Formel 1 - Massa über Stroll: Bis Kanada war er schrecklich

Lance ist jetzt viel entspannter

Williams-Rookie Lance Stroll scheint nach neun Rennen in der Formel 1 angekommen zu sein. Felipe Massa erklärt, was den Kanadier zu Saisonbeginn hemmte.
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Motorsport-Magazin.com - Pünktlich zum Grand Prix von Großbritannien und damit zur Halbzeit der Formel-1-Saison 2017 scheint Rookie Lance Stroll in der Königsklasse so richtig angekommen zu sein. Auf die Punkte-Premiere beim Heimrennen in Montreal folgte das sensationelle Podest in den Straßen Bakus, und darauf wiederum eine solide Aufholjagd auf dem Red Bull Ring. Williams-Teamkollege Felipe Massa weiß, warum das Fahren dem Kanadier plötzlich so viel leichter von der Hand geht.

"Er ist im Auto jetzt viel entspannter als vorher", so der Brasilianer, der in den ersten sechs Rennen die Punkte für sein Team im Alleingang einfahren musste. "Er hatte in den ersten Rennen wirklich viel zu kämpfen." In Aserbaidschan kassierte Massa im Qualifying die erste teaminterne Niederlage gegen Stroll, dessen Formkurve sich laut dem Vizeweltmeister von 2008 "in den letzten zwei oder eher zweieinhalb Rennen" steil entwickelte.

In Kanada war er bis zum Qualifying schrecklich, aber im Rennen hat er sich verbessert.
Felipe Massa

Mit dem halben Rennen spricht Massa auf Strolls Heimspiel in Montreal an, bei dem dieser die ersten WM-Punkte seiner Karriere einfahren konnte. Genau diese sollen laut Massa die Initialzündung gewesen sein. "In Kanada war er bis zum Qualifying schrecklich, aber im Rennen hat er sich verbessert. Seit diesem Sonntag in Kanada hat er einen großen Schritt gemacht, in seinem Denken und in seinem Fahren", sagt der Routinier.

Der neunte Platz beim Heimrennen, wenn auch bedingt durch einige Ausfälle, habe in Strolls Kopf die richtigen Schalter umgelegt. "Die Formel 1 ist unter Druck sehr schwierig. Wenn du dich nicht auf das Fahren konzentrierst oder das, was du eigentlich tun solltest, weil dich andere Dinge belasten, ist das nicht gut", erklärt der 36-Jährige das Problem seines Teamkollegen, das nun offenbar der Vergangenheit angehört: "Jetzt beeinträchtigt ihn nichts mehr und er kann mehr über das Fahren, das Auto und das Setup verstehen."

Obwohl der 18-Jährige dem erfahrenen Teamleader mittlerweile langsam Konkurrenz macht, ändert dies nichts am Miteinander innerhalb der Williams-Garage. "Unsere Beziehung war immer sehr gut, sowohl was die Arbeit als auch was das Persönliche angeht. Aber jetzt ist sie noch besser", so Massa, der sich in seiner Rolle als Lehrer nach wie vor wohlfühlt. "Ich helfe ihm mehr als Michael mir damals. Ich bin da bei Lance viel netter", zieht er den Vergleich mit seiner Zeit als Schumacher-Teamkollege bei Ferrari.

Felipe Massa hat 2017 noch keinen tränenreichen Abschied auf dem Plan - Foto: Sutton

Massa: Sehe keinen Grund, 2018 nicht F1 zu fahren

Ob Massa dem Youngster auch 2018 mit Rat und Tat zur Seite stehen wird, steht momentan noch nicht fest. Anders als im vergangenen Jahr liebäugelt er jedoch nicht mit einem Rücktritt aus der Königsklasse. "Im Moment sehe ich keinen Grund, nächstes Jahr kein Teil der Formel 1 mehr zu sein", erklärt er. Mit dem aktuellen Reglement ist für ihn die Freude am Sport zurückgekehrt, wie er im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com zu Protokoll gibt: "Ich mag die Autos dieses Jahr. Es ist gut für meinen Fahrstil und ich kann einen guten Job abliefern."

Der August könnte wichtig sein um sich darüber klarzuwerden, was nächstes Jahr passiert.
Felipe Massa

Der Rücktritt Ende 2016 ergab sich letztendlich nicht ausschließlich aus mangelnder Lust auf die Formel 1. Mit der Verpflichtung von Lance Stroll und dem damals noch bei Williams unter Vertrag stehenden Valtteri Bottas, gab es für ihn bei seinem Wunschteam keinen freien Platz mehr - und ein Neuanfang bei einem anderen Rennstall reizte ihn nicht. Sollte er sich mit dem Ende der Saison 2017 aus der Formel 1 verabschieden, dann nur, weil er sich wieder mit einer ähnlichen Situation konfrontiert sieht.

"Nur wenn ich alle Möglichkeiten habe bei dem Team zu bleiben, von dem ich glaube, dass es für mich richtig ist. Wenn das nicht der Fall ist, höre ich lieber auf. Aber bei einem Team für das ich wirklich gerne arbeite, so wie es bei Williams der Fall ist, mache ich weiter", so Massa, für den die Entscheidung damit mehr oder weniger in Händen seines Arbeitgebers liegt. Ernsthafte Gedanken über seine Zukunft wird er sich in der in Kürze bevorstehenden Sommerpause machen: "Der August könnte wichtig sein um sich darüber klarzuwerden, was nächstes Jahr passiert."


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