Formel 1

Fuck, shit! Ricciardo schiebt in Monaco Frust: Red Bull mit dummem Fehler

Daniel Ricciardo war nach dem Qualifying für den Monaco GP alles andere als glücklich. Schlechtes Timing seiner Strategen sorgte bei ihm für einen dicken Hals.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Eigentlich wollte Red Bull-Pilot Daniel Ricciardo bei der 2017er Ausgabe des Grand Prix von Monaco Wiedergutmachung für den verpassten Sieg im Vorjahr leisten. Nach dem ersten Trainingstag war er in diese Hinsicht auch noch guter Dinge, doch im Qualifying erlebte der Australier auf seiner Mission einen herben Rückschlag. Statt seine Gala-Vorstellung von 2016 zu wiederholen, musste er Teamkollege Max Verstappen den Vortritt lassen und kam nicht über die dritte Startreihe hinaus. Der Wiederum war mit seiner Leistung zufrieden.

"Fuck, shit!... Okay, jetzt hab ich's rausgelassen." Mit diesen Worten empfing Ricciardo nach dem Zeittraining im Fürstentum die Journalisten zu seiner Medienrunde. Der Polesitter des Vorjahres war wieder einmal reichlich angefressen, nachdem auf dem legendären Straßenkurs an der Côte d'Azur erneut nichts für ihn zu laufen schien. Statt eine Attacke auf Ferrari zu reiten, verlor er auf seiner schnellsten Runde satte acht Zehntel auf die Pole von Kimi Räikkönen - und was noch viel schlimmer war: eine halbe Sekunde auf den Stallgefährten. In der Startaufstellung bedeutet dies lediglich Platz fünf.

Fuck, shit!... Okay, jetzt hab ich's rausgelassen.
Daniel Ricciardo

Ricciardo erwies sich in der jüngeren Vergangenheit als absoluter Monaco-Spezialist und gerade der Rückstand zu Verstappen lässt für ihn keinen Zweifel daran, dass auf seine Seite der Garage an diesem Samstag etwas gewaltig schief gelaufen ist. Während der Großteil des Feldes sich für zwei Aufwärmrunden entschied, wollte Ricciardo im Q3 auf zwei frischen Reifensätzen jeweils schon in der ersten schnellen Runde eine Zeit setzen. Beim entscheidenden Versuch lief jedoch alles schief. "Wir kamen im Verkehr raus und ich konnte beim letzten Run auf der Outlap nicht pushen", klagte Ricciardo.

Obwohl im letzten Segment des Zeittrainings nur noch neun Autos auf der Strecke waren, lief er auf den eigenen Teamkollegen und Jenson Button auf. Dabei wäre laut ihm genügend Platz gewesen, dieses Aufeinandertreffen zu vermeiden. "Es sah so aus, als ob wir 20 Sekunden Luft zu Perez hinter mir hatten. Ich weiß nicht, warum wir nicht da rausgefahren sind. Dass wir im Verkehr rausfahren, obwohl wir wissen, dass wir eine freie Outlap brauchen, war ein offensichtlicher Fehler", lautete seine relativ unmissverständliche Kritik in Richtung des Red Bull-Kommandostands.

Ricciardo fühlte sich schon 2016 von seinem Team in Monaco im Stich gelassen - Foto: Sutton

Ricciardo: In Monaco fehlt offenbar die Konzentration

Unmittelbar nach dem Qualifying hatte er zwar noch nicht die Möglichkeit, die Geschehnisse zusammen mit dem Team im Debriefing zu besprechen, doch Ricciardo fühlte sich unweigerlich an den Boxenstopp-Fauxpas des Vorjahres erinnert, der ihn um den sicheren Sieg brachte. "Es scheint einfach so, als ob die Intensität von Monaco die Leute hin und wieder die Konzentration verlieren lässt und zu sehr offensichtlichen Fehlern führt", legte er gegenüber Motorsport-Magazin.com noch einmal nach. "Ich glaube, ich war sowieso der Letzte. Wir hätten alle Zeit der Welt gehabt."

Wir haben uns einfach unter Wert verkauft.
Daniel Ricciardo

Sichtlich genervt war der 27-Jährige vor allem davon, dass eine mittelprächtige Startposition in Monaco sämtliche seiner Pläne für eine Attacke auf den Sieg schon im Vorfeld des Grand Prix durchkreuzt: "Es ist die eine Rennstrecke, auf der du keine dummen Fehler machen willst. Das Qualifying ist hier fast wie der Sonntag, denn es kann das gesamte Rennen diktieren. Ich denke, dass man hier sogar noch mehr in den Samstag als in den Sonntag investieren muss. Es ist einfach nicht der Tag, an dem du solche Fehler machen willst."

Bei allem Frust stellte Ricciardo allerdings auch klar, dass er seinem Team mit diesen Aussagen keineswegs Sabotage unterstellen will. "Es ist natürlich keine Absicht von den Jungs und das Gefühle habe ich auch gar nicht", fügte er an. Letztendlich haderte er vor allem damit, an einem Wochenende mit größeren Siegchancen nicht den bestmöglichen Job abgeliefert zu haben. "Wir haben uns einfach unter Wert verkauft. Dabei ist dieses Rennen eine Möglichkeit für uns, es viel besser zu machen. Ich denke, wir hätten jeden herausfordern können. Aber wir waren sehr weit von unserem Potential entfernt und das ist das Frustrierende."

Top-10 Monaco Crashes: (01:16 Min.)

Hoffnung auf einen Overcut

War Monaco seit jeher nicht für Überholmanöver prädestiniert, wird es durch die 2017 um 20 Zentimeter in die Breite gewachsenen Boliden noch einmal deutlich schwieriger, auf der Strecke Positionen gutzumachen - zumal für den Rennsonntag auch kein Regen vorhergesagt ist, der die Chancen erhöhen könnte. "Selbst wenn die anderen mit den Reifen zu kämpfen haben, wird es schwierig", so Ricciardo.

Am besten scheißen wir morgen auf die Boxenstopps...
Daniel Ricciardo

Der viermalige Grand-Prix-Sieger kann daher nur auf die Strategie hoffen. "Das hier ist eine Strecke, auf der du vielleicht einen Overcut machen kannst. Wenn jemand vor die Probleme mit den Reifen hat und früh zum Stopp kommt, und du dadurch freie Fahrt hast, kannst du vielleicht einen Overcut machen", erklärt er den Plan, um seinen Monaco GP doch noch zu retten. Am liebsten wäre ihm nachdem Debakel aber gar kein Boxenstopp - dann kann schließlich auch nichts schiefgehen: "Am besten scheißen wir morgen auf die Boxenstopps..."

Verstappen holt das Maximum heraus

Besser aufgelegt war ganz eindeutig Max Verstappen. Nachdem er 2016 im Monaco-Qualifying noch ein Debakel erlebte und seinen Red Bull in die Mauer setzte, holte er heute für seinen Arbeitgeber die Kohlen aus dem Feuer. Viel mehr als der vierte Platz ging laut dem 19-Jährigen auch nicht: "Ich denke, wir sollten realistisch sein. Das heute war das Bestmögliche, was wir leisten konnten. Meine Runde war am Limit und ich bin damit ziemlich glücklich."

Ich denke, wir sollten realistisch sein.
Max Verstappen

Dass es für ihn im Rennen weiter nach vorne gehen könnte, bezweifelt der Youngster aber. Zwar ist der Abstand zur Spitze aufgrund der Streckencharakteristik geringer, doch eben diese lässt am Sonntag kaum einen Vorwärtsdrang zu. "Normalerweise ist es unmöglich. Wir versuchen einen guten Start und eine gute Strategie. Aber hier an jemandem vorbeizukommen, wird sehr schwierig", fügte Verstappen an.


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