Formel 1

Sebastian Vettel dreht durch: Die größten Ausraster eines Champions

Kurzschluss bei Sebastian Vettel in Baku: Rammstoß gegen Lewis Hamilton. Längst nicht sein erster Ausraster. Wo Vettel eines vierfachen Champions unwürdig war:
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Er hat es schon wieder getan: Nach bislang bester Ausglichenheit dank guten Saisonstarts brennen Sebastian Vettel beim Aserbaidschan GP 2017 die Sicherungen durch. Offenbar macht sich die verbesserte Form Mercedes', der zunehmend steigende Druck im WM-Duell mit Lewis Hamilton auch psychisch bemerkbar. So jedenfalls die Einschätzung des Briten, nachdem der Ferrari-Pilot im Rennen seinen Silberpfeil von der Seite - offenbar absichtlich - gerammt hatte und bestraft worden war. Zuvor hatte sich Vettel von Hamilton einem 'Out-Brake' unterzogen gefühlt. Offenbar also ein Revanche-Foul, wie zahlreiche F1-Experten analysierten.

Für Sebastian Vettel ist es bei Weitem nicht der erste Total-Ausfall. Ob mit umstrittenen Manövern direkt auf der Strecke oder heftigen Schimpf- und Fluchtiraden bis hin zu krassen Beleidigungen am Funk - der viermalige Weltmeister hat sich in seiner F1-Vergangenheit schon etliche Ausraster geleistet, für einige Eklats gesorgt. Eine Auswahl von Motorsport-Magazin.com.

Malaysia 2013: Die Multi-21-Affäre

Top-Stimmung beim Red-Bull-Doppelsieg in Malaysia 2013 - Foto: Sutton

Die Mutter aller Vettel-Eklats. In Kuala Lumpur ignoriert der Deutsche eine klare Teamabsprache bei Red Bull, nach den Boxenstopps die Positionen zu halten, um einen Doppelsieg kontrolliert ins Ziel zu schaukeln. In Runde 46 attackiert Vettel dennoch Mark Webber, drückt sich zwischen Boxenmauer und Auto seines Teamkollegen vorbei. Sofort folgt der Tadel durch Teamchef Christian Horner am Boxenfunk für diese eigentlich untersagte Aktion. Im Green Room spricht ein gefrusteter Webber Vettel auf das Thema an, der schaut nur betreten drein, weiß genau was er da getan hat. Später wird er sich bei Webber und dem Team zumindest entschuldigen.

Mexiko 2016: Fuck off Charlie, Bastard Verstappen

Eine Entschuldigung braucht es auch beim Mexiko GP 2016. Weil Vettel mit einer Aktion Max Verstappens nicht einverstanden ist, beschimpft er den Niederländer per Funk als "Bastard". Als ihm der Kommandostand dann auch noch mitteilt, dass die Rennleitung von eine Strafe gegen Verstappen abgesehen hat, platzt Vettel völlig die Hutschnur. "Wisst ihr was? Ich habe eine Nachricht an Charlie [Whiting]: Fuck off! Ehrlich, fuck off!", wütet der Deutsche. "Eines vierfachen Weltmeisters nicht würdig", befindet Ex-Chef Helmut Marko. Dafür muss sich Vettel später mehrfach entschuldigen - nur so entgeht er einer Rennsperre wegen Schädigung des Ansehens der FIA. Die hatte bereits Ermittlungen gegen Vettel aufgenommen. Völlig unnötig ist die ganze Flucherei ohnehin: Nach Rennende wird Verstappen doch noch bestraft. Vettel wegen eines besonders heftigen Falls von "Moving under Braking" übrigens auch - fast schon wieder ein eigener Eklat.

Türkei 2010: Crash-Eklat bei Red Bull

Crash zwischen Webber/Vettel in der Türkei - Foto: Bridgestone

"Seit Istanbul ist diese zerrüttet", sagt Christian Horner drei Jahre nach einem berühmten Vorfall beim Türkei GP über die Beziehung seines Fahrerduos Sebastian Vettel und Mark Webber. Punktgleich reisen die Red Bulls 2010 nach Istanbul, dominieren das Rennen. Doch sieht Vettel nicht ein, warum Polesetter Webber den Grand Prix auch gewinnen soll, wagt einen völlig unnötigen und abenteuerlichen Überholversuch. Was folgt, sind ein teaminterner Crash, Vettel fällt aus, Webber wird nur Dritter, und jede Menge Ärger unter Teamkollegen.

China 2016: Der verrückte Torpedo

Vettel machte Kvyat mehr als klar, was er von Kurve eins hielt - Foto: Sutton

Und nochmal 2016. Schon im dritten Saisonrennen beginnt für Vettel ein von unzähigen Funk-Ausrastern gespicktes Jahr. Nach einer hoch fragwürdigen Ferrari-internen Kollision in Kurve eins macht Vettel Red Bulls Daniil Kvyat dafür verantwortlich. Aus Vettels Sicht sei der Russe auf der Innenbahn zu aggressiv hereingestochen. Als Torpedo bezeichnet er Kvyat deshalb im Green Room. Doch schon zuvor hatte Vettel im Boxenfunk kräftig gewettert, Kvyat als verrückten Mann und dessen Aktion als selbstmörderisch bezeichnet. Beim nächsten Rennen in Russland geht es übrigens gleich weiter. Nachdem Kvyat Vettel abgeschossen hat, funkt Seb: "Booah, ich bin raus! Crash! Jemand hat mich in Kurve zwei im fucking Heck getroffen und dann hat mich in Kurve drei wieder jemand im fucking Heck getroffen. Ehrlich!"

Malaysia 2012: Renngurke Karthikeyan

Eine Renngurke auf Abwegen - Foto: Sutton

"Wie im echten Leben gibt es eben ein paar Gurken, die auf der Strecke fahren. Da muss man überlegen, ob Autofahren für ihn der richtige Job ist", poltert Vettel 2012 in Malaysia wegen Narain Karthikeyan. Der Inder hatte ihm gerade bei einer Überrundung den linken Hinterreifen am RB8 aufgeschlitzt. "Das muss man nicht verstehen", wettert Vettel. Für Vettel endet das Rennen zwar ohne Ausfall, aber außerhalb der Punkteränge.

Großbritannien 2014: Maulerei verdirbt Mega-Racing

In Silverstone gab Vettel Alonso sauers, on- und offtrack - Foto: Sutton

Völlig unterlegen ist Fernando Alonso mit Ferrari 2014, bei Red Bull nimmt Daniel Ricciardo Sebastian Vettel nach dessen vier Titeln am Stück plötzlich die Butter vom Brot. Entsprechend genervt geht Vettel durch die Saison. Besonders bemerkbar macht sich das im Duell mit seinem alten Bekannten. Gegen Lieblings-WM-Rivale Alonso liefert sich Vettel in Silverstone über Runden ein richtig starkes Duell unter Weltmeistern. Wäre da nicht die nervige Jammerei am Funk, die das Spektakel trübt. "Er hat es schon wieder getan! Er hat mir keinen Platz gelassen! Das war gefährlich!", schimpft Vettel mitunter. Später merkt er es immerhin selbst - sonst nicht oft der Fall. "Es wurde vielleicht ein bisschen absurd als wir uns beide über den jeweils anderen beklagt haben", sagt Vettel.

Belgien 2016: Idiot!

Jammer-Seb: Sind Vettels Funkausraster noch normal?: (1:46 Min.)

In Spa dreht Vettel per Funk mal wieder richtig durch. Was für ein Idiot! Ehrlich! Was für ein Idiot! Es ist Freies Training! Darauf gibt doch jeder einen Scheiß!" Gemeint ist Kevin Magnussen, dem Vettel über die Wiese ausweichen muss. Ein Strafe gibt es nach Untersuchung der Stewards nicht. Immerhin ist Vettel mit seiner Eskalation alles andere als allein. Auch seine Landsmänner Wehrlein und Hülkenberg wüten an diesem Samstag kräftig.

Spanien 2016: Pingpong mit Ricciardo

Ja, 2016 ist für Vettel einfach ein Frustjahr. Deshalb hier der vierte und letzte Ausraster an dieser Stelle (um es abzukürzen, jede Menge mehr gibt es hier). Gegen ein Angriff Daniel Ricciardos auf Start/Ziel hat Vettel jede Menge einzuwenden. "Wenn ich nicht ausgewichen wäre, wäre er mir ins Auto gefahren. Was ist das, Racing oder Ping Pong?", tadelt Vettel den Australier am Funk. Ein Großteil der Beobachter hält das für übertriebene Jammerei, Ricciardo zieht Vettel tags darauf per Twitter durch den Kakao.


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