Formel 1

Silverstone 2017: Die beste Strecke der Welt? Aller Zeiten?

Maggots, Becketts Chapel - die besten Kurven der Formel 1 werden in diesem Jahr noch besser. Der Rundenrekord in Silverstone wird pulverisiert, das ist fix.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Alle Fahrer lieben Silverstone. "Aber das Wetter ist nicht so toll hier", wirft Kimi Räikkönen schnell ein. "Und die Strecke hat mir vor dem Umbau besser gefallen." Doch am Rest gibt es nicht viel zu meckern: Copse Corner, Maggots, Becketts Chapel und Stowe sind legendäre Highspeed-Kurven in der Formel 1, die jedes Jahr aufs Neue begeistern. In diesem Jahr aber ganz besonders.

Das neue Reglement soll sich laut Analysen nirgends so extrem auswirken wie in Silverstone. Breite Reifen liefern mehr Auflagefläche in langsameren Ecken, vor allem aber die extremere Aerodynamik macht den Piloten in den zahlreichen schnellen Ecken Freude. Der Streckenrekord von 1:29,243 Minuten, aufgestellt von Lewis Hamilton im Qualifying 2016, könnte schon im 1. Freien Training locker fallen.

Niedrige Rundenzeiten, hohe Reifendrücke

Dazu hat sich Pirelli breitschlagen lassen und bringt nicht die härtesten Mischungen mit nach Großbritannien. Stattdessen gibt es Supersoft, Soft und Medium. Angedacht waren ursprünglich Soft, Medium und Hard. Von Sergio Perez gibt es deshalb zweifelhaftes Lob: "Das ist wohl das erste Mal, dass sie die richtige Reifenwahl getroffen haben." Dafür geht Pirelli mit den Reifendrücken erstmal auf Nummer Sicher: Vorne sind es mindestens 22,5 PSI, hinten 20,5 PSI. Die Werte können sich nach den Trainings noch ändern.

Aber auch die Reifendrücke können nichts daran ändern, dass Silverstone ein fahrerisches Highlight wird in diesem Jahr. "Ich denke, das wird bisher der größte Spaß meines Lebens", so Felipe Massa zu Motorsport-Magazin.com. "Suzuka wird vielleicht noch interessanter, aber Silverstone ist nicht weit weg. Mit viel Anpressdruck in die Highspeed-Kurven mit Richtungswechsel, das ist es, was ich als Fahrer richtig genieße."

Für andere Piloten ist Silverstone sogar das Non plus ultra. "Wenn es Strecken gibt, auf die ich besonders gespannt bin, dann ist es diese hier", sagt Sergio Perez. Aufgrund der extremen Kurvengeschwindigkeiten wird es hart für den Nacken. "Aber die niedrigen Temperaturen und die Geraden helfen", meint Nico Hülkenberg.

Geht Copse Corner Vollgas?

Für den Renault-Piloten sind es übrigens nicht Copse Corner, Maggots, Becketts Chapel oder Stowe, auf die er sich besonders freut. Anders als Kimi Räikkönen ist Hülkenberg ein Fan der neuen Strecke: "Am besten werden wohl Kurve eins und zwei. Da konnte ich zwar letztes Jahr schon teilweise voll fahren, aber sie ziehen trotzdem gut rein."

Copse Corner, die ehemalige erste Kurve, galt einst als die Mutkurve schlechthin. Lupfen oder Vollgas, hieß es lange Zeit. Nach den aerodynamischen Beschränkungen hieß es für alle lupfen. In diesem Jahr könnte es anders sein. "Ich denke, Copse wird dieses Jahr ziemlich locker voll gehen", glaubt Lewis Hamilton. Doch nicht jeder sitzt in einem Mercedes. Massa glaubt: "Vielleicht nicht am Freitag, aber im Qualifying wenn die Strecke besser ist. Dann vielleicht auch nicht Vollgas, aber es könnte kurz davor sein."

Fernando Alonso sieht durch die neuen Autos sogar die Streckencharakteristik verändert. "Manche Kurven werden keine Kurven mehr sein, beziehungsweise keine Herausforderung. Die Art, wie man hie bremst, wird sich ein bisschen ändern. Auch die Brems-Distanzen, weil wir langsamer ankommen und höhere Kurvengeschwindigkeiten haben. Alles ist etwas verdichtet. Hier wird es Kurven geben, vor denen wir fast nicht mehr bremsen. Ich freue mich darauf."

Silverstone mit neuen Autos einfacher?

Was das neue Reglement fahrerisch für Silverstone bedeutet, darüber sind sich die Piloten nicht ganz einig. Schnellere Kurven noch schneller - also ein Fall für Piloten mit den vielzitierten Big Balls? "Eher umgekehrt", glaubt Hülkenberg. "Ich glaube, dass es durch den höheren Abtrieb ein bisschen sicherer wird. Das ist aber nur meine Meinung, ich weiß es noch nicht."

Sebastian Vettel sieht es differenzierter. Vettel zu Motorsport-Magazin.com: "Es kommt darauf an. Hoffentlich haben wir so viel Abtrieb, dass es einfacher ist. Das Limit des Autos verschiebt sich, deshalb ist es wahrscheinlich schwieriger, an das eigene Limit zu kommen. Deshalb freue ich mich darauf und hoffe, dass es schwieriger wird."


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