Formel 1

Formel 1, Austin 2017: Renault-Debütant Sainz vor Hülkenberg

Carlos Sainz erlebte bei seinem Renault-Debüt in Austin einen Einstand nach Maß. Der Spanier war im Training auf Anhieb mit Nico Hülkenberg auf Augenhöhe.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Für Carlos Sainz wurde am Trainingsfreitag für den USA GP 2017 mit seinem Debüt für Renault ein langersehnter Traum war. Nach zweieinhalb Jahren im Toro Rosso ging der Spanier an der Seite von Nico Hülkenberg in Austin erstmals in den Farben eines Werksteams auf die Strecke. Von Eingewöhnungsproblemen zeigte er dabei keine Spur: Sainz landete schon am ersten Tag vor dem etablierten Teamkollegen.

Fünf Tausendstel lag Sainz im 2. Freien Training vor Hülkenberg, womit das Renault-Duo sich auf den Plätzen elf und zwölf gleich hinter den Top-10 in Stellung brachte. Sainz erlebte bei seinem Einstand für die Franzosen äußerst produktiven Tag. "Es war mehr interessant als schwierig", resümiert der Red-Bull-Mann, der für 2018 sowie die ausstehenden Rennen dieser Saison von seinen Förderern an Renault ausgeliehen wurde.

"Es fühlte sich seltsam an und ich brauchte ein paar Runden, um zu realisieren, dass ich nun ein Renault-Fahrer bin und ab jetzt mit Vollgas für dieses Team kämpfe. Für mich bedeutet es sehr viel, dass ein Werksteam wie Renault so hart darum gekämpft hat, mich früher ins Auto zu setzen. Das bedeutet, dass sie viel Vertrauen und mich setzen und das gibt mir Selbstvertrauen. Das Team glaubt an mich und das will ich ihnen zurückzahlen", erklärt Sainz.

An seinem ersten Arbeitstag im R.S.17 spulte er stramme 54 Runden ab. Die Unterschiede zu seinem bisherigen Arbeitsgerät, dem STR12 aus dem Hause Toro Rosso, waren deutlich spürbar, wie er im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com zugibt. "Es ist sehr anders. Die Bremsen, die Servolenkung, das Gaspedal und die Motor-Mappings. Alles ist anders und daran musst du dich gewöhnen. Das heißt aber nicht, dass es besser oder schlechter ist."

Zumindest die Power Unit aus dem Hause Renault war ihm aus seinem alten Dienstfahrzeug vertraut. "Letztendlich ist die Power Unit nur das Gaspedal und das Herunterschalten. Wo dich wirklich dran gewöhnen musst, ist die Balance des Autos. An diese Dinge gewöhne ich mich Stück für Stück. Ich bin sicherlich noch nicht zu 100 Prozent angekommen. Ich muss mich darauf einstellen, diese Unterschiede zu spüren und was im Auto alles vor sich geht."

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Sainz findet Vergleich zwischen Renault und Toro Rosso unfair

Einen direkten Vergleich zwischen Ex-Team und seinem neuen Zuhause zu ziehen, findet der 23-Jährige allerdings falsch. "Das behalten ich lieber für mich. Wenn es ein Vorteil ist, werde ich nicht lügen. Aber es sind zwei unterschiedliche Philosophien, Teams und Autos. Ich denke nicht, dass es fair wäre, zwei Autos direkt zu vergleichen. Die Erkenntnisse nutze ich also nur für mich selbst", gibt er sich diplomatisch.

Entscheidend war für Sainz, möglichst schnell mit dem neuen Boliden auf Tuchfühlung gehen zu können. Dementsprechend erleichtert war er über den reibungslosen Freitag auf seiner Seite der Garage. Ohne Erfahrungswerte mit dem Boliden wäre jeglicher Verlust an Streckenzeit besonders schmerzhaft gewesen: "Dadurch hat man natürlich etwas mehr Druck. Denn du musst dich anpassen und es darf nichts schiefgehen, damit du alle geplanten Runden abspulen kannst."

Mit dem Regen am Vormittag bekam Sainz allerdings gleich die Möglichkeit, das Auto bei unterschiedlichen Bedingungen kennenzulernen. "Es war ein interessanter Tag, vor allem weil ich das Auto erst im Nassen und dann im Trockenen fühlen konnte. Wir hatten einen reibungslosen Tag ohne Probleme und konnten alle Runden absolvieren, die wir geplant hatten", fügt er an. Auf der anderen Seite der Garage musste Hülkenberg hingegen als Versuchskaninchen herhalten.

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Hülkenberg mit neuem Motor und Strafversetzung

Der Deutsche bekam für den Grand Prix auf dem Circuit of The Americas eine Strafversetzung von 20 Plätzen aufgebrummt, weil an seinem Renault MGU-H, ICE und TC gewechselt werden mussten. Dementsprechend war er auf einem anderen Programm unterwegs als der neue Stallgefährte. Der Regen kam Hülkenberg im ersten Training deshalb überhaupt nicht gelegen, da er so auch in der Session am Nachmittag die Experimente fortsetzen musste, die das Team im FP1 nicht erledigen konnte.

"Wir hatten unterschiedliche Programm, besonders was die Aerodynamik-Seite anging. Das Team hatte viel im Windkanal gearbeitet, um die letzten Rennen zu verstehen. Ich konnte da ohne Erfahrung mit dem Auto nicht viel zu beitragen. Aber wenn man mir am Vortag gesagt hätte, dass ich sofort so eine Pace fahren würde, hätte ich das sofort unterschrieben. Damit muss ich schon zufrieden sein", so Sainz, dem nicht verborgen blieb, dass Hülkenberg noch nicht am Maximum operierte.

Renaults Speerspitze muss in Austin zwar die Grid Penalty hinnehmen, wird dafür aber in den ausstehenden Rennen mit einer neuen Evolutionsstufe und mehr Power unterwegs sein. Sainz kann mit diesem Nachteil jedoch gut leben: "Natürlich würde ich auch gerne den schnelleren Motor haben. Aber für mich macht es im Moment keinen Sinn, die neue Ausbaustufe zu fahren Selbst wenn es ein paar Zehntel bringt. Es kostet zu viele Positionen, sie überhaupt zu bringen."

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Sainz: Brauche in Austin einhundertprozentiges Vertrauen

Sainz erhofft sich, dass ihm der kleine Nachteil gegenüber Hülkenberg etwas mehr Luft verschafft, sich einzuschießen. "Ich denke, die ein oder zwei Zehntel, die mir fehlen, werden ein bisschen die Aufmerksamkeit vom Qualifying weglenken, da wir nicht unter denselben Voraussetzungen fahren. Ich hätte zwar gerne dieselbe Ausbaustufe, aber strategisch macht es keinen Sinn."

Für sein erstes Qualifying in Gelb muss er sich ohnehin wieder auf ein ganz anderes Auto einstellen, denn mit der Konfiguration für das Zeittraining fuhr Sainz am Freitag noch nicht. "Am Samstag fahren wir mit weniger Benzin und mehr Power. Das wird wieder ein anderer Tag und da muss ich mich wieder anpassen. Ich muss einfach im Hinterkopf behalten, dass sich das Auto anders anfühlt, wenn ich in eine Kurve fahre", erinnert er daran, dass ihm der Renault noch längst nicht so vertraut vorkommt, wie der Toro Rosso.

"Mal sehen, wie ich mich auf das Auto einstellen kann und wie wir es auf mich einstellen können. Das ist auch ein wichtiger Faktor. Mit den 2017er Autos musst du einhundertprozentiges Vertrauen haben, bevor du Vollgas durch die S-Kurven hier in Austin fahren kannst. Wir müssen noch daran arbeiten, dass ich dieses Vertrauen erlange. Das Ziel wird dasselbe sein, das es bei Renault schon das ganze Jahr über ist: Das Q3. Aber wenn nicht alles perfekt läuft, gibt es noch ein langes Rennen. Ich mache mir also keinen Druck."


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