Formel 1

Formel 1 Gullydeckel-Crash in Malaysia: Streckenumbau schuld?

Beim Malaysia GP der Formel 1 sorgte ein Gullydeckel für einen Trainingsabbruch. Romain Grosjean crashte deshalb heftig. Ist der Streckenumbau schuld?
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Die Formel-1-Saison 2017 ist um einen Aufreger reicher: In Malaysia musste das 2. Freie Training auf dem Sepang International Circuit abgebrochen werden, weil sich ein Gullydeckel aus der Strecke gelöst hatte. Romain Grosjean schlitze sich in Kurve 13 seinen rechten Hinterreifen auf, drehte sich über Strecke und Kiesbett in die Reifenstapel hinein.

Auf Zeitlupe-Aufnahmen ist zu sehen, wie kurz vor Grosjean noch Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen über die Regenrinne fahren, die sich dabei vom Sog des Unterbodens leicht anhebt.

Sebastian Vettel hatte kurz vor Grosjean noch Glück: "Ich habe das Teil ehrlich gesagt vorher gesehen, aber dachte nicht, dass es ein Kanaldeckel ist. Ich dachte, es sei nur ein bisschen Farbe abgegangen und bin drum herum gefahren. Gott sei Dank ist ihm [Romain Grosjean] nichts passiert, als es ihn so getroffen hat."

Der Zwischenfall hätte durchaus deutlich schlimmer ausgehen können. Man denke nur daran, was passieren könnte, wenn die Drainage beim Überfahren in die Luft gewirbelt wird und einen anderen Piloten trifft. Bei einer solche Regenrinne handelt es sich um ein relativ massives Teil aus Gusseisen.

Vettel fordert daher: "Für morgen müssen wir alle Gullydeckel kontrollierten. Sowas darf nicht sein. Es liegt in der Verantwortung der FIA und der Strecke, dafür zu sorgen, dass so etwas nicht passiert. Es können immer Dinge passieren, aber es sollte vorher kontrolliert werden."

Nach dem Unfall inspizierte Rennleiter Charlie Whiting die Stelle genauer, erkannte jedoch, dass eine schnelle Lösung nicht möglich war. Experten sehen aber weniger die FIA in der Pflicht, als vielmehr die Streckenbetreiber. Die FIA kann bei der Streckeninspektion nicht jede einzelne Verschraubung überprüfen.

Malaysia nicht von Hermann Tilke renoviert

Interessant: Die Rennstrecke wurde erst vor dem Malaysia GP 2016 grundlegend erneuert. Ein komplett neuer Asphalt wurde aufgetragen, einzelne Kurven überhöht und zusätzlich wurde das Entwässerungssystem erneuert.

Die ursprüngliche Anlage wurde vom Aachener Spezialisten Hermann Tilke entworfen und gebaut. 1999 wurde zum ersten Mal ein Formel-1-Rennen auf dem Sepang International Circuit ausgetragen. Für den Umbau im Jahre 2016 war Tilke nicht mehr verantwortlich.

Es ist das erste Problem mit Regenrinnen in Sepang. Neu ist die Problematik in der Formel 1 allerdings nicht: Durch die extremen Kräfte von Reifen und Unterboden müssen Gullydeckel und Regenrinnen befestigt werden. Auf normalen Straßen reicht das Eigengewicht. Bei Rennautos entsteht allerdings eine solch große Sogwirkung, dass das Eigengewicht nicht ausreicht.

Kanaldeckel verschweißt oder verschraubt

Tilke besteht bei seinen Strecken auf die Verschraubung der Gullydeckel. Schweißen ist prinzipiell auch möglich, allerdings hält die Schweißnaht bei Gusseisen nicht besonders gut. Deshalb löste sich 2016 im Training zum Monaco GP ein Gullydeckel als Nico Rosberg im Mercedes darüber fuhr. Jenson Button, der hinter Rosberg fuhr, hatte Glück: Das Metallteil traf 'nur' seinen Frontflügel.

Nico Rosberg wirbelte in Monaco einen Kanaldeckel auf, der Jenson Button am Frontflügel traf - Foto: Motorsport-Magazin.com

Doch auch Verschraubungen bieten keine hundertprozentige Sicherheit. Bei der ersten Austragung des Bahrain GP 2004 gab es einen Materialfehler, weshalb ein Gullydeckel brach und fast David Coulthard traf. Tilke veranlasste damals, dass alle Abflüsse zubetoniert wurden. In Bahrain, bei rund zehn Regentagen im Jahr ein überschaubares Risiko. In Malaysia, wo es fast täglich tropische Schauer gibt, keine veritable Lösung.

Fraglich ist, warum die Rinne den Belastungen nicht standhielt. Für verschraubte Deckel gibt es verschiedene Hersteller, die allerdings unterschiedliche Qualität liefern. Tilke bevorzugt einen etwas kostenintensiveren Zulieferer, der die richtige Qualität garantiert. Allerdings halten sich nicht alle Strecken an die Vorgaben: In Baku entschied man sich dazu, in der Boxengasse ein günstigeres Fabrikat zu verbauen, das allerdings den Belastungen nicht standhielt.

Sollte es in Malaysia tatsächlich Probleme mit den Verschraubungen geben, ist eine schnelle Lösung schwierig. Denkbar ist, dass alle Kanaldeckel zusätzlich noch verschweißt werden.

Weil Haas ohnehin schon unschuldig bestraft wurde, weicht die FIA die Regeln für die Amerikaner zumindest ein wenig auf. Haas darf in der Nacht von Freitag auf Samstag die Sperrstunde brechen, ohne eine Strafe fürchten zu müssen. "Wir müssen sehen, wie wir Romains Auto wieder hinkriegen", meint Teamchef Günther Steiner.

Verständlich, dass der Südtiroler nicht gerade gut gelaunt ist: "Was passiert ist, sollte nicht passieren. Lose Drainagen sind im Jahr 2017 nicht mehr akzeptabel. Mal sehen, was die Behörde dazu zu sagen hat und wie sie erklären will, dass so etwas nicht mehr passiert."


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