibt bis einschließlich 2020 in Maranello. Seine Chancen auf die drei offenen Plätze schätzt Ricciardo nicht allzu schlecht ein.

"Wenn Max bei Ferrari oder Mercedes auf dem Radar war, ist einer meiner Konkurrenten schon aus dem Rennen", so der fünfmalige Grand-Prix-Sieger, dem die Schwachstellen bei den Gegnern nicht verborgen geblieben sind: "Wenn ich Kimi und Valtteri anschaue, helfen sie Lewis und Seb nur, weil sie selbst nicht stark genug waren. Wenn Valtteri vor Lewis wäre, würde er ihm nicht helfen. Ich denke, die Leistungen sprechen immer für sich selbst."

Eine relativ deutliche Sprache spricht 2017 jedoch auch das Kräfteverhältnis in der Red-Bull-Garage. Während Ricciardo in Baku lediglich durch viel Chaos zu einem Saisonsieg kam, hat Verstappen schon zwei Triumphe auf dem Konto, für die er definitiv etwas mehr Arbeit als der Stallgefährte leisten musste. Im Qualifying-Duell steht es darüberhinaus 12:6 für den Niederländer. Im ersten gemeinsamen Jahr hatte Ricciardo noch mit 11:6 die Nase vorne.

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Ricciardo: Verstappen ist Red Bulls kommerzielles Zugpferd

Dass Red Bull die Vertragsverlängerung mit dem 20-Jährigen forcierte, wunderte Ricciardo aber auch ungeachtet des momentanen Kräfteverhältnisses im Team nicht. "Mir ist klar, dass er einige Rekorde gebrochen hat und Red Bull als Marke würde es sicherlich gefallen, wenn er noch mehr bricht. Das ist in Ordnung. Ich verstehe, dass es dem Image der Marke einen Boost verleihen wurde", so Ricciardo.

Angst vor einem Räikkönen- oder Bottas-Schicksal hat er jedoch nicht. "Bisher ist alles im Team gleich", versicherte der Publikumsliebling aus Perth. "Ich versuche da auch nicht drüber nachzudenken, denn ich will mir in meinem Kopf nichts zusammenspinnen, das vielleicht gar nicht existiert." Sollte er das Gefühl haben, dass der Teamkollege bevorzugt wird, würde er dies auch zur Sprache bringen, wie er versichert: "Wenn das so wäre, würde ich meiner Frustration Luft machen. Das würde ich sicherlich nicht verstecken."

Red Bull unterstreicht, dass Ricciardo sich der Gleichstellung innerhalb des Teams voll und ganz bewusst ist. "Er weiß wie wir Motorsport betreiben und unsere beiden Fahrer behandeln. Es geht ihm damit sehr gut und und er ist sehr glücklich damit", so Teamchef Christian Horner.

Auf persönlicher Ebene läuft es zwischen Ricciardo und Verstappen bisher ausgezeichnet. Einzig die teaminterne Kollision in Budapest sorgte für ein paar Kratzer an der Oberfläche. Red Bull betonte stets, dass man sowohl Verstappen als auch Ricciardo langfristig halten will. "Ein Fahrer ist fix, wir würden ihn auch gerne weiterhin bei uns sehen. Nun müssen wir schauen, wie sich das managen lässt", erklärte Dr. Helmut Marko gegenüber Motorsport-Magazin.com.

Horner: Ricciardos Entscheidung muss wohlüberlegt sein

Ricciardo hofft genau wie Verstappen, dass Red Bull 2018 von Beginn an um die Weltmeisterschaft kämpfen kann. Die Standortbestimmung 2018 will er in jedem Fall abwarten: "Ich werde natürlich zu Anfang der kommenden Saison die Möglichkeit haben, zu sehen, wo wir mit Red Bull stehen und dann meine Karten spielen." Sollte der RB14 der Konkurrenz von Mercedes und Ferrari die Stirn bieten können, wäre ein Verbleib im Team eine Option.

Red Bull weiß hingegen auch, dass Ricciardos nächste Entscheidung für seine Zukunft in der Formel 1 von großer Tragweite sein wird. "Sein nächster Schachzug ist im Alter von 28 Jahren ein sehr wichtiger für ihn", sagt Horner. "Aber er weiß um unsere Absichten. Ich habe es mit ihm diskutiert. Wir wollen ihn im Team und wenn wir noch sechs Monate warten müssen, ist das halt so."

Klar ist bei der Teamführung jedoch auch, dass ihr Wunsch-Fahrer seine Möglichkeiten für 2019 genau prüfen wird. "Ich denke, er will erst sehen wie die Motor-Performance nächstes Jahr aussieht, was verständlich ist", erklärt Horner weiter. "Ich bin mir sicher, dass er sich die Zeit nehmen wird um sicherzustellen, dass er die richtige Entscheidung für sich trifft." Bei Red Bull hat man vorgesorgt, sollte sich Ricciardo nicht überzeugen lassen.

Der Edelreservist des Fahrerkaders wurde aus diesem Grund für 2018 nicht an Renault verkauft. "Deshalb haben wir Carlos Sainz ausgeliehen. So haben wir unsere eigenen Optionen. Wir haben ein Sicherheitsnetz aber unser oberstes Ziel ist, unsere Fahrerpaarung zu behalten." Ricciardo wiederum stellte klar, dass sein jetziger Arbeitgeber sich in Geduld üben muss: "Ich werde mich nicht früh auf irgendetwas festlegen. Ich denke, ich sollte klug sein und mir Zeit lassen."

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Lewis Hamilton und Sebastian Vettel hätten kein Problem mit Ricciardo

Ricciardo selbst hatte schon mehrfach bekräftigt, dass er keineswegs davor zurückschrecken würde, sich auch mit anderen Top-Piloten in der Königsklasse zu messen. Sebastian Vettel hatte im gemeinsamen Jahr bei Red Bull gegen ihn eine harte Zeit. Die Chance, dass sich die beiden bei Ferrari wiedersehen, ist durchaus gegeben. "Ich war als Kind ein Fan. Ehrlich gesagt waren wir eine Ferrari-Familie. Es gibt auch Fotos von mir als Kind im Ferrari-Shirt", gab Ricciardo im Sommer zu.

Ihm ist durchaus bewusst, dass viele Fans ihn gerne bei der Scuderia sehen würden. "Ich denke, viele Leute wollen das sehen. Aber ob das bei den Leuten, die bei diesen Entscheidungen wirklich eine Rolle spielen, auch so ist, weiß ich nicht." Gegenüber Motorsport-Magazin.com konnte sich Ricciardo vorstellen, dass Räikkönen auch über 2018 hinaus in Maranello fährt: "Ich denke, sie mögen Kimi auch. Wenn ich ganz ehrlich bin, könnte ich mir vorstellen, dass sich da für 2019 wohl sowieso nichts ändert."

Vettel hätte kein Problem damit, sich auch in Rot mit Ricciardo zu messen. "Ich mag Daniel", so der Deutsche trotz der Niederlage im Jahr 2014. "Wenn du nicht Rennen fahren willst gegen egal wen, was ist dann noch der Sinn des Rennfahrens?" Ganz ähnlich sieht es Lewis Hamilton. Ricciardo hatte zuletzt geäußert, gegen den britischen Superstar gerne noch in der Blüte dessen Karriere im selben Team fahren zu wollen.

"Ich nehme das als Kompliment", so Hamilton, der jedoch gleich eine Kampfansage nachschob. "Ich glaube nicht unbedingt, dass die Leute wirklich gegen mich antreten wollen, denn für manch einen ist das nicht immer das Beste, was ihm passieren kann. In manchen Fällen kann es aber auch sehr gut sein, denn es kann dir helfen, zu wachsen." Der viermalige Weltmeister glaubt jedoch auch, dass Ricciardo 2018 erst einmal eine ganz andere Herausforderung bevorsteht.

"Er hat einen großartigen Fahrer als Teamkollegen und wenn ich ehrlich bin, muss er hart arbeiten, um diesen erstmal zu schlagen. Du musst immer erst denjenigen besiegen, gegen den du in erster Linie antrittst, bevor du dir jemand anderen ausgucken kannst, den du schlagen willst", gab Hamilton zu bedenken, der betont, selbst vor niemandem Angst zu haben: "Mir ist egal, gegen wen ich antrete. Ich habe das Gefühl, schon gegen den besten hier gefahren zu sein - und der heißt meiner Meinung nach Fernando."


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