Formel 1

Formel 1: Force India macht P4 klar, echtes Racing in Brasilien

Das Formel-1-Team von Force India hat es geschafft: P4 in der Team-Wertung ist fix - im zweiten Jahr in Folge. Gute Neuigkeiten für Sergio Perez und Ocon.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Force India hat es wieder geschafft: Mit den Plätzen fünf und sieben für Esteban Ocon und Sergio Perez in Mexiko ist der Rennstall nicht mehr von P4 in der Konstrukteurswertung der Formel 1 zu verdrängen. Zwei Rennen vor dem Saisonende liegt Force India uneinholbar 99 Punkte vor Williams, maximal 86 sind in Brasilien und Abu Dhabi noch zu vergeben.

Damit bestätigt Force India das Ergebnis aus dem Vorjahr, als sich der finanziell und strukturell im Vergleich zu vielen abgeschüttelten Gegner kleine Rennstall erstmals gegen genauso viele Big Player durchgesetzt und Position vier eingefahren hatte. Schon zuvor hatte sich Force India seit 2012 durchgängig verbessert, seit 2013 bei der Punkteausbeute.

Force India übertrifft 2017 bestes Formel-1-Jahr

Letzterer Trend setzt sich weiter fort: Schon zwei Rennen vor Schluss haben Perez und Ocon mehr mit 175 mehr Zähler erzielt als Perez und Nico Hülkenberg mit 173 im Vorjahr. "Es ist ein toller Tag für das Team. Der fünfte Platz im Rennen und den vierten Platz in der Meisterschaft zu sichern sind eine fantastischer Erfolg nach einer starken Saison", jubelte Esteban Ocon nach dem Rennen in Mexiko.

Force India: Die Team-Bilanz in der Formel 1

Saison WM-Rang WM-Punkte
2008 10 0
2009 9 13
2010 7 68
2011 6 69
2012 7 109
2013 6 77
2014 6 155
2015 5 136
2016 4 173
2017* 4 175

*Stand Mexiko GP (18/20 Rennen)

"Es ist fantastisch, den vierten Platz in der Meisterschaft mit einem konkurrenzfähigen Rennen vor so vielen mexikanischen Fans zu bestätigen. Dieses Ergebnis demonstriert erneut den Fortschritt, den wir diese Saison gemacht haben und der vierte Platz in der Meisterschaft im zweiten Jahr in Folge ist eine wundervolle Belohnung für das ganze Team", sagte Teamchef Robert Fernley.

"Das Hauptziel an diesem Wochenende war, den vierten Platz in der WM zu bestätigen. Deshalb bin ich extrem glücklich, dass wir das zwei Rennen vor Saisonende geschafft haben", ergänzte Sergio Perez. "Wir haben immer gesagt, dass wir P4 nicht verlieren wollen", sagte Geschäftsführer Otmar Szafnauer schon zuvor - mit Blick auf die umstrittenen Teamorder-Regeln des Teams.

Brasilien: Force India erlässt Ocon und Perez Racing-Verbot

Seit dem teaminternen Unfall von Belgien - zuvor hatte es auch schon in Baku zwischen Ocon und Perez gekracht - durften die Teamkollegen nicht mehr frei gegeneinander kämpfen. Stattdessen presste Force India seinen Fahrer in ein Regel-Konzept. In der Regel bedeutete das in den Rennen die Anweisung: Position halten, Nicht-Angriffspakt.

Zumindest die Zahlen geben Force India recht: Seit Inkrafttreten der Regeln gab es ausschließlich doppelte Punkteankünfte, insgesamt führte das zu einer bislang exzellenten Quote von 15/18 Rennen, in denen Ocon und Perez beide punkteten. Der Schlüssel zu P4. Echte Racer jedoch waren mit dem Racing-Verbot natürlich gar nicht happy.

Angesichts der frühen Entscheidung liegt nun der Schluss nahe, dass die Regeln überhaupt nicht nötig waren. Doch dem widerspricht Szafnauer entschieden. "Wenn man zurückblickt, dann heißt es bestimmt, wir seien doch sowieso easy Vierter geworden. Aber schau' nur mal zurück. In Baku, wo wir gecrasht sind, da war Stroll auf dem Podium. Da war es alles noch nicht so klar und die Punkte noch enger zusammen", so Szafnauer zu Motorsport-Magazin.com.

Und wenn ein Kampf zwischen Perez und Ocon nicht helfe - warum solle man ihn dann durchführen, fragt Szafnauer. "Was soll das? Du riskierst dann nur, dass sie crashen und null Punkte holen." Dennoch: Nachdem P4 in der WM nun fix ist, lässt Force India die Leine wieder los. "Jetzt können sie wieder frei Rennen fahren", bestätigt Szafnauer. Etwas flau im Magen scheint dem Geschäftsführer dabei jedoch noch immer:"Falls sie sich berühren sollten richtet es jetzt weniger Schaden an. Aber Auto-Teile sind auch nicht umsonst, also gibt es noch immer ein Risiko ..."

Formel 1 Mexiko 2017: Die Highlights in 60 Sekunden: (01:05 Min.)

Das gilt umso mehr, weil Force India, wie eingangs geschildert, eben nicht finanziell auf Unmengen von Rosen gebettet ist. "Wir haben von allen in der Formel 1 das kleinste Budget und das zwingt uns dazu, einige Dinge anders zu machen und die Dinge vielleicht anders anzugehen als manch anderer", erklärt Szafnauer. Mit Blick auf das Ergebnis erfülle ihn das jedoch umso mehr mit Stolz.

"Ich bin allen in Silverstone sehr dankbar - das ist der Ort, an dem die meiste Arbeit geschieht. Die Welt sieht, was wir hier (an und auf der Strecke, Anm. d. Redaktion) tun, aber ich muss dem ganzen Team danken. Die Jungs und Mädels in Silverstone haben einen fabulösen Job gemacht dieses Jahr, besonders, indem sie das Auto so weiterentwickelt haben wie wir es jetzt zum Ende haben", lobt Szafnauer. Selbst in Mexiko hatte das Team noch Upgrades dabei - dieses Mal gab es einen neuen Unterboden.

Force India: 2018 wird noch härter als härteste Saison 2017

"Leicht ist das alles aber nicht und ich denke, dass nächstes Jahr sogar noch schwieriger werden wird", fürchtet Szafnauer, der 2017 zuletzt schon als das bislang härteste Jahr der Teamgeschichte bezeichnet hatte. Wegen der nötigen Großinvestitionen im Zuge der Regel-Revolution in Sachen Chassis und Aerodynamik.

Dennoch vertraut Szafnauer weiter darauf, dass Force India erneut seinen Weg finden wird. Zumal es auf anderer Seite auch Tendenzen gibt, die es dem Team leichter machen werden. Stichwort Esteban Ocon. Der Franzose steht erst ganz am Anfang seiner Formel-1-Karriere, hat also sicher noch einiges an Potential in petto.

Szafnauer: "Er ist ein intelligenter, junger Mann, ein toller Rennfahrer. Aber es gibt keinen Ersatz für Erfahrung. Wenn wir ihn mit Hülkenberg vergleichen, dann hat der noch die Nase vorne. Aber er ist noch Jung. Das hier ist sein erstes richtiges Jahr in der Formel 1, er lernt also noch. Aber er ist schon sehr gut für sein Alter. Wir werden schon sehen, was einmal daraus wird ..."


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