Formel 1 - Stinkiger Vettel zur Pole-Pleite: War zu gierig!

'Hätte, Wäre, Wenn & Aber ist nicht'

Sebastian Vettel ist nach P2 im Qualifying zum Monaco GP angefressen. Die Schlappe gegen Teamkollege Kimi Räikkönen wurmt das Ferrari-Ass. Schuld sei er selbst.
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Motorsport-Magazin.com - Sebastian Vettel war der Mann des Monaco-Wochenendes. Das Donnerstagstraining hatte der Ferrari-Star inklusive neuen Rundenrekords nach Belieben dominiert, auch im dritten Training, der Generalprobe für das Qualifying, setzte sich Vettel, erneut mit neuem Rundenrekord, am Samstagvormittag durch. Doch dann das Qualifying.

Vettel: Schlechteren Job gemacht als Kimi

Und plötzlich ist es nicht mehr der WM-Leader, der von der Spitze des Zeitentableaus grüßt. Stattdessen ergattert dessen finnischer Teamkollege Kimi Räikkönen die Pole Position im Fürstentum. Und ja - auch das mit neuem Rundenrekord, diesmal fehlt Vettel ein Hauch von 0,043 Sekunden auf den Platz an der Sonne.

Ich bin nicht zufrieden, ja verärgert, weil ich denke, dass heute mehr drin war. Im Moment stinkt mir das und ich habe da natürlich einen dicken Hals!
Sebastian Vettel

Eine reine rote Startreihe eins also in Monte Carlo - zuletzt gab es das im Fürstentum 2008. Dennoch ist Vettel mit dem Ergebnis alles andere als zufrieden, richtig angefressen sogar. Warum? "Ja, wieso wohl?", fragt Vettel im Interview nach der Qualifikation scharf zurück. "Weil ich denke, dass ich heute hätte vorne stehen können!", stellt Vettel klar. "Aber Hätte, Wäre, Wenn und Aber ist nicht. Kimi hat unter dem Strich den besseren Job gemacht und hatte einen sauberen Run."

Sebastian Vettel erwischte im Monaco-Qualifying keine perfekte Runde - Foto: Sutton

Vettel erklärt: Hier habe ich es übertrieben

Vettel weiter: "Wenn ich jetzt hier stehen und sagen würde, dass alles rosig ist, dann würde ich lügen. Das ist nicht mein Ding. Ich sage lieber die Wahrheit. Ich bin nicht zufrieden, ja verärgert, weil ich denke, dass heute mehr drin war. Im Moment stinkt mir das und ich habe da natürlich einen dicken Hals!"

Im zweiten Versuch war ich dann im zweiten Sektor vielleicht etwas zu gierig.
Sebastian Vettel

Verärgert sei Vettel jedoch mitnichten auf sein Team. Ein schlechtes Auto hätte Ferrari ihm nicht hingestellt. "Das Auto war gut, wirklich schön zu fahren. Es hat sich gut angefühlt, auch im Qualifying. Da gibt es nichts zu bemängeln", sagt er. Vielmehr liege der Fehler bei ihm selbst. "Die erste Kurve habe ich nicht ganz so fliegen lassen wie ich sie hätte fliegen lassen sollen, da habe ich verloren. Aber der erste Sektor war noch okay. Der zweite Sektor war dann gar nicht gut. Ich habe vielleicht ein bisschen zu hart gepusht und bin in Kurve fünf weit gegangen. Im zweiten Versuch war ich dann im zweiten Sektor vielleicht etwas zu gierig. Generell kam der im Quali nicht so richtig zustande. Ich habe ein bisschen zu viel gewollt und habe etwas verloren", berichtet Vettel.

Unter Kimi-Druck: Vettel kassiert Verwarnung

Maurizio Arrivabene bestätigt: "Schade natürlich für Seb, dass er einen Fehler in Kurve fünf hatte." Der Ferrari-Teamchef weiter: "Aber es ist schön, beide Autos vorne zu haben. Wir wissen aber auch, was in Sochi passiert ist ... Wir müssen vorsichtig sein!" Dass er sich mit Teamkollege und Kumpel Räikkönen ins Gehege kommen könnte, schließt Vettel aus. "Wir sind beide genug Rennen gefahren, um zu wissen, was wir in der ersten Kurve machen müssen", sagt Vettel.

Der will natürlich gewinnen, der hört nichts, wenn ihm einer was sagen will. So lange sein Auto super funktioniert, macht er dem Sebastian nie Platz.
Lauda über Räikkönen

Strecken wird sich der Deutsche allerdings müssen, will er Kimi Räikkönen in Monaco bezwingen. Schon im Qualifying schien das Vettel kurzzeitig aus der Fassung zu bringen als er am Boxenausgang die Linie überfuhr, eine Verwarnung kassierte. Räikkönen befindet sich offenbar in einer derartigen Galaform, dass Vettel den Finnen nur mit Perfektion bezwingen kann. "Der ist hochmotiviert. Aber dass er den Sebastian hier so entfesselt, finde ich schon eine super Leistung", sagt Niki Lauda. "Der will natürlich gewinnen, der hört nichts, wenn ihm einer was sagen will. Und so lange sein Auto super funktioniert, macht er dem Sebastian nie Platz."

Kommt Sebastian Vettel in Runde eins wieder als Erster aus dem Tunnel? - Foto: Sutton

Big-Point-Chance vs. Hamilton: Vettel will kein Ferrari-Geschenk

Genau das würde ein Sebastian Vettel jedoch auch niemals wollen. Ein Geschenk für den WM-Leader? "Nö, möchte ich nicht", stellt Vettel klar. Dabei wäre ein Big Point in Monaco für Vettel besonders wichtig, startet sein großer WM-Rivale Lewis Hamilton nach gewaltigen Problem außerhalb der Top-Ten - eine ordentliche Portion Punkte sind in Monaco da eine Mammutaufgabe.

Besonders hier kann am Renntag alles passieren. Du weißt es nie.
Sebastian Vettel

Vettel interessiert sich dafür allerdings kein Stück. "Es sind erst fünf Rennen gefahren. Darum kümmere ich mich nicht. Wir kämpfen morgen beide um das bestmögliche Resultat", sagt er. "Ich wollte heute selbst vorne stehen, das hat nicht geklappt. Ich habe keinen guten Job gemacht, bin nicht zufrieden mit mir und meiner Performance. Da überwiegt der Ärger. Den muss man jetzt davonziehen lassen und auf morgen warten. Ändern kann ich es jetzt nicht mehr."

Mercedes & Red Bull noch voll auf der Rechnung

Für das Rennen erwartet Vettel jedoch nicht zwangsläufig einzig ein Duell mit dem Iceman. Auch Mercedes und Red Bull dürfe man nicht unterschätzen. "Es gibt immer eine Bedrohung", sagt Vettel. "Besonders hier kann am Renntag alles passieren. Du weißt es nie - Strategie, Safety Car, Virtuelles Safety Car. Es gibt so viele Möglichkeiten", sagt Vettel. "Der Start wird auf jeden Fall schonmal wichtig sein. Dann gibt es noch viele Runden, da kann viel passieren. Aber unsere Starts waren in der Regel immer ganz gut und der Weg zur ersten Kurve ist auch nicht allzu weit", sagt Vettel, wohl mit kleiner Erinnerung an Arrivabenes -Warnung im Hinterkopf.


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