Formel 1

Formel 1 Spa 2017: Ferrari dank Rennpace der Favorit im Rennen?

Mercedes sicherte sich überlegen die Pole in Spa. Die Rennpace sprach am Freitag aber klar für Ferrari. Der Favoriten-Check zum Belgien GP:
von Chris Lugert

Motorsport-Magazin.com - Das erste Rennen nach der Sommerpause steht an, und die Ausgangslage verspricht Spannung in den Ardennen! Lewis Hamilton und Sebastian Vettel nehmen den Belgien GP gemeinsam aus Startreihe eins in Angriff, Hamilton genießt nach seiner Traumrunde im Qualifying dabei den Vorteil der Pole-Position. Ihre beiden finnischen Teamkollegen Valtteri Bottas und Kimi Räikkönen folgen in Startreihe zwei. Reihe drei teilen sich Max Verstappen und Daniel Ricciardo.

Im Qualifying manifestierte sich einmal mehr der Eindruck, dass Mercedes - sobald es am Samstag um die Wurst geht - noch ein paar Zehntel zulegen kann. Die Ferraris, am Freitag noch absolut auf Augenhöhe, mussten arg kämpfen, um überhaupt in Startreihe eins zu kommen. Kimi Räikkönen schmiss diese Chance durch einen Fehler auf seinem letzten Versuch selbstverschuldet weg, immerhin verhalf er Sebastian Vettel dann durch die Gabe eines brauchbaren Windschattens im letzten Sektor noch zu Startplatz zwei.

Strecke kommt Mercedes entgegen

Das Layout der Strecke in Spa-Francorchamps kommt Mercedes ohnehin ziemlich gelegen. Es ist ein extrem schneller Kurs, 70 Prozent der knapp über sieben Kilometer werden mit Vollgas durchfahren. Eine perfekte Umgebung für Mercedes, den Vorteil der neuen Power Unit auszuspielen. Sowohl Hamilton, als auch Bottas bekamen für dieses Wochenende ein Update.

Mercedes setzt in Belgien eine neue Ausbaustufe des Motors ein - Foto: Sutton

Im Laufe des Wochenendes gab es verschiedene Herangehensweisen zu sehen, auf welches Setup die einzelnen Teams setzen. Red Bull exerzierte es am Freitag extrem, indem die Abstimmungen der beiden Fahrer komplett gesplittet wurden. Während Daniel Ricciardo mit extrem wenig Abtrieb fuhr und dafür auf den Geraden Spitzenwerte erreichte, probierte sich Max Verstappen am umgekehrten Weg.

Für das Rennen könnte das Setup in dieser Hinsicht eine entscheidende Rolle spielen. Denn Überholen ist auf dieser Strecke durchaus möglich. Wer radikal auf ein Low-Downforce-Setup gesetzt hat, dürfte auf der Kemmel-Geraden einen großen Vorteil haben. Besonders Force India scheint diesen Weg zu gehen. Fraglich ist nur, wie sie es schaffen, im kurvenreichen Mittelsektor dem vorausfahrenden Fahrzeug zu folgen.

Die Spitzenfahrer unterscheiden sich bei der Ausrichtung der Fahrzeugabstimmung nicht so extrem. Die Differenz der einzelnen Sektorenzeiten etwa zwischen Hamilton und Vettel war recht ausgeglichen.

Bestzeit Sektor 1 Bestzeit Sektor 2 Bestzeit Sektor 3
Lewis Hamilton 30.038 44.173 28.284
Sebastian Vettel 30.236 44.302 28.257*
*mit Windschatten-Unterstützung durch Kimi Räikkönen

Bei etwa gleichen Abstimmungen geht es also schlicht darum, welches Auto die beste Rennpace an den Tag legen kann. Und hier ist Ferrari keinesfalls unterlegen. "Auf eine Runde hatte ich das ganze Wochenende über das Gefühl, dass es schwierig wird. Aber über mehrere Runden, mit vollem Tank, habe ich mich richtig gut gefühlt. Wir werden sehen, was uns die Strategie ermöglicht", sagte ein optimistischer Sebastian Vettel nach dem Qualifying.

Im Freien Training am Freitag legte Vettel tatsächlich einen beeindruckenden Long Run an den Tag. Über eine halbe Sekunde war er schneller als Lewis Hamilton, beide fuhren auf Ultrasofts. Diese Marke ist auch Toto Wolff nicht verborgen geblieben. "Wir wissen nicht, wie viel Sprit sie dabei hatten, insofern ist alles offen. Beide Autos haben die Pace, zu gewinnen", sagte Wolff bei Sky.

Fahrer Longrun-Länge Reifen Reifen-Alter Zeit
Sebastian Vettel 5 Ultrasoft 14 1:49,975
Lewis Hamilton 5 Ultrasoft 12 1:50,575
Max Verstappen 6 Ultrasoft 11 1:50,876
Valtteri Bottas 3 Supersoft 8 1:50,793
Kimi Räikkönen 7 Soft 17 1:51,062

Unterschiedliche Reifenreserven für das Rennen

Für Überraschung sorgte Reifenhersteller Pirelli im Vorfeld des Belgien GP, als sie ankündigten, erstmals die ultrasofte Mischung in die Ardennen zu bringen. Durch die extremen Belastungen aufgrund der schnellen Kurven gilt die Strecke eigentlich nicht als bevorzugtes Einsatzgebiet der violetten Reifen. Pirelli rückte damit von der bislang eher konservativen Herangehensweise ab.

Lewis Hamilton äußerte sich sehr positiv zu dieser Auswahl, obwohl er in dieser Saison schon das eine oder andere Mal mit den weichsten Pneus zu kämpfen hatte. "Es war sehr einfach, Temperatur in die Reifen zu bekommen. Die Reifen haben sehr guten Grip geliefert. Ich denke, dass es gerade für das Qualifying eine gute Richtung war, einen Schritt weicher zu gehen", sagte Hamilton.

Red Bull verfügt über die größte Reifenreserve - Foto: Sutton

Mit den Ultrasofts werden die ersten Zehn in der Startaufstellung auch das Rennen beginnen. Im weiteren Verlauf könnte die Strategie aber das Rennen entscheiden. Denn die drei Top Teams haben eine noch sehr unterschiedliche Reifenreserve für das Rennen. Die breitesten Optionen haben die beiden Red-Bull-Piloten, Verstappen und Ricciardo haben jeweils von allen drei Mischungen noch einen frischen Satz übrig. Ferrari hat je Fahrer zwei Sätze Softs und einen Satz Ultrasofts in der Hinterhand, Mercedes dagegen nur zwei Sätze Softs pro Pilot. Die Reserven der Silberpfeile an unbenutzten Reifen sind also limitiert.

Komplett hinfällig könnten diese Überlegungen aber sein, wenn das Wetter in den Ardennen sich von seiner nassen Seite präsentieren sollte. Die Regenwahrscheinlichkeit ist für das Rennen zwar nicht sehr hoch, doch drohen besonders am Vormittag Schauer. Und präzise Vorhersagen sind für diese Gegend ohnehin nur schwer zu treffen. Regnet es, kann sich das gesamte Blatt wenden. Dann könnte Max Verstappen für seine zahlreichen niederländischen Fans möglicherweise einen echten Coup landen.


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