Formel 1

Formel 1 Malaysia 2017: Die Tops und Flops aus Sepang

Max Verstappen lässt den Knoten Platzen, bei Mercedes regiert der Schock. Zudem: Einige besondere Fahrerleistungen. Die Tops und Flops aus Malaysia:
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Es war der vorerst letzte Malaysia GP der Formel 1, und Max Verstappen trug sich als elfter Fahrer in die Siegerliste ein. Sebastian Vettel zeigte eine tolle Aufholjagd, doch Ferraris Zuverlässigkeit versagte in Malaysia komplett. Ebenso erlebte Mercedes einen echten Schock, dort fehlte es schlicht an Pace. Motorsport-Magazin.com hat die Tops und Flops aus Malaysia.

Top: Verstappens Pechsträhne findet ihr Ende

Eine gefühlte Ewigkeit hat man Max Verstappen nicht mehr so glücklich gesehen. Nach einer bisher fast schon grotesk verlaufenen Saison mit Ausfällen am Fließband platzte in Malaysia der Knoten. Zweiter Formel-1-Sieg für den Niederländer, der tags zuvor noch seinen 20. Geburtstag feierte. "Nach der Saison, die ich hatte, kam dieser Sieg zu einem sehr guten Zeitpunkt", wusste Verstappen seinen Sieg emotional gut einzuordnen.

Besonders süß schmeckte der Sieg, weil Verstappen ihn auf der Strecke einfuhr, ohne Spielereien, allein durch ein tolles Überholmanöver gegen Lewis Hamilton. "Ich wusste, dass Lewis mehr zu verlieren hatte, weil er um die Weltmeisterschaft kämpft. Ich habe mich deshalb entschieden, mehr Risiko zu gehen. Es war meine einzige Chance", beschrieb er die Szene in Runde vier. Von da an konnte niemand mehr den Red-Bull-Piloten aufhalten.

Top: Red Bull findet den Anschluss wieder

Natürlich ist nicht ganz klar, ob Verstappen auch hätte gewinnen können, wenn Ferrari nicht zur Unzeit ein Zuverlässigkeitsdefizit erlitten hätte. Doch allein die Tatsache, dass es möglich erscheint, beweist die Reinkarnation der Stärke in Milton Keynes. Selbst auf einer Strecke wie in Malaysia war Red Bull absolut mit bei der Musik, anders als der Sieg in Baku schwingt dieses Mal nicht das Gefühl des Abstaubers mit. Red Bull war einfach saustark. "Ich glaube, wir hatten hier die Pace für alle Autos", betont Teamchef Christian Horner selbstbewusst.

Ich glaube, wir hatten hier die Pace für alle Autos.
Christian Horner

Nachdem man zum Saisonstart erkennen musste, dass an der Spitze andere die Musik spielen und man selbiger nur hinterherfährt, gibt das britisch-österreichische Orchester nun selbst den Ton an. "Vor allem in der zweiten Hälfte der Saison haben wir uns stark verbessert. Wenn wir bedenken, dass wir in Melbourne noch 1,5 Sekunden weg waren und hier das beste Auto hatten, zeigt das die harte Arbeit, die hinter den Kulissen in Milton Keynes gleistet wird", gibt Horner das Lob an die Fabrik weiter.

Für die nächsten Rennen rechnet sich Red Bull nun große Chancen aus, auf der Erfolgswelle weiter zu surfen. "Wir haben nun fünf weitere Rennen vor uns und jedes dieser Rennen ist wie ein Pokalfinale", weiß Horner. Nächster Halt: Suzuka.

Malaysia 2017: F1-Diskussion über Vettel, Verstappen und Mercedes: (15:08 Min.)

Top: Vettel zeigt Kämpferherz

Betretene, beinahe schon verzweifelte Gesichter waren am Samstag in der Ferrari-Garage zu erkennen, als klar war, dass Sebastian Vettel vom letzten Platz aus ins Rennen gehen muss. Doch der Heppenheimer war schon kurz danach kämpferisch, schloss gar einen Sieg nicht aus - wenn die Umstände passen. Diesen gab es dann schlussendlich nicht, dafür verlief das Rennen zu sauber. Kein Regen, kein Safety Car, keine Massenausfälle - Vettel musste selbst zusehen, wie er möglichst weit nach vorne kommt.

Und diese Mission nahm er an, bereits nach wenigen Runden lag er auf Rang 13. Nach einigen Runden hinter Fernando Alonso setzte er seinen Marsch durch das Feld fort. Seine Strategie mit dem langen ersten Stint verhalf ihm schließlich bis auf Rang fünf, ehe er auf Valtteri Bottas traf. Diesen ließ er auch stehen, Daniel Ricciardo und damit das Podium waren das nächste Ziel. Doch just, als er das Heck des Australiers erreichte, gaben seine Reifen auf.

"Ich habe mir beim Pushen auf Ricciardo die Vorderreifen ein bisschen kaputt gemacht, die Reifen sind dann in die Knie gegangen. Auch die Bremsen waren am Limit", gestand Vettel. Dennoch betrieb der Deutsche maximale Schadensbegrenzung. Sechs Punkte verlor er zwar auf Lewis Hamilton, doch mit nun 34 Punkten Rückstand kann er es knapp noch aus eigener Kraft schaffen, Weltmeister zu werden. Gewinnt Vettel die letzten fünf Rennen, ist er zum fünften Mal Weltmeister.

Top: Vandoorne lässt Alonso alt aussehen

Durchbruch für Stoffel Vandoorne! In Malaysia stellte er sein bislang bestes Einzelergebnis in der Formel 1 mit Rang sieben zwar nur ein, doch die Art und Weise, wie er diesen siebten Platz herausfuhr, war beeindruckend. Bereits im Qualifying ließ er seinen Teamkollegen Fernando Alonso hinter sich, im Rennen dann folgte die eigentliche Sternstunde. Auf der Strecke musste er nur Sebastian Vettel und Sergio Perez vorbeiziehen lassen, beide Williams dagegen fanden den Weg am McLaren Honda nicht vorbei.

Stoffel Vandoorne fuhr ein starkes Rennen - Foto: LAT Images

Und Alonso? Der steckte nach einem schwachen Start im Pulk fest, kam nie vorbei und blieb als Elfter ohne Punkte. Im Ziel fehlten ihm 35 Sekunden auf Vandoorne. "Es wird jedes Wochenende besser. Auch die letzten Rennen war ich schon stark", betonte Vandoorne. "Wir müssen einfach weitermachen. Wenn alles zusammenläuft und wir das Maximum aus dem Auto herausholen, sind große Dinge möglich", stellte er klar. In der Fahrer-WM liegt Vandoorne nun übrigens drei Punkte vor Alonso.

Top: Gasly feiert gutes Debüt

Wenige Tage vor dem Malaysia GP wurde es offiziell: Pierre Gasly ersetzt Daniil Kvyat mindestens in Malaysia und Japan. Und der Franzose machte seine Sache gut. Im Qualifying fehlte ihm auf Carlos Sainz nur wenig, im Rennen kam er ohne Fehler auf Rang 14. Dabei hatte Gasly mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen.

Es ist ein Tag, den ich nie vergessen werde.
Pierre Gasly

Sein Sitz passte nicht perfekt, was ihn im Rennen behinderte und ihm Rückenschmerzen bereitete. Und im Rennen versagte auch noch die Trinkflasche seinen Dienst. Dennoch zog Gasly ein positives Fazit. "Es ist ein Tag, den ich nie vergessen werde. Es war definitiv eine tolle Erfahrung, es lief sogar besser als erwartet", resümierte der 21-Jährige. In Japan bietet sich für ihn eine neue Chance, sich in eine gute Position für ein mögliches Cockpit 2018 zu bringen.

Top: Perez trotzt dem Virus

Sergio Perez erwies sich in Malaysia als echter Kämpfer. Der Mexikaner fuhr auf Rang sechs, und das unter erschwerten Bedingungen. Ein Magen-Darm-Infekt machte Perez zu schaffen, er stand kurz vor der Aufgabe. "An einigen Punkten am Wochenende dachte ich, dass ich aufgeben muss. Ich habe mich aber aus diesen Gedanken herausgekämpft und möchte mich bei den Ärzten bedanken, dass sie mir dabei geholfen haben", sagte Perez.

Flop: Mercedes vermisst die Pace

Bei Mercedes herrschte nach dem Malaysia GP große Ratlosigkeit. Warum war man besonders am Freitag und Sonntag so weit weg von der Musik? Im Qualifying half - soweit scheint klar - das etwas kühlere Wetter, auch der Qualifying-Modus dürfte das eine oder andere Zehntel gebracht haben. Im Rennen aber war Lewis Hamilton komplett chancenlos, Valtteri Bottas war gar noch weiter abgeschlagen. Hamilton sprach bei der Rennpace von einem Defizit von acht Zehnteln auf Ferrari und fünf bis sechs Zehntel auf Red Bull.

Bei Mercedes herrschte Rätselraten über die schwache eigene Pace - Foto: LAT Images

Hamilton sieht ein fundamentales Problem im Auto, Motorsportchef Toto Wolff dagegen führt die Performance-Schwankungen auf die Bedingungen zurück. "Dieses Auto war in vielen Fällen das schnellste Auto. Monza und Silverstone fallen mir ein, da haben wir alle weggeblasen! Es gibt einfach gewisse Bedingungen die uns underperformen lassen. Aber es ist nicht die fundamentale Pace. Das Auto ist gutes Auto, vielleicht das schnellste", meint Wolff.

Grundsätzlich habe man einfach extreme Schwankungen bei den Reifen. "Wir müssen die Reifen verstehen. Warum sie manchmal im Fenster sind und manchmal nicht - und warum uns die Hitze Probleme macht", forderte der Österreicher. Beim kommenden Rennen in Japan werden die Temperaturen deutlich geringer sein als in Malaysia. Sollte Mercedes dort auch große Schwierigkeiten haben, dürften die Fragezeichen immer größer werden.

Flop: Bottas in der Krise

Hinzu kommt bei Mercedes die Tatsache, dass Valtteri Bottas seit seiner Vertragsverlängerung der eigenen Form hinterherfährt. In Malaysia fehlte dem Finnen fast eine Minute auf Rennsieger Max Verstappen, ein für Silberpfeil-Ansprüche nicht zu tolerierender Wert. "Ich zeige momentan definitiv nicht mein Bestes oder habe das bestmögliche Vertrauen", sagte der Finne, der von der aktuell schwierigsten Phase seiner Karriere spricht.

Ich zeige momentan definitiv nicht mein Bestes oder habe das bestmögliche Vertrauen.
Valtteri Bottas

Doch was sind die Gründe? Schließlich gab es in dieser Saison schon einen ganz anderen Bottas zu sehen, ein Bottas, der Lewis Hamilton Paroli bieten kann. Davon ist aktuell aber nichts mehr zu sehen. Für Toto Wolff liegen die Mercedes-Probleme eng mit den Bottas-Problemen zusammen. "Nicht im Arbeitsfenster der Reifen zu sein ist für uns die fundamentale Story des Jahres 2017. Der Fahrstil spielt da eine Rolle, Lewis konnte sich besser daran anpassen als Valtteri", nimmt Wolff eine Teilschuld von seinem Fahrer.

Flop: Ferraris Defektwelle zur Unzeit

Hätte, wäre, wenn und aber zählen im Motorsport nicht. Dennoch: Ferrari hätte in Malaysia absolut die Pace für einen Doppelsieg gehabt, wenn die Zuverlässigkeit nicht komplett abhandengekommen wäre. Am Samstag gelang Sebastian Vettel keine Runde im Qualifying. Zuvor tauchte im dritten Training ein Problem auf, Ferrari entschloss sich zum Wechsel der Power Unit. Jedoch setzte man nicht auf einen neuen Turbo, da Vettel sonst strafversetzt worden wäre. Genau dieser alte Turbo aber verabschiedete sich im Qualifying. Der Rest ist bekannt.

Kimi Räikkönen konnte das Rennen gar nicht erst aufnehmen - Foto: Ferrari

Kimi Räikkönen erwischte es am Tag darauf mit dem fast exakt selben Problem. Die Folge: Kein Rennstart für den eigentlich auf Platz zwei qualifizierten Finnen. Rotes Fiasko, das weitreichende Folgen haben könnte. Ferrari-Präsident Sergio Marchionne war stocksauer, zudem soll die Qualitätskontrolle in Maranello nicht optimal verlaufen. Mitten im WM-Kampf präsentiert sich Ferrari damit als Chaos-Truppe, die auf dem besten Wege ist, trotz eines Mega-Autos alle Titel zu verspielen.

Flop: Hülkenberg im Rennen chancenlos

Nico Hülkenberg peilte nach dem Qualifying und Rang acht eigentlich die nächsten Punkte an, doch daraus wurde nichts. Im Rennen war der Renault-Pilot absolut chancenlos. "Es war ein sehr enttäuschender Sonntag. Es begann bereits am Start, der war nicht wirklich fantastisch. Wir haben einige Positionen verloren, und von da an waren wir hintendran", sagte Hülkenberg nach dem Rennen.

Ähnlich wie Fernando Alonso blieb Hülkenberg im Verkehr stecken und riskierte dabei viel, was die Reifen extrem beanspruchte. Die Folge: Auf Platz elf liegend musste Hülkenberg kurz vor Schluss ein zweites Mal an die Box fahren. Ohne Safety Car waren Punkte damit aussichtslos.

Flop: Grosjean verunfallt schwer

Den großen Aufreger gab es bereits am Freitag. Romain Grosjean verunfallte im dritten Training schwer. Wie sich recht bald herausstellte, war ein Gullydeckel in Kurve 15 nicht mehr richtig verankert, weshalb er durch die Sogwirkung der Autos immer weiter nach oben gezogen wurde. Als Grosjean kurz danach an die Stelle kam, hing das massive Teil aus Gusseisen schräg heraus. Grosjean erwischte es mit dem rechten Hinterrad, dieses wurde sofort zerfetzt und der Franzose verlor die Kontrolle.

Wenngleich Grosjean glücklicherweise unverletzt blieb, so hätte die Situation noch viel schlimmer ausgehen können. Etwa, wenn der Gullydeckel komplett in die Luft gesogen worden wäre und den Haas-Piloten am Kopf getroffen hätte. Die FIA brach das Training ab und inspizierte die Strecke neu.

Sebastian Vettel war sauer über den Vorfall und kritisierte die seiner Meinung nach zu laschen Kontrollen im Vorfeld. "Sowas darf nicht sein. Es liegt in der Verantwortung der FIA und der Strecke, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht passiert. Es können immer Dinge passieren, aber es sollte vorher kontrolliert werden", stellte er klar. Ein Vorfall, den sich Malaysia für das letzte Formel-1-Rennen wohl nicht gewünscht hat.


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