Formel 1

Formel 1 Rennanalyse Malaysia 2017: So lief Vettels Aufholjagd

Formel-1-Pilot Sebastian Vettel startete in Malaysia 2017 als Letzter. Seine Aufholjagd endete auf P4. Wie kam der Ferrari-Pilot nach vorne? Die Analyse.
von Christian Menath
Malaysia 2017: F1-Diskussion über Vettel, Verstappen und Mercedes: (15:08 Min.)

Der 15. Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft 2017 in Malaysia war ein Kracher: Max Verstappen holte sich den Sieg auf der Strecke gegen Lewis Hamilton, schon vor dem Rennen gab es bei Ferrari ein Technik-Drama um Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel holte mit einer spektakulären Aufholjagd die Kohlen für Ferrari aus dem Feuer.

Durch seinen Unfall in der Ehrenrunde mit Lance Stroll geriet die furiose Fahrt etwas zur Nebensache. Doch wie kam Vettel vom letzten Startplatz auf Platz vier nach vorne? Und warum reichte es am Ende nicht mehr für das Podium? Die Motorsport-Magazin.com-Rennanalyse liefert die Antworten.

Den ersten Platz gewann Vettel schon vor dem Start. Weil Kimi Räikkönen noch vor der Einführungsrunde von der Startaufstellung in die Ferrari-Garage zurückgeschoben werden musste, blieb Startplatz zwei leer. Vettel startete zwar weiterhin vom 20. und letzten Startplatz, hatte aber nur noch 18 Autos vor sich.

Am Start konnte Vettel gleich an beiden Sauber vorbeigehen. In Kurve eins hätten eigentlich auch noch Carlos Sainz und Romain Grosjean dran glauben müssen, allerdings musste Vettel stärker abbremsen, als eigentlich nötig, um eine Kollision zu verhindern. "Beinahe hätte ich da meinen Frontflügel verloren", so Vettel.

Doch Grosjean wurde in Kurve vier zum Opfer und auch Sainz, Palmer und Formel-1-Neuling Gasly mussten noch in der ersten Runde dran glauben. Am Ende der Startrunde fand sich Vettel schon auf Rang 13 wieder. Marcus Ericsson, Pascal Wehrlein, Romain Grosjean, Jolyon Palmer, Carlos Sainz und Pierre Gasly ließ Vettel stehen.

Eine Runde später kassierte Vettel auch noch Nico Hülkenberg, in Runde drei gewann der Ferrari-Pilot durch den Boxenstopp von Esteban Ocon eine weitere Position. In Runde drei war Vettel somit schon auf Platz elf angekommen

Vettel hängt zweimal hinter Alonso fest

Von da an ging es etwas langsamer nach vorne. Hinter Fernando Alonso hing Vettel fünf Runden lang fest, ehe er den McLaren überholen konnte. "Ich hatte in dieser Phase des Rennens Probleme mit dem Grip", erklärt Vettel. "Und Alonso hatte immer Windschatten, deshalb war es schwierig." Tatsächlich konnte Fernando Alonso sogar seinen Heckflügel hochklappen, weil er im DRS-Fenster von Kevin Magnussen hing.

"Danach war das Auto wieder schnell", freute sich Vettel. Das merkte man auch seiner Aufholjagd an. Magnussen war schon eine Runde nach Alonso fällig und danach kam Vettel so richtig in Fahrt, weil sich seine Offset-Strategie auszahlte. Während Vettel auf Soft losfuhr, startet die Konkurrenz abgesehen von Sauber geschlossen auf Supersoft.

Runde Platzierung Ereignis
Qualifikation 20 Aus in Q1, Motorprobleme
Startaufstellung 19 Räikkönen ausgeschieden
1 13 Ericsson & Wehrlein am Start überholt, später noch Palmer, Sainz, Gasly, Grosjean
2 12 Hülkenberg überholt
3 11 Boxenstopp Ocon
8 10 Alonso überholt
9 9 Magnussen überholt
11 8 Boxenstopp Massa
12 7 Boxenstopp Stroll
13 6 Boxenstopp Vandoorne
21 5 Perez überholt
28 6 Boxenstopp, Wechsel von Soft auf Ultrasoft
29 5 Boxenstopp Bottas
31 4 Boxenstopp Perez

Somit war klar, dass Vettel seinen ersten und einzigen Stopp länger hinauszögern konnte als seine Gegner. Und genau so sollte es auch kommen: Ein Pilot nach dem anderen verabschiedete sich direkt vor Vettel in die Box. Erst Felipe Massa, dann Lance Stroll, schließlich auch Stoffel Vandoorne. In Runde 13 war Vettel bereits auf Position sechs angekommen.

Vor Vandoorne war bereits eine Lücke von rund acht Sekunden auf Sergio Perez und Valtteri Bottas. Schon in Runde 17 war Vettel in direkter Schlagdistanz zum Force-India-Piloten. Nachdem sich der Mexikaner noch einige Runden erwehrte, verabschiedete auch er sich in Runde 21 zum Stopp und machte den Weg für Vettel frei.

Mercedes blockt Vettel mit Bottas

Doch so richtig frei war der Weg für Vettel noch nicht, denn ausgerechnet Valtteri Bottas lag nun direkt vor ihm. "Es war klar, was Mercedes mit Valtteri gemacht hat, sie haben ihn als Block hergenommen", ist sich Vettel sicher. Nachdem Vettel hinter Hamiltons Adjutanten feststecke, musste Ferrari Mercedes zuvorkommen. Vettel kam in die Box und holte sich die Supersoft-Reifen.

Theoretisch wäre es schneller gewesen, länger auf Soft zu fahren, um am Ende mit den Supersoft einen Sprint hinzulegen. Hinter Bottas hätte Vettel aber zu viel Zeit verloren. Für Ferrari war klar, dass Mercedes Bottas so lange draußen lassen würde, wie Vettel hinter ihm Zeit verliert. Und so kam es auch, in Runde 28, genau einen Umlauf nach Vettel, kam auch Bottas zum Reifenwechsel.

Ferraris Undercut hatte allerdings funktioniert, Vettel fand sich vor Bottas wieder. Von nun an hatte der Ferrari-Pilot freie Fahrt bis zu Daniel Ricciardo, der auf Rang drei lag. Vor den Boxenstopps lag Ricciardo rund 20 Sekunden vor Vettel, allein durch den zwei Runden früheren Stopp gewann Vettel allerdings schon sechs Sekunden.

Die restlichen 14 Sekunden knabberte der Ferrari-Pilot im Eiltempo ab. Die Reifenstrategien waren jetzt umgekehrt: Vettel auf Supersoft, Ricciardo auf Soft. Pro Runde nahm Vettel Ricciardo fast eine Sekunde ab. In Runde 45 war Vettel dran. In Runde 47 kam es dann zur verhängnisvollen Überrundung von Fernando Alonso. Obwohl sich Vettel und Ricciardo direkt hintereinander im Zweikampf befanden, ließ der McLaren-Pilot Ricciardo bereitwillig vorbei, scherte dann aber direkt vor Vettel wieder ein.

Vettel schimpfte am Funk: "Come on Alonso! Wirklich? Ich dachte, du seist besser als das..." Und auch nach dem Rennen machte er ihm Vorwürfe: "Ich glaube, die Leute wissen, dass er [Alonso] Ferrari nicht mag. Ich glaube, er hat sich dann dazu entschieden, Daniel ein bisschen zu helfen."

Fernando Alonso spielte für Sebastian Vettel Spielverderber - Foto: Sutton

Für Vettel war es bitter, weil er den Anschluss auf Ricciardo wieder verlor. Mühsam musste er sich wieder an den Australier heranarbeiten, in Runde 49 kam es dann zum Angriff. Ricciardo verteidigte hart, konnte Vettel so hinter sich lassen. "Der letzte Move, die Tür zu schließen, war nicht nötig, aber schon okay", meinte Vettel zum harten Verteidigungsmanöver. "Ich habe mich ein bisschen verteidigt und sah dann Seb noch immer kommen, deshalb habe ich ein bisschen später zum Scheitelpunkt hin die Tür noch einmal zugemacht. Für mich sah das nicht über-aggressiv aus", so Ricciardo.

Es sollte die letzte und einzige Attacke Vettels bleiben. Von nun an musste sich der WM-Zweite zurücknehmen. "Ich habe mir beim pushen auf Ricciardo die Vorderreifen ein bisschen kaputt gemacht, die Reifen sind dann in die Knie gegangen. Auch die Bremsen waren am Limit", erklärte Vettel. Die letzten Runden ließ sich Vettel so extrem zurückfallen, dass der ein oder andere auch vermutete, Vettel müsse Benzin sparen. "Ich bin nicht ganz zufrieden, da uns am Ende die Luft etwas ausgegangen ist", resümierte Vettel nach seiner Aufholjagd von Platz 20 auf P4.

Vettel hätte übrigens auch auf zwei Stopps gehen können, um zweimal einen Sprint auf Supersoft hinzulegen. Frische Reifen hätte er nach dem Qualifying-Desaster genügend gehabt. "Aber dann wäre ich wieder hinter Bottas festgesteckt", erklärt Vettel. Da der Reifenverschleiß allerdings nicht das ganz große Problem beim Malaysia GP war, ist fraglich, ob sich der zusätzliche Stopp rentiert hätte.


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